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Trans Pionierin
Trauer um Lynn Conway
Die US-Informatikerin Lynn Conway war maßgeblich an der Entwicklung von Mikro-Chips beteiligt. Als sie sich 1968 als trans outete, wurde sie von IBM entlassen. Jetzt starb sie im Alter von 86 Jahren.

Lynn Conway starb am 9. Juni 2024 im Alter von 86 Jahren an den Folgen zweier Herzinfarkte (Bild: lynn.conway / facebook)
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16. Juni 2024, 10:11h 3 Min.
Im Alter von 86 Jahren ist am 9. Juni Lynn Conway in Jackson (Michigan) verstorben. Sie hinterlässt ihren Ehemann Charles Rogers, mit dem sie seit 2002 verheiratet war.
Wer war Lynn Conway? Wer wissenschaftlich in der IT-Branche zu Hause oder im trans Aktivismus unterwegs ist und dabei gerne auch mal über den Atlantik Richtung USA blickt, all denen sagt der Name mit Sicherheit sehr viel. Denn Lynn war Pionierin auf vielen Gebieten. Ohne sie würden unsere Smartphones und Laptops nicht so handlich sein, wie sie es heute sind, und ohne sie würde eine gewichtige Stimme im Kampf um trans Rechte fehlen. Im Kampf um Anerkennung hat Lynn deutliche Spuren hinterlassen. Schon allein ihre Persönlichkeit besaß eine empowernde Ausstrahlung.
Wissenschaftlerin und trans Aktivistin
In ihrem Leben gab es zwei Coming-outs: Das erste 1968, als sie ihrem Arbeitgeber IBM erklärte, trans zu sein und fortan als Frau leben zu wollen. Das zweite fand 1999 statt und war ein öffentliches Coming-out, bei dem sie sich der trans Community anschloss.
Das erste hatte ihre Entlassung bei IBM zur Folge, weil die Firmenleitung keine trans Frau im Unternehmen haben wollte. Ihre fachliche Kompetenz und ihr wissenschaftlicher Entdecker*innengeist zählten auf einmal nicht mehr und das Menschliche schon gar nicht. Lynn beschrieb die Zeit danach rückblickend als die "dunkle Phase" in ihrem Leben. Denn der Rausschmiss hatte drastische Folgen und brachte soziale Ächtung mit sich. Sie begann, trans zu leben, aber eben anonym, nicht sichtbar.
Mit dem zweiten Comingout wurde sie zur öffentlichen Person. Sie konnte mittlerweile auf eine bemerkenswerte Karriere zurückblicken, die Entwicklung von Mikro-Chips hatte sie wesentlich mitgestaltet (schon bei IBM). Als bahnbrechend gilt ihr Buch "Einführung in VLSI-Systeme" (VLSI = Very Large Scale Integration), das zum Standardwerk für die Halbleitertechnik avancierte und in dem die Voraussetzungen für unsere Smartphones und Laptops beschrieben werden. Sie arbeitete schließlich für Xerox im Silicon Valley, wurde 1989 Professorin an der University of Michigan und – ganz wichtig – sie engagierte sich in und für die trans Community.
Verletzlichkeit kann stark machen
Das Licht der Welt erblickte Lynn am 2. Januar 1938 in Mount Vernon im US-Bundesstaat New York. Schon als Kind, so erinnert sie sich, gab es ein Wissen oder zumindest eine Ahnung, dass ihre wahre Geschlechtszugehörigkeit nicht in der Geburtsurkunde steht. Während der 1960er Jahre folgt schließlich die Entscheidung für die Transition, aber verbunden mit dem traumatischen Erlebnis der Kündigung, für die sich IBM erst 52 Jahre später entschuldigte.
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Das hat zwar ihr Leben erschüttert, sie am Ende glücklicherweise nicht aus der Bahn geworfen. Unter den zahlreichen Auszeichnungen, die sie als Wissenschaftlerin und Erfinderin erhielt, ist eine, die sie wohl ganz besonders mit Stolz erfüllte und die ihrem Engagement für die trans Community galt: Ihr Name ist in der Liste "The Stonewall 40 Trans Heroes" aufgeführt.
Persönlichkeiten wie Lynn bestätigen: Wir haben in unserer trans Community längst eine eindrucksvolle trans Quote. In Kultur, Wissenschaft, Politik und im Sozialen sind trans Menschen heute präsent und sichtbar. Wir haben allen Grund, stolz zu sein. Lynn Conways Leben gibt uns wieder einmal zu verstehen, was wir sind, sind wir gegen alle Widerstände und Anfeindungen. Das ist die Botschaft. Ja, Verletzlichkeit kann stark machen. Danke, Lynn!












