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Bizarrer Rechtsstreit
Senegal: Homophobe Aktivisten müssen ins Gefängnis
Zwei muslimische Aktivisten müssen ins Gefängnis, weil sie den Premierminister beschuldigt haben, zu queerfreundlich zu sein.

Premierminister Ousmane Sonko mag es nicht, wenn man ihn als queerfreundlich bezeichnet (Bild: IMAGO / Xinhua)
- 4. Juni 2024, 13:34h 2 Min.
Ein Gericht in der senegalesischen Hauptstadt Dakar hat am Montag nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zwei queerfeindliche Männer wegen der "Verbreitung von Desinformationen" zu einer Haftstrafe von drei Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 CFA-Franc (152 Euro) verurteilt. Hintergrund ist, dass der Iman Ahmed Tidiane Ndao und der muslimische Aktivist Bah Diakhaté vergangen Monat Premierminister Ousmane Sonko "vorgeworfen" hatten, zu freundlich gegenüber LGBTI zu sein.
Ndao und Diakhaté hatten den Regierungschef nach dem Besuch des linkspopulistischen französischen Politikers Jean-Luc Mélenchon Mitte Mai kritisiert. Mélenchon hatte damals die Ehe für alle verteidigt – und bei einer Diskussion unter Buhrufen des Publikums erklärt: "Die Freiheit der Liebe sollte jedem offen stehen." Zwar kritisierte Sonko gleich danach die Ehe für alle und erklärte, dass Homosexualität im Senegal "nicht akzeptiert" werde und derartige Forderungen aus Europa zu "antiwestlichen Gefühlen" führen konnten. Nach dem Treffen mit dem französischen Politiker gab es aber viel Kritik von queerfeindlichen Kräften im Senegal – so wurde Sonko vorgeworfen, einem queerfreundlichen Agitator ein Forum geboten zu haben, obwohl dessen Einstellung zuvor bereits bekannt gewesen sei.
Senegals Bevölkerung ist extrem queerfeindlich
Im mehrheitlich muslimischen Senegal kann Homosexualität derzeit mit fünf Jahren Haft geahndet werden. Die Bevölkerung gilt als äußerst queerfeindlich: Laut Umfragen aus den letzten Jahren sprechen sich rund 95 Prozent der Bevölkerung gegen Akzeptanz für Homosexualität aus. Allerdings wurde 2022 ein Antrag im Parlament abgelehnt, die Haftstrafen für Homosexualität zu verdoppeln (queer.de berichtete). (dk)















