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Eigensinniges und seltsam heiteres "Memoir"

Persönliche Gedanken einer Pionierin der Queer-Theorie

Das Kultbuch "Ein Gespräch über die Liebe" von Eve Kosofsky Sedgwick (1950-2009) ist erstmals auf Deutsch erschienen.


Eve Kosofsky Sedgwick war eine charismatische Lehrende, die eine ganze Generation von Akademikerinnen und Autorinnen beeinflusst hat (Bild: David Shankbone)
  • 21. Juni 2024, 07:00h 2 Min.

Eve Kosofsky Sedgwick (1950-2009) war eine der wichtigsten US-amerikanischen Theoretikerinnen der Gender- und Queer-Theory und eine charismatische Lehrende, die eine ganze Generation von Akademikerinnen und Autorinnen beeinflusst hat. 1975 promovierte sie an der Yale University. Danach unterrichtete sie Literatur am Hamilton College, an der Boston University, dem Amherst College und dem Dartmouth College und war Newman Ivey White Professor an der Duke University. Zuletzt dozierte sie am CUNY Graduate Center in New York City englische Philologie.


"Ein Gespräch über die Liebe" ist im rüffer & rub Sachbuchverlag erschienen

2005 wurde Kosofsky Sedgwick in die American Academy of Arts and Sciences und 2006 in die American Philosophical Society gewählt. Sie publizierte zahlreiche Artikel, ist Herausgeberin und Autorin mehrerer Bücher, darunter »Epistemology of the Closet« (1990) und »Between Men – English Literature and Male Homosocial Desire« (1985). 1991 wird bei ihr Brustkrebs diagnostiziert, als sie nach der Therapie an einer Depression erkrankt, entschließt sie sich, eine Psychotherapie zu beginnen.

In "Ein Gespräch über die Liebe" zeichnet Kosofsky Sedgwick den Verlauf der Therapie nach. Das ungewöhnliche an diesem Buch: Die Stimme des Therapeuten, Shannon Van Wey, ist Teil des Textes. Eve Kosofsky Sedgwick erzählt von ihren Bedenken und Gefühlen, gibt den Austausch mit Shannon wieder und druckt Teile aus seinem Notizbuch ab, das er ihr nach dem Behandlungsende zur Verfügung stellte. So werden wir Zeugen eines vielschichtigen und faszinierenden Therapieverlaufs, der sich bald weit weg vom ursprünglichen Anlass fortbewegt. "Ein Gespräch über die Liebe" nutzt von Beginn weg auch lyrische Elemente, die den traditionellen Dichterdialogen Japans angelehnt sind und die für das stehen, was sich nur ungenügend sagen lässt.

Diese eigensinnige, seltsam heitere "Memoir" zeigt eine neugierige, mutige, unbestechliche Denkerin, die sich Fragen stellen will, denen sie bisher – aus Scham, aus Ungeduld, aus Angst vor Kontrollverlust – lieber ausgewichen ist.

"Ein Gespräch über die Liebe", 2000 auf Englisch erschienen, ist das erste Werk der Autorin, das vollständig in deutscher Sprache erhältlich ist. Der Schweizer rüffer & rub Sachbuchverlag hat es jetzt als 352 Seiten starke, gebundene Ausgabe für 26 Euro (Amazon-Affiliate-Link ) herausgebracht. Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite. (dd/pm)

Infos zum Buch

Eve Kosofsky Sedgwick: Ein Gespräch über die Liebe. Sachbuch. 352 Seiten. rüffer & rub Sachbuchverlag. Zürich 2024. Gebundene Ausgabe: 26 € (ISBN: 978-3-907351-24-6)

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