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Afrika
Kamerun: Tochter des Präsidenten gibt lesbische Beziehung bekannt
Während Brenda Biya im Ausland lebt, werden Homosexuelle in ihrer Heimat noch mit Haftstrafen verfolgt.

Brenda Biya (l.) beim Kuss mit Layyons Valença
- 3. Juli 2024, 14:45h 4 Min.
In einem von Medien in Kamerun und international als Coming-out bewerteten Eintrag bei Instagram hat sich am Sonntag Brenda Biya, die hauptsächlich im Ausland lebende Tochter des Präsidenten Kameruns, beim Kuss mit einer Frau gezeigt. "Ich bin verrückt nach dir und ich will, dass die Welt das weiß", schrieb die 26-Jährige zu einem Bild, das sie mit dem brasilianischen Model Layyons Valença zeigt.
Medienberichten zufolge seien die beiden Frauen schon mehrfach miteinander gesichtet worden und tauchten gegenseitig in den jeweiligen sozialen Netzwerken auf. Das neue Bild hatte Biya im Instagram-Kanal zu ihrem Rap-Künstlerinnennamen King Nastyy veröffentlicht. Es ist weiter online, während die Kommentarfunktion offenbar nachträglich abgestellt ist.
Laut einer Narichtenagentur aus Kamerun hatte es zunächst viele beglückwünschende Kommentare gegeben. Zugleich habe jemand Biya daran erinnert, wer ihr Vater sei und dass in seinem Land homosexuelle Handlungen mit Gefängnis bestraft werden. "Niemand wird etwas sagen können, denn nur Liebe kann gewinnen", habe Biya geantwortet. "Ich denke, die Mentalität sollte sich verändern, aber sie wird sich sich verändern, wenn die Menschen bereit sind."
Noch keine Reaktion des Präsidenten
Das Coming-out dürfte in Kamerun noch einige Wellen schlagen – wo das auf Instagram zelebrierte Luxusleben der Präsidententochter mit einer Mischung aus Bewunderung und Verachtung verfolgt wird. So verbrachtete sie mehrere Jahre in einer Privatschule in Genf, bevor sie zum Studium nach Los Angeles in eine angemietete Luxusvilla zog. Im aktuellen Index der menschlichen Entwicklung (HDI) der Vereinten Nationen belegt Kamerun den hinteren Rang 151 von 193 Staaten, Schätzungen zufolge leben etwa 40 Prozent der rund 28 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in Armut.
Eine Reaktion des Präsidenten Paul Biya, der das Land seit 1982 diktatorisch führt, auf das Coming-out wurde bislang nicht bekannt. Während sein Sohn Franck aus einer früheren Beziehung als möglicher Nachfolger des 91-Jährigen gilt, wurden Anastasia Brenda und ihr Bruder Jr. von der First Lady Chantal zur Welt gebracht, die der Präsident 1994 geheiratet hatte.
Staatliche und gesellschaftliche Verfolgung
In Kamerun ist Homosexualität nach der Erlangung der Unabhängigkeit von Frankreich Anfang der 1970er Jahre verboten worden. Gleichgeschlechtliche Handlungen unter Männer und Frauen können mit einer Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden – in der Vergangenheit wurden aber auch schon höhere Strafen verhängt (queer.de berichtete). Auch trans Personen werden auf Grundlage der antihomosexuellen Gesetze verfolgt. So wurden 2021 zwei trans Frauen in Kamerun zu fünf Jahren Haft verurteilt (queer.de berichtete). Im letzten Sommer warnte die dem Präsidenten unterstellte Medienaufsichtsbehörde, Fernsehsender zu schließen, die "homosexuelle Szenen" ausstrahlen (queer.de berichtete). Aktuell läuft auf internationalen Filmfestivals die Dokumentation "Code der Angst" über die Lage queerer Menschen in dem Land, in der es auch um gewalttätige Übergriffe bis hin zu Morden geht (queer.de berichtete).
Queere Menschen reagierten eher positiv auf das Coming-out. Die in Kamerun sehr bekannte trans Aktivistin Shakiro, eine der beiden 2021 verurteilten trans Frauen, gratulierte der Präsidententocher in dem inzwischen gelöschten Thread zum Coming-out und dem Mut und sprach von der Hoffnung, dass dieses zur Entkriminalisierung führen könne. Shakiro war nach einigen Monaten aus der Haft entlassen und dann von einem Mob verprügelt worden. Nach längerer Wartezeit in Nigeria erhielt sie Asyl in Belgien.
Die international bekannte kamerunische Menschenrechtsanwältin Alice Nkom, die queere Menschen vor Gericht verteidigt, kommentierte das Coming-out ebenfalls positiv: "Ich bewundere den Mut von Brenda Biya, die ihr Grundrecht wahrnimmt, zu lieben und geliebt zu werden." Der im Exil lebende investigative Journalist Boris Bertolt kommentierte hingegen: "Mehr als 20 Menschen sitzen in Kamerun wegen homosexueller Praktiken im Gefängnis. Wir können Brenda Biya nicht unbehelligt lassen und die Kinder anderer Leute in Haft halten. Entweder wird Brenda Biya verhaftet oder wir lassen alle frei." Die lesbische Aktivistin Bandy Kiki, die inzwischen in Großbritannien lebt, beklagte: "Die Anti-LGBT-Gesetze in Kamerun treffen überproportional die Armen. Reichtum und Beziehungen bieten manchen einen Schutzschild, andere müssen mit schwerwiegenden Konsequenzen rechnen." (cw)














