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- 12. Juni 2006 2 Min.
In Deutschland sind in den 12,6 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern nur noch 75 Prozent der Eltern verheiratet, 21 Prozent Alleinerziehende und 6 Prozent Lebensgemeinschaften ohne Trauschein. Wahlverwandtschaften sollten nicht verteufelt, sondern ermutigt werden!
Von Jürgen Friedenberg
Vater, Mutter, Kinder – statistisch gesehen, wird die traditionelle, auf der Ehe von Mann und Frau gründende Familie, womöglich zum Auslaufmodell. Jahrhunderte lang als Keimzelle des Volkes hoch gelobt, von Jung und Alt als private Schutz- und Trutzburg geschätzt und überdies als gottgefälliges Ideal gepriesen und romantisch verklärt, hat die Familie - zumindest in der westlichen Welt – ihre einst unangefochtene gesellschaftliche Monopolstellung verloren. Andere, neue Lebensformen gewinnen dagegen an Attraktivität. An die Stelle der Blutsverwandten, die man sich nicht aussuchen kann und mit denen man zwangsläufig auskommen muss, treten immer häufiger Wahlverwandte, denen man sich aus Sympathie oder wegen gleichgerichteter Interessen anschließt.
Ist das wirklich so schlimm? Der Papst sieht die Familie derzeit sogar gefährdeter als jemals zuvor in der Menschheitsgeschichte. Gefahr drohe ihr und darüber hinaus der gottgewollten, "natürlichen Ordnung" von "radikalen Strömungen" wie Feminismus und Individualismus, besonders aber von der staatlichen Anerkennung und der zunehmenden gesellschaftlichen Akzeptanz gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften.
Konservative Politiker unterschiedlicher Couleur und Konfession befürchten, dass mit der traditionellen Familie auch das den Egoismus zügelnde Verantwortungsbewusstsein für das eigene Leben und das der nächsten Mitmenschen untergehen könnte; sie verweisen auf die sinkenden Geburtenziffern und beklagen eine angeblich schwindende Solidarität der Generationen.
Zweifellos prägt die Familie gewollt und ungewollt ihre Angehörigen von Kindesbeinen an stärker als jede andere gesellschaftliche Kraft. Sie vermittelt positive, aber auch negative Wertvorstellungen, lehrt kooperatives, aber auch opportunistisches Wohlverhalten, eröffnet persönliche Freiheitsräume und begrenzt sie zugleich. Kurzum: Sie begleitet ihre Angehörigen meist von der Wiege bis zum Grabe.
Schlimm, wirklich schlimm um den Fortbestand der Menschheit stünde es allerdings, wenn die Gesellschaft nur noch aus allein lebenden, bindungs- und kinderunwilligen Individuen bestünde, die sich um ihre Nächsten einen Dreck kümmern. Tatsächlich aber wollen die meisten Menschen miteinander leben, aber selber bestimmen, wie mit wem. Tatsächlich gibt es heute Lebensgemeinschaften in einer Vielfalt so bunt wie das Leben. Das ist ermutigend.
Statt dem verlorenen Monopol der Traditionsfamilie nachzutrauern, statt Alleinerziehende, statt Homo- oder auch Hetero-Lebenspartnerschaften, statt Patchworkfamilien oder andere Wahlverwandtschaften zu verteufeln, sollten auch die neuartigen Lebensgemeinschaften ermutigt und in die Lage versetzt werden, die gemeinschaftsfördernden Aufgaben ebenso wahrnehmen zu können, wie es die Traditionsfamilien allein anscheinend nicht mehr schaffen.
12. Juni 2006















das ist das rumpf-projekt, um dass sich
möglichst viele weitere gruppenhaftungsmodelle scharen sollen,
die einen möglichst weiten abbau des demokratischen sozialstaates erlauben.
erlauben bedeutet in der logik der neoliberalen hass-prediger, ausloten wie weit man gehen kann, bis ein kippen der
kosten-nutzen-rechnung zu erwarten ist.
die kosten der strukturellen gewalt zur niederhaltung sozialer spannungen und verwerfungen sind der maßstab.
grosse koalitionen sind die beste versuchsanordnung bei operationen an lebenden gesellschaften. jetzt kann man auch eingetragene partnerschaften ertragen, es rechnet sich.