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Katholische Kirche
Weihbischof Schepers bittet homo- und bisexuelle Männer um Vergebung
Die Katholische Kirche habe bis zuletzt die Streichung des Paragrafen 175 zu verhindern versucht, kritisiert der Queer-Beauftragte der Bischofskonferenz Ludger Schepers. Zum 30. Jahrestag bittet er die Betroffenen um Vergebung.

Der Essener Weihbischof Ludger Schepers ist seit Februar 2024 Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für queere Pastoral (Bild: Achim Pohl / Bistum Essen)
- 15. Juni 2024, 08:26h 3 Min.
Zum 30. Jahrestag der Abschaffung des Strafrechts-Paragrafen 175 hat sich der Queer-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der Essener Weihbischof Ludger Schepers, bei homo- und bisexuellen Männern entschuldigt. In einer am Freitag auf Twitter veröffentlichten Erklärung begrüßte Schepers die 1994 vom Bundestag beschlossene Streichung ausdrücklich.
"Dies hat die katholische Kirche vor 30 Jahren leider nicht getan", kritisierte der 71-Jährige. Im Gegenteil: Die Kirche habe bis zuletzt zu verhindern versucht, dass dieser unsägliche Paragraf abgeschafft wurde, so Schepers weiter. Dafür bitte er die Betroffenen um Vergebung.
"Gott hat die Menschen in Vielfalt geschaffen"
Schepers betonte, dass die Kirche eine falsche Haltung gegenüber homosexuellen Menschen gehabt habe. "Gott hat die Menschen in Vielfalt geschaffen, die auch die sexuelle Orientierung einschließt. Es widerspricht Gottes großem Ja zu dieser Schöpfung, Menschen wegen ihrer geschlechtlichen Zugehörigkeit oder sexuellen Präferenz ihre Würde abzusprechen", so der Weihbischof. Er forderte, verurteilte homosexuelle Menschen posthum zu rehabilitieren und konkret um Verzeihung zu bitten: "Die Schuld an der Kriminalisierung von Homosexualität trägt die Kirche eindeutig mit."
"'Nie wieder' habe im Übrigen für die katholische Kirche eine erweiterte Bedeutung, nämlich nie wieder Diskriminierung von LSBTI*-Personen in der katholischen Kirche", betonte Schepers. Trotz der Fortschritte in der deutschen Kirche bleibe viel zu tun: "Leider hat das kirchliche Lehramt aber ihre grundsätzliche Haltung zu Homosexualität und anderen geschlechtlichen Identitäten noch nicht verändert", räumte der Queer-Beauftragte ein. "Aber immerhin haben mittlerweile zwanzig Diözesen Beauftragte für queere Pastoral ernannt, die sich für die Belange von LSBTI*-Personen einsetzen. Wir wollen konsequent einen queerfreundlichen Weg weitergehen."
Schepers war vor vier Monaten beim Frühjahrstreffen der Deutschen Bischofskonferenz zum Beauftragten für queere Pastoral benannt worden (queer.de berichtete).
Neue Sichtweise auf Geschlechter gefordert
Bereits in einem Interview mit der in Würzburg erscheinenden Wochenzeitung "Die Tagespost" (Bezahlartikel) hatte der Essener Weihbischof eine Weiterentwicklung der kirchlichen Lehre gefordert, damit die Kirche queere Menschen besser in den Blick nehmen könne: "Das Lehramt und die christliche Anthropologie müssen sich die neueren humanwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse aneignen und damit in einen Dialog treten: Was bedeutet es, wenn LGBT-Personen auch Gottes Ebenbilder sind und mit der gleichen Würde ausgestattet sind wie alle anderen?"
Zugleich warb Schepers für eine neue Sichtweise auf die Geschlechter: "Die einen gehen davon aus, es gibt einen Kern Mann und einen Kern Frau. Man kann aber auch als Ausgangspunkt nehmen, dass die beiden Menschen sind, was auch der Wortstamm des biblischen Wortes Adam ist. Das Menschsein ist das Verbindende, und so stelle ich mir Geschlechtlichkeit eher als eine Ellipse mit zwei Polen vor und der Möglichkeit dessen, was sich dazwischen befindet."
Gefragt, ob es Menschen gebe, die "im falschen Körper geboren" seien, antwortete Schepers: "Ja, die gibt es. Die sind mir auch begegnet und das sind Leidensgeschichten", meinte der Weihbischof. "Man wechselt nicht einfach seine sexuelle Orientierung und Identität. Deswegen braucht es eine gute Begleitung im kirchlichen Kontext, wo diese Menschen Orientierung und Halt finden." Ihnen bleibe die freie Entscheidung, die nicht leicht sei, angesichts der hohen psychologischen Belastung. "Wenn aber am Ende die Person für sich sagen kann, dass sie sich endlich richtig fühlt, dann wünsche ich ihr nur alles Gute der Welt." (cw)














