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Heimkino

Der beschwerliche Weg ins queere Comedy-Rampenlicht

Queere Comedians gibt es in den USA schon seit 100 Jahren. Die neue Netflix-Doku "Outstanding: A Comedy Revolution" versammelt eine eindrückliche Riege heutiger Stars und dokumentiert Fortschritte und Backlashs.


Lily Tomlin in der Doku "Outstanding: A Comedy Revolution" (Bild: Netflix)

Dafür, dass Regisseurin Page Hurwitz für ihren sehr sehenswerten Dokumentarfilm so viele hochkarätige queere Comedy-Stars versammelt hat, bekommt man im Film selbst bedauerlich wenig Comedy zu sehen. Ab und zu ist mal eine Szene eingestreut – etwa Tig Notaro, die bei einem Auftritt nach ihrer Brustkrebserkrankung vermutet, dass ihre Brüste wohl entschieden hätten, sie zu ermorden, weil sie sich immer so abschätzig über ihre Kleinheit geäußert habe.

Der Fokus von "Outstanding: A Comedy Revolution" jedoch liegt auf den schwierigen Umständen, unter denen queere Comedians in den USA jahrzehntelang gelitten haben. Und wie sehr die heutigen Stars von all jenen profitiert haben, die vor ihnen kamen. Der Film präsentiert eine Vielzahl historischer Ausschnitte von Comedians, die auf der Bühne oder im TV recht offen mit queeren Themen spielen, jedoch niemals ein öffentliches Coming-out hatten. Denn wer immer das wagte, musste noch bis vor nicht allzu langer Zeit mit einem umgehenden Karriereende rechnen.

Zyklus von Fortschritt und Backlash


Poster zum Film: "Outstanding: A Comedy Revolution" kann seit dem 18. Juni 2024 auf Netflix gestreamt werden

Dabei gab es immer wieder Phasen gesellschaftlicher Offenheit, in denen mehr möglich schien. Etwa in den 1930er Jahren, deren zarte Fortschritte jedoch vom Zweiten Weltkrieg und den repressiven Nachkriegsjahren gründlich zerstört wurden. Ein nächstes Aufblühen geschah in den 1970er Jahren, in denen Stars wie Lily Tomlin, Sandra Bernhard, Richard Pryor oder Robin Tyler in ihren Auftritten ziemlich unverblümt mit ihrer Homosexualität umgingen. Doch all das wurde in den 1980er Jahren von der Aidskrise und der repressiven, christlich-konservativen Reagan-Administration im Keim erstickt.

Dieses Muster von Fortschritt und Backlash zieht sich bis in die Gegenwart, in der die republikanische Partei in den USA sich gerade erneut als Speerspitze der Queerphobie inszeniert und insbesondere trans Menschen mit zahlreichen Gesetzen das Leben zu erschweren versucht. Damit beschäftigt sich der neue Film leider nur am Rande, dabei müsste man meinen, dass die queere Comedy-Prominenz dazu sicher mehr zu sagen hätte – insbesondere im Hinblick auf die US-Präsidentschaftswahlen im November, bei denen für die LGBTI-Community einiges auf dem Spiel steht.

Direktlink | Offizieller Trailer zur Doku
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Queerphobie heute anders als damals

Was den Film dennoch eindrücklich macht, sind die Aussagen der zahlreichen Comedians, die von ihren Erfahrungen im Show-Business berichten, darunter auch solche, die tatsächlich schon seit den 1970er Jahren im Geschäft sind. So wechseln sich Interviewsequenzen mit Stars wie Wanda Sykes, Eddie Izzard, Margaret Cho oder Rosie O'Donnell ab mit historischen Ausschnitten und Einordnungen.

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Gezeigt werden auch hetero Comedians aus früheren Zeiten, die ohne Hemmungen über Lesben und Schwule herzogen, darunter Stars wie Eddie Murphy oder Mel Brooks. Und an denen zeigt sich wiederum, dass sich trotz den regelmäßigen Rückschritten ein gewisser Fortschritt etabliert hat: Zwar müssen trans Menschen heute von Bühnenstars wie David Chappelle einiges ertragen, aber die geradezu bösartige Homophobie eines Eddy Murphy aus den 1980er Jahren wäre heute wohl ein Karriere-Aus beim Mehrheitspublikum. Derweil gleichzeitig eine bemerkenswert große Zahl offen queerer Comedians auch unter nicht queeren Menschen ausgezeichnet ankommt.

Fortschritte müssen verteidigt werden

Somit erzählt die Netflix-Doku letztlich die Geschichte eines langsamen, beschwerlichen Fortschritts und illustriert, dass sich Kampfgeist und Hartnäckigkeit durchaus auszahlen. Dass das Überleben von erreichten Erfolgen aber nie garantiert ist und diese stets wachsam verteidigt werden müssen. Damit steht die queere Comedy-Gemeinschaft symbolisch für die ganze Bewegung, deren Verteidigungsbereitschaft aktuell gerade wieder besonders gefragt ist.

Infos zum Film

Outstanding: A Comedy Revolution. Dokumentarfilm. USA 2024. Regie: Page Hurwitz. Mitwirkende: Lily Tomlin, Sandra Bernhard, Wanda Sykes, Eddie Izzard, Hannah Gadsby, Tig Notaro, Rosie O'Donnell, Margaret Cho, Bob The Drag Queen, Trixie Mattel und viele mehr. Laufzeit: 100 Minuten. Sprache: englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). Seit 18. Juni 2024 auf Netflix
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