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Harald Glööckler veröffentlicht Autobiografie

Wie man aus einer desaströösen Kindheit ein pompööses Leben kreiert: Wir haben eine Leseprobe aus dem neuen Buch "Desaströös bis POMPÖÖS" von Harald Glööckler.


Harald Glööckler ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten und erfolgreichsten Designer unserer Zeit und zelebriert Modepräsentationen rund um den Globus (Bild: LOUJU Management GmbH / Anelia Janeva)
  • 7. Juni 2024, 08:22h 5 Min.

Harald Glööckler ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten unserer Zeit. Ein Mann, der die Extravaganz und den Glamour liebt, dem nichts pompöös, nichts glanzvoll genug ist. Ein Mann, der unaufhaltsam seinen Weg geht und die Treppen des Ruhmes empor steigt, bis er ganz oben angekommen ist. Er ist der Liebling der Frauen und Diven. Aus jeder Frau macht er eine Prinzessin.

Nun veröffentlicht er seine neue Autobiografie "Desaströös bis POMPÖÖS". Er schaut aber mehr nach vorne als nach hinten. Ein halbes Jahrhundert exzentrische Auftritte, gigantische Modepräsentationen mit Weltstars, pompööse Mode und Lifestyle liegen hinter ihm. Was ist sein Erfolgsgeheimnis und wie geht er mit einer desaströösen Kindheit um? Warum ist der Pharao Tutenchamun bedeutsam in seinem Leben?

"Desaströös bis POMPÖÖS" ist eine große und inspirierende Reise zu den Stätten seines Lebens und Wirkens zwischen Schwaben, Berlin, London und Hongkong. Die Autobiografie ist jetzt als 184 Seiten starke, gebundene Ausgabe für 22 Euro (Amazon-Affiliate-Link ) im Sindelfinger Molino Verlag erschienen.

Aus dem Kapitel "Meine Großmutter, die Diva"


"Desaströös bis POMPÖÖS" ist im Molino Verlag erschienen

Meine Großmutter war aber auch eine echte Diva. Und dafür liebte ich sie. Sie hat mein Bild über Frauen und deren Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in einem unvorstellbaren Maß geprägt. Während meine Mutter ihr ganzes Leben in einer Opferrolle verbrachte, lebte meine Großmutter selbstbestimmt und frei. Sie siegte, ohne zu kämpfen. Heute würde man sie als Feministin bezeichnen, damals in der durch und durch patriarchalisch organisierten Gesellschaft meiner Kindheit war dieser Begriff aber nicht geläufig. Diese mutige Dame setzte sich über alle gesellschaftlichen, politischen, juristischen und auf das Arbeitsleben bezogenen Einschränkungen der Rechte der Frauen weitestgehend hinweg und lebte, wie es ihr gefiel.

Aus dem Kapitel "Zufluchtsorte und Missbrauch"

Meine Eltern hatten ein Grundstück, ungefähr in der Mitte zwischen Zaisersweiher und Maulbronn. Dort verbrachte ich viel Zeit inmitten von Obstbäumen. Ich ergriff jede auch nur denkbare Möglichkeit, um von meinem schrecklichen Elternhaus wegzukommen. Draußen auf unserem Grundstück in freier Natur fand ich meine Ruhe und konnte meinen Träumen nachhängen. Neben dem Grundstück befand sich ein kleines Steinhaus, das ich auch gerne Hexenhaus nannte. Man konnte kaum aufrecht stehen darin, aber es entfachte meine Fantasie. Mit diesem Haus verband mit allerdings auch eine unschöne Begebenheit, die ich jedoch sehr lange verdrängt habe. Ehrlich gesagt kann ich bis heute nicht verstehen, weshalb mir dieses Ereignis erst mit 35 wieder ins Gedächtnis kam. Es war ein Sonntag, ich war gerade sechs Jahre alt und meine Eltern hatten mich mal wieder einem Bekannten mitgegeben, der mich mit in den Märchenpark nahm. Das war nichts Ungewöhnliches für mich, da meine Eltern viele Freunde und Angestellte hatten, mit denen ich öfters mitging. Für mich war es klar, dass es seine Richtigkeit haben musste, wenn meine Eltern mich einer fremden Person mitgaben. Zuerst war auch alles in Ordnung. Wir genossen den Tag im Märchenpark, aber auf dem Heimweg bog der vermeintlich nette Onkel plötzlich mit seinem Auto auf den Feldweg ein, der zu unserem Grundstück führte.

Heute haben es sich zum Glück diverse Organisationen zur Aufgabe gemacht, dass alle Kinder eine Anlaufstelle haben, wenn sie Probleme haben oder Opfer sexualisierter Gewalt werden. Kein Kind darf alleine gelassen werden mit schrecklichen Erfahrungen und Nöten, sonst empfindet es das Leid in doppelter Härte.


Harald Glööckler mit Hund Billy King (Bild: LOUJU Management GmbH / Anelia Janeva)

Aus dem Kapitel "Schönheitsideale"

Das ganze Leben ist Veränderung. Es ist kein langsam fließender, gleichmäßiger Fluss. Es ist ein ständiges Auf und Ab. Alles ist in Bewegung, nichts bleibt, wie es ist. Nicht nur unsere Umwelt verändert sich unentwegt, auch wir erneuern uns ständig. Mit sechsundvierzig Jahren war ich an einem Punkt angelangt, an dem ich gravierende Veränderungen an meinem Körper wahrgenommen habe.

Dass sich der Körper mit den Jahren verändert, ist keine Frage. Aber deshalb muss man sich dieser Tatsache trotzdem nicht beugen. Ich war wieder einmal bereit für eine Erneuerung. Die Seele und der Körper sollen eins sein. Aber sie waren es nicht mehr. In solchen Situationen des Lebens gibt es immer zwei Möglichkeiten. Einmal kann man die Situation akzeptieren und resignieren. Man kann aber auch etwas unternehmen. Und etwas zu unternehmen war in meinem Fall eine unbedingte Notwendigkeit. Als ich beobachtet habe, wie meine Mutter innerhalb eines Jahres um gefühlte 80 Jahre alterte, habe ich mir im Alter von 13 Jahren geschworen, dass ich solch einen körperlichen Verfall bei mir nicht hinnehmen werde. Also habe ich beschlossen, zum Angriff überzugehen.

Aus dem Kapitel "Die Entscheidung"

Wie ich bereits sagte, sitze ich da und ich meditiere und lasse infolgedessen mein Leben Revue passieren. Und ich denke mir: "Jetzt bist du 56 Jahre alt. Was ist dein Plan? Willst du es so weiterlaufen lassen, wie es ist, bis du 80 oder 90 bist? Das wird sicherlich kein Problem sein. Oder möchtest du es noch einmal wissen und gibst noch mal, wie man so schön sagt, so richtig Gummi?"

Der beruflichen Frage stellte sich nach 35 Jahren auch die private Frage. Man sollte den Mut haben zu akzeptieren, wenn etwas zu Ende ist. In unserer Ehe war die Luft raus. Wir hatten unser Karma abgearbeitet und einen Punkt erreicht, an dem wir eher aus Gewohnheit als aus Liebe zusammenlebten. Es ist eine große Kunst, 35 Jahre lang immer wieder Gemeinsamkeiten zu finden und sich nicht gegenseitig abzunutzen. Aber irgendwann, spätestens dann, wenn man diese Gemeinsamkeiten nicht mehr findet, sollte man eine Lösung suchen. Um diese Lösung zu finden und eine Entscheidung treffen zu können, brauchte ich jedoch Abstand.

Während ich mit diesen Gedanken beschäftigt war, kam die dreizehnte Anfrage zum Dschungelcamp...

Infos zum Buch

Harald Glööckler: Desaströös bis POMPÖÖS. Autobiografie. 184 Seiten. Molino Verlag. Sindelfingen 2024. Gebundene Ausgabe: 22 € (ISBN: 978-3-948696-66-5).

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