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Eurovision-Acts "nicht normal"
Türkischer Präsident wettert gegen ESC
Noch immer regt die Vielfalt beim Eurovision Song Contest queerfeindliche Kräfte auf. Zwei Wochen nach dem Event sieht Recep Tayyip Erdoğan nun in dem Musikwettbewerb "soziale Korruption" am Werke.

Recep Tayyip Erdoğan behauptet, beim ESC sei es unmöglich, eine "normale Person" zu treffen (Bild: World Humanitarian Summit / flickr)
- 22. Mai 2024, 12:22h 2 Min.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat am Montag im Anschluss an eine Kabinettssitzung Teilnehmende des Eurovision Song Contest als "trojanische Pferde der sozialen Korruption" bezeichnet. "Bei solchen Veranstaltungen ist es unmöglich, eine normale Person zu treffen", erklärte der 70-Jährige laut Medienberichten. Mit seinem Kommentar spielte er offenbar auf den siegreichen Act Nemo aus der Schweiz an – Nemo siegte als erste nichtbinäre Person in der 68-jährigen Geschichte des Musikwettbewerbs (queer.de berichtete).
Laut Erdoğan bedrohe der ESC die traditionelle Familie. So finde dort "Geschlechtsneutralisierung" statt, behauptete er. "Wir verstehen nun besser, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, indem wir die Türkei in den letzten zwölf Jahren aus diesem schändlichen Wettbewerb herausgehalten haben", sagte der Politiker, der seit über 20 Jahren als Ministerpräsident oder Staatspräsident sein Land regiert. Hintergrund ist, dass die Türkei 2012 angeblich im Streit um den Jury-Modus seine Teilnahme zurückgezogen hatte. Seither ist das Land nicht mehr angetreten. Später nannte der Staatssender TRT als Grund für die andauernde Nichtteilnahme, dass der ESC von seinen Werten abgekommen sei – und nannte als Beispiel den Sieg von Conchita Wurst, der Kinder gefährde (queer.de berichtete).
Die Türkei hatte 2003 den ESC gewonnen – damals mit dem Beitrag "Everyway That I Can" von Sertab Erener. Die Sängerin teilt jedoch offenbar die Abneigung ihrer Regierung gegen den Wettbewerb nicht: Sie trat beim diesjährigen ESC im zweiten Halbfinale mit ihrem Siegersong als Pausenact in Malmö auf – gemeinsam mit Elena Paparizou, der griechischen Siegerin von 2005, und Charlotte Perrelli, der schwedischen Gewinnerin von 1999.
Die Lage von LGBTI-Rechten in der Türkei hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. So verbietet das Regime regelmäßig die CSD-Demonstrationen – sollten queere Menschen dennoch demonstrieren, ging die Polizei immer wieder mit Gummigeschossen oder Wasserwerfern gegen die Teilnehmenden vor (queer.de berichtete). Erst im März übte der Europarat zum wiederholten Male Kritik an der türkischen Staatshomophobie (queer.de berichtete). (dk)














