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Evangelische Kirche
Umgang mit Missbrauch: Rücktritt des Landesbischofs gefordert
Zum Start der Landessynode der evangelischen Kirche Hannover fordern Missbrauchsopfer den Rücktritt von Landesbischof Ralf Meister. Bei der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt habe der 62-Jährige versagt.

Ralf Meister ist seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (Bild: Heiko Preller / wikipedia)
- 6. Juni 2024, 05:42h 3 Min.
Seit Jahren kritisieren Betroffene die schleppende Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Landeskirche Hannovers. Zum Start der Landessynode, also der Tagung des Kirchenparlaments, wächst deshalb der Druck auf Landesbischof Ralf Meister.
In einem Brief fordern mehrere Betroffene den Rücktritt des Bischofs. "Wir haben als Kinder und Jugendliche sexualisierte Gewalt in Kirchengemeinden der Landeskirche Hannovers erlebt und uns deswegen zu verschiedenen Zeitpunkten in unserem Erwachsenenleben an die Kirche gewandt", heißt es in dem am Mittwoch bekanntgewordenen Schreiben.
Es habe viel Mut gekostet, das Schweigen zu brechen. "Leider sind wir dabei im Wesentlichen immer wieder enttäuscht worden. Unseren Hinweisen wurde auch seit 2010 nicht oder nur mit wesentlicher zeitlicher Verzögerung nachgegangen. Kirchengemeinden wurden nicht informiert."
Betroffene: Versagen gefährdet auch Kinder und Jugendliche
Die Betroffenen-Initiative wirft Bischof Meister vor, er habe die Bedeutung des Themas sexualisierte Gewalt nicht erkannt. Solch ein Versagen gefährde auch "Kinder und Jugendliche, die heute kirchliche Angebote wahrnehmen, weil Strukturen von Gewalt nicht erkannt und nicht aufgeklärt werden".
Es sei Zeit, dass der 62-Jährige die Konsequenzen ziehe. "Die einzige verantwortungsvolle Option ist der Rücktritt von Landesbischof Meister", schreiben die Betroffenen.
Mehrere Gremien der Kirche stellten sich daraufhin hinter Bischof Meister. Die Landeskirche Hannovers habe entscheidende Veränderungen eingeleitet und die Fachstelle Sexualisierte Gewalt gestärkt, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. "Als kirchenleitende Gremien sind wir überzeugt, dass Ralf Meister seiner Verantwortung als Landesbischof gerecht wird, auch, indem er Fehler im Umgang mit Betroffenen eingeräumt und konkrete Verbesserungen eingeleitet hat."
Aber die Betroffenen berichten von weiterhin negativen Erfahrungen mit der seit 2021 besser ausgestatteten Fachstelle.
Die Landeskirche Hannovers ist mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern die mitgliederstärkste Landeskirche in Deutschland. Ihr Gebiet erstreckt sich über weite Teile Niedersachsens. Seit Mittwoch tagt die Landessynode im Kloster Loccum in der Nähe des Steinhuder Meeres. Am Freitagvormittag (7. Juni) steht das Thema sexualisierte Gewalt auf der Tagesordnung. Dann will auch Meister selbst Stellung nehmen.
Kritik aus den eigenen Reihen
Erstmals haben sich mehr als 200 Beschäftigte der Landeskirche Hannovers in einem gemeinsamen Brief an Landesbischof Meister und andere leitende Geistliche massive Kritik geübt. "Die Aufgabe, aufzuarbeiten und aufzuklären, liegt bei uns allen und muss jetzt proaktiv und klar übernommen werden. Auf Betroffene zu hören ist dabei der Dreh- und Angelpunkt", heißt es in dem Schreiben, über das zuerst die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete.
Die Unterzeichner*innen – mehrheitlich Pastor*innen – fordern nicht den Rücktritt von Meister, sondern einen Kulturwandel in der Kirche. "Wir hätten uns von Herrn Meister gewünscht, dass er von Anfang an offensiv mit den Vorfällen umgegangen wäre, von Anfang an Schuld eingestanden hätte und sich solidarisch mit den Betroffenen gezeigt hätte", sagte Susanne Paul, eine der fünf Sprecher*innen der Initiative, der dpa. (cw/dpa)














