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Scharfe Kritik

dgti wirft Europäischem Verband der Kinderärzte Transfeindlichkeit vor

Queere Aktivist*innen warnen vor einer Pathologisierung von trans Menschen, die selbst vor großen Fachverbänden nicht Halt mache.


Die dgti ist empört über Äußerungen aus dem Europäischen Verband der Kinderärzte (Bild: Ted Eytan / flickr)

  • 17. Juni 2024, 12:03h 2 Min.

Die Deutsche Gesellschaft für Trans*- und Inter*geschlechtlichkeit (dgti) hat am Montag den Europäischen Verband der Kinderärzte (EAP) wegen seiner Positionen zu trans Kindern und Jugendlichen scharf kritisiert. Hintergrund ist eine Stellungnahme der 1961 gegründeten Organisation vom Februar. "Was auf den ersten Blick wie eine vernünftige und ausgewogene Position daherkommt, transportiert die Abkehr von Menschenrechten und grundlegenden ethischen Prinzipien, wenn es um trans* Kinder geht", so die dgti.

Der EAP hatte sich dafür ausgesprochen, Therapieansätze bei trans Kindern zu verzögern – sie also nicht etwa mit Pubertätsblockern zu behandeln. Außerdem verbreitete der Verband die These, dass soziale Medien Kinder häufiger trans machten, was die dgti als Verschwörungstheorie brandmarkte. Kritisiert wurde auch, dass der Verband trans Kindern keine Freiheitsreche zuerkenne. In dem EAP-Text heißt es etwa: "Es bleibt weiterhin problematisch zu entscheiden, ob Kinder glaubhaft Freiheitsrechte geltend machen können…"

Die dgti und andere LGBTI-Organisationen verweisen dagegen auf Pubertätsblocker als potenziell lebensrettend. Mehrere Studien gehen davon aus, dass das verhinderte Einsetzen der Periode oder des Stimmbruchs die mentale Gesundheit von trans Jugendlichen stärken und damit das in dieser Gruppe besonders hohe Suizidrisiko senken könne. Insbesondere Rechtsextreme und Feministinnen um Alice Schwarzer stellen jedoch die Existenz von Trans-Identität infrage – und finden mit ihrer Kampagne auch Anklag unter Mediziner*innen, die trans Menschen aus ideologischen Gründen ablehnen. Queere Aktivist*innen verweisen dabei darauf, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO auch Homosexualität bis 1990 als Krankheit ansah – nun werde der Hass, der früher auf Schwule und Lesben projiziert wurde, eben auf trans Menschen projiziert.

dgti an Eltern von trans Kindern: Geht nicht zu EAP-nahen Ärzt*innen

"Die dgti tritt diese Art von versteckter Pathologisierung, die ausschließlich von Nicht-Betroffenen-Organisationen verfolgt wird, deutlich entgegen. Wir empfehlen Betroffenen, keine Ärzte um Hilfe zu ersuchen, die der European Academy of Paediatrics nahestehen", so die 1998 in Köln gegründete dgti.

Bereits im Mai hatte die dgti Beschlüsse des 128. Deutschen Ärztetags zur Behandlung von trans Menschen scharf verurteilt. So forderte die Bundesärztekammer Einschränkungen von Pubertätsblockern und eine Einschränkung des gerade erst vom Bundestag beschlossenen Selbstbestimmungsgesetzes (queer.de berichtete). Die dgti kritisierte, der Ärztetag habe "zwei unnötige, der Politik rechtskonservativer Regierungen in den USA und Europa folgende trans* feindliche Forderungen an die Bundesregierung gestellt". (cw)

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