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Queerfeindliche Parteien mit Mehrheit

AfD und BSW in Thüringen bei fast 50 Prozent

Die Lage für queere Menschen wird gerade im Osten kritischer: Laut einer neuen Umfrage haben zwei populistische Parteien, die auf Queerfeindlichkeit setzen, in Thüringen inzwischen die Mehrheit.


Mit queer­feindlichem Populismus könnten Sahra Wagenknecht und Björn Höcke bei Landtagswahlen punkten (Bild: xtranews / flickr / PantheraLeo1359531 / wikipedia)

  • 19. Juni 2024, 10:42h 4 Min.

Rund zweieinhalb Monate vor der Landtagswahl in Thüringen zeichnet sich dort eine schwierige Regierungsbildung ab. In einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des MDR liegt die AfD mit 28 Prozent klar auf Platz eins und käme zusammen mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW, 21 Prozent) fast auf die Hälfte der Stimmen – und wohl bei einer Wahl auf die deutliche Mehrheit der Mandate. CDU (23), SPD (7) und Linke (11) liegen dagegen zusammen nur noch bei 41 Prozent, Grüne und FDP wären gar nicht mehr im Landtag vertreten.

Da bisher alle anderen Parteien eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen haben, käme bei einem solchen Ergebnis nach jetzigem Stand nur eine Regierungsbildung unter Beteiligung des BSW in Frage. Die CDU hat ein solches Bündnis nicht ausgeschlossen. Die SPD-Fraktionsgeschäftsführerin im Bundestag, Katja Mast, wollte sich am Dienstag bei einem Besuch in Cottbus dazu nicht äußern. "Diese Frage stellt sich im Moment noch nicht", sagte sie. Die Umfragen seien Momentaufnahmen. Derzeit regiert in Thüringen eine rot-rot-grüne Koalition unter Führung der Linken.

Sowohl AfD als auch BSW haben zuletzt stark auf Queerfeindlichkeit als Wählermagnet gesetzt. So stellte die AfD kürzlich im Bundestag einen Antrag gegen "LGBTQ-Propaganda" (queer.de berichtete). Sahra Wagenknecht und ihr BSW machten vor allem mit ihrer Abneigung gegenüber trans Menschen Stimmung (queer.de berichtete).

Das neue Umfrageergebnis wurde kurz vor der Konferenz der Ost-Ministerpräsident*innen bekannt, die sich am Dienstagnachmittag mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) in der Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt treffen. Dabei sollte es unter anderem um die Ergebnisse der Europawahl gehen, bei der die AfD trotz aller Personalquerelen und Spionagewürfe in allen fünf ostdeutschen Flächenländern stärkste Kraft wurde. Für die Landtagswahlen in Thüringen und Sachsen am 1. September und in Brandenburg am 22. September werden nun ähnliche Ergebnisse erwartet.

"Das ist ein Denkzettel"

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) nannte die Ergebnisse einen "Supergau". "Das ist ein Denkzettel, den wir bekommen haben, der uns auffordert, auch heute hier bei der Ost-Ministerpräsidenten-Konferenz an die Ursachen zu gehen", sagte der CDU-Politiker im ARD-"Morgenmagazin". Es habe noch nie eine solche Unzufriedenheit mit einer Bundesregierung und mit Europa gegeben. Haseloff forderte ein deutliches Umsteuern vor allem in der Migrationspolitik, aber auch in der Industriepolitik. "So kann jedenfalls nicht weitergemacht werden." Das habe auch Scholz verstanden.

Mecklenburg-Vorpommerns Regierungschefin Manuela Schwesig (SPD) forderte von ihrem Parteifreund Scholz eine stärkere Berücksichtigung ostdeutscher Anliegen. "Die letzten Wahlen haben gezeigt, dass die Menschen in Ostdeutschland sehr unzufrieden sind", sagte Schwesig auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Ein wichtiges Thema für die Menschen sei die flächendeckende Gesundheitsversorgung. Die Krankenhausreform mit den Vorhaltepauschalen gehe in die richtige Richtung, aber die ländlichen Räume müssten stärker berücksichtigt werden. "Man kann im ländlichen Raum nicht auf die gleichen Fallzahlen kommen wie in den städtischen Ballungsräumen", sagte Schwesig. Die Gesundheitsversorgung steht neben der Europawahl, der Reform der Pflegeversicherung und der Wirtschafts- und Energiepolitik auf der Tagesordnung des Treffens in Wittenberg.

Wagenknecht: Ost-Ministerpräsident*innen haben "kaum unsinnige Dinge gestoppt"

BSW-Gründerin Wagenknecht gab den Ministerpräsident*innen der östlichen Bundesländer eine Mitschuld am Missmut des dortigen Wahlvolks. "Die Unzufriedenheit der Ostdeutschen liegt nicht nur an der Bundesregierung, sondern auch an den Ost-Ministerpräsidenten", sagte die Vorsitzende. "Sie haben in den letzten Jahren zu wenig rausgeholt und kaum unsinnige Dinge gestoppt, die aus Berlin kamen."

Wagenknecht warf den Regierungschef*innen vor, sie seien gegenüber der Bundesregierung "teils zu unterwürfig" im Vergleich zu vielen westdeutschen Länderchefs. "Besonders ausgeprägt war das in der Corona-Zeit. Aber auch bei den Themen Flüchtlingspolitik, Energie und Rente schaffen es die Ost-Ministerpräsidenten nicht, ihre Bürger gegenüber dem Kanzler angemessen zu vertreten", meinte die BSW-Chefin. (dpa/cw)

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