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Katholische Kirche

Student verlangt von Papst Stopp queer­feindlicher Rhetorik

Der bisexuelle Student beklagte den Schmerz, den die Kirche in vielen Bereichen auslöse, statt aktiv Menschen im Kampf gegen Diskriminierung zu unterstützen.


Die Online-Konferenz fand am letzten Donnerstag statt
  • 24. Juni 2024, 17:00h 3 Min.

In einer Online-Konferenz mit Papst Franziskus hat ein Student aus den Philippinen Papst Franziskus aufgefordert, auf beleidigende queerfeindliche Rhetorik zu verzichten, und dabei auf den immensen Schmerz verwiesen, den diese in der queeren Gemeinschaft verursacht.

Jack Lorenz Acebedo Rivera sagte, er werde als Außenseiter behandelt und schikaniert, "aufgrund meiner Bisexualität, meiner Identität und als Sohn eines alleinerziehenden Elternteils". Seine Mutter könne sich zugleich nicht von seinem Vater scheiden lassen. "Bitte erlauben Sie Scheidung in den Philippinen und hören Sie auf, beleidigende Sprache gegen die LGBTQIA+-Community zu benutzen. Das führt zu immensen Schmerz." Es ist unklar, ob sich der Vortrag hier gezielt auf den Papst bezog, der in den letzten Wochen persönlich mit entsprechenden Äußerungen Schlagzeilen gemacht hatte, und/oder allgemeiner auf die Amtskirche.

Dass die Philippinen neben dem Vatikan das einzige Land ohne die Möglichkeit zur Scheidung ist, wird auf den Einfluss der katholischen Kirche zurückgeführt. Der Austausch erfolgte am letzten Donnerstag während einer Videokonferenz mit dem Titel "Brücken bauen im asiatisch-pazifischen Raum: Eine synodale Begegnung mit Papst Franziskus und Universitätsstudenten". Eine Reihe von Studierenden aus verschiedenen Ländern hielten vorbereitete Ansprachen an den Papst.

Kampf gegen statt für Diskriminierung gefordert

Rivera, ein Psychologie-Student der von Jesuiten geleiteten katholischen Privatuni Ateneo de Manila, verwies noch auf andere Themen wie Arbeitslosigkeit und Arbeitsmigration, die Familien auseinanderreiße, und die soziale Lage von Student*innen. Systematische Diskriminerung, Ausgrenzung und Armut führten dazu, dass das Land eine der höchsten Raten an Suiziden und HIV-Infektionen habe. Die Jugendlichen kämpften gemeinsam für eine gerechtere Welt, würden aber von Erwachsenen zurückgedrängt.

Direktlink | Rivera sprach ab ca. der 40. Minute
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"Wir wenden uns an Sie, Papst Franziskus und die katholische Kirche, in der Hoffnung auf Ihre Hilfe im Kampf gegen die Diskriminierung anderer religiöser Identitäten, von LGBTQIA+-Personen und Frauen oder aufgrund von psychischer Gesundheit, und im Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung im Allgemeinen." Es gelte, Menschen in und außerhalb der Kirche in die Verantwortung zu nehmen, menschliche Würde, die Umwelt und den gemeinsamen Kampf für Frieden zu schützen.

Keine konkrete Aussage des Papstes

Auch andere Studierende gingen auf Diskriminierungen, soziale Ungerechtigkeiten und andere Fragen und die oft zurückhaltende bis gegenteilige Rolle der Kirche ein. Der Papst winkte während der Konferenz den einzelnen Redner*innen samt Rivera zu und nahm Notizen auf. Abschließend fasste er einige Aussagen zusammen und sprach sich allgemein gegen Diskriminierung und näher gegen die gegen Frauen aus, ohne jedoch konkret zu werden. Stattdessen betonte er Liebe und die die Nähe zueinander als Gegenmittel.

So ging er auch nicht auf den Vorwurf queerfeindlicher Rhetorik ein. Der Papst war vor wenigen Wochen in Kritik geraten, nachdem er Ende Mai bei einer Versammlung der italienischen Bischofskonferenz einen Begriff wie "Schwuchteln" genutzt haben soll (queer.de berichtete). Den vulgären Begriff, auch als "Schwuchtelei" übersetzt, nutzte er im Zusammenhang mit von ihm abgelehnten schwulen Seminaristen. Mitte Juni soll der Papst den Begriff im gleichen Zusammenhang erneut genutzt haben (queer.de berichtete). Seit seinem Amtsantritt 2013 setzt der 87-Jährige immer wieder widesrpüchliche Signale an die queere Community: Mal schlägt er moderate Töne an, mal fährt er den gleichen queerfeindlichen Kurs wie sein Vorgänger Benedikt. (cw)

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