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Brandenburg
Neuruppin: Zwei Fraktionen wollen CSD-Veranstaltungen verbieten
Im brandenburgischen Neuruppin finden in diesem Jahr zum ersten Mal Pride Weeks statt. Die Fraktionen Pro Ruppin und BVB/Freie Wähler im Stadtparlament wollen nun einige Veranstaltungen verhindern.

Foto aus der Ausstellung "Walk with Pride", die zum IDAHOBIT 2022 in Neuruppin gezeigt wurde (Bild: Charles Meacham)
- 20. Mai 2024, 09:02h 2 Min.
In Neuruppin gibt es heftigen Widerstand gegen die Pride Weeks, die vom 17. bis 28. Juni 2024 zum ersten Mal in der brandenburgischen Kreisstadt stattfinden. Mit einem gemeinsamen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) wollen die Fraktionen Pro Ruppin und BVB/Freie Wähler einige CSD-Veranstaltungen verbieten.
Konkret geht es um die "Vorlesetage in Kindergärten", bei denen Mitglieder des Queeren Netzwerks Neuruppin in verschiedenen Kindergärten aus queeren Kinderbüchern vorlesen wollen. Man lege "auch namens vieler Eltern" Widerspruch ein, zitiert die "Märkische Oderzeitung" (Bezahlartikel) aus dem Antrag, der am 27. Mai auf der Tagesordnung steht. Die Gefahr der "Kindeswohlgefährdung" müsse ausgeschlossen werden, empören sich Pro Ruppin und BVB/Freie Wähler, "denn in dem Alter ist die sexuelle Betrachtung des eigenen Körpers und der des anderen Geschlechtes gegenüber noch nicht ausgeprägt". Die Kinder sollten "nicht durch erst später wichtige sexuelle Dinge, unreifer Weise überbordet werden".
Linke kritisiert "unappetitliche Missbrauchsfantasien"
Heftige Kritik an dem queerfeindlichen Verbotsantrag in der Fontanestadt kommt von der Linken Ostprignitz-Ruppin und dem Jugendwohnprojekt Mittendrin. "In der letzten SVV der Legislatur will die queerfeindliche Koalition u.a. beschließen lassen, das Lesen queerer Bücher auf der Pride Week zu verbieten", heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. "Garniert wird der Antrag von weiteren Forderungen, die den unappetitlichen Missbrauchsfantasien der AntragstellerInnen entsprungen sind."
Jannik Vogel vom Jugendwohnprojekt Mittendrin wies darauf hin, dass die Existenz von LGBTI ein wissenschaftlicher Fakt ist. "Der Versuch, das Vorlesen queerer Bücher in Kitas zu verbieten, ist ein Paradebeispiel dafür, wie queere Menschen diskriminiert werden." Gerade deshalb sei es so wichtig, über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt aufzuklären. "Es ist eine Bildungsaufgabe, diese Informationen zu verbreiten, um Vorurteile abzubauen und ein inklusives Umfeld zu schaffen, in dem alle Menschen respektiert und akzeptiert werden."
Die Pride Weeks werden von der Stadt gefördert
Auch der Vorsitzende der linken Stadtfraktion, Ronny Kretschmer, kritisierte den Antrag scharf. "Am 17. Mai 1990 wurde – endlich – Homosexualität als Krankheit aus dem Diagnoseschlüssel ICD gestrichen." Dem werde seit 2005 weltweit gedacht. "Wenn man sich diesen Antrag der Antiqueer-Koalition in Neuruppin anschaut, sollte die WHO vielleicht überlegen, die Homophobie mit einem ICD Code zu versehen. Dann wäre so ein Unsinn wenigstens diagnostizierbar."
In der Kreisstadt Neuruppin im Norden des Landes Brandenburg leben rund 31.400 Menschen. In der Stadtverordnetenversammlung kommen Pro Ruppin und BVB/Freie Wähler zusammen auf fünf der 30 Sitze. Die Pride Weeks werden u.a. von der Stadt Neuruppin finanziell gefördert. (mize)
Links zum Thema:
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