Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?50138

Berlin

Kampf um queeres Traditionscafé Berio

Nach 73 Jahren droht dem Berio die Schließung. In einer neuen Online-Petition setzen sich auch viele Promis für einen Erhalt ein.


In wenigen Wochen könnte das Berio für immer schließen (Bild: Berio / Petionsseite bei change.org)
  • 4. Juli 2024, 11:48h 3 Min.

Mitten im Berliner Nollendorfkiez droht einer weiteren traditionellen Anlaufstelle der Community das Aus. Bereits sein Wochen berichtet das Café Berio an der Maaßenstraße von der drohenden Schließung Mitte September – nach 73 Jahren.

Karsten Schork hatte den Traditionsbetrieb, benannt nach dem ursprünglichen Betreiber Frederico Berio, 1985 übernommen. Aus dem ursprünglichen Eiscafé hatte sich über die Jahrzehnte ein auch bei Prominenten wie Liselotte Pulver und Horst Buchholz beliebter Betrieb mit Kaffee und Kuchen, Lunch, Cocktails und Kunst-Galerie entwickelt, der ein selbstverständlicher Teil des Regenbogen-Kiezes wurde. Den 1985 abgeschlossenen Gewerbemietvertrag will der Vermieter, seit einigen Jahren eine Erbengemeinschaft, aber nun nicht mehr verlängern. Er "verweigert Gespräche über einen neuen Gewerbemietvertrag und hat selbst auf das Angebot, über eine Mediation eine Lösung zu finden, nicht reagiert", heißt es in einer neuen Online-Petition zum Erhalt des Betriebs, der sich an ihn und politische Entscheidungsträger*­innen richtet und online unterzeichnet werden kann.

Zu den Erstunzeichnenden gehören Prominente wie DJ Dr. Motte, diverse Personen der Berliner Community, darunter der Vorstand des Berliner CSD, die Filmemacher Jochen Hick, Wieland Speck und Rosa von Praunheim, der Fußballer Markus Urban und mehrere Politiker*­innen aller demokratischen Fraktionen, darunter SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert, der CDU-Bundestags­abgeordnete Jan-Marco Luczak, der frühere Kultursenator der Linken Klaus Lederer und der Fraktionssprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus Sebastian Walter.

"Die Schließung wäre nicht nur ein großer Verlust für die Berliner Kaffeehauskultur", heißt es in der länger begründeten Online-Petition. "Es drohen auch weitreichende Folgen für die Entwicklung des Nollendorfkiezes mit Konsequenzen für dessen Anwohner*innen und Gewerbetreibende. Auch in seiner Funktion als international bekannte Anlaufstelle für LGBTIQ, wichtiger Kultur- und Integrationsort sowie Safe Space für das queere Berlin bedeutete das Ende des Berio ein herber Rückschlag. Für die Zukunft des Regenbogenkiezes wäre es ein fatales Signal."

Es gehe nicht um Nostaligie, sondern um die Zukunft, so die Petition. Um Arbeitsplätze, um die Bewahrung von Kultur, um das Zusammenleben der Wohn-, Arbeits- und Besuchs-Communities im Kiez mit dem Berio als Scharnier, das sich bislang "gegen die fortschreitende Anonymisierung und Gentrifizierung an vielen Orten Berlins" behauptet haben könne: "An wie vielen Orten in Deutschland treffen sich die Damen des benachbarten Seniorenheims so unverkrampft mit Fetisch-Partyleuten aus aller Welt an der Kuchentheke? Wo Alt und Jung?", fragt die Petition und stellt fest: "Verschwindet das Berio, verändert der Kiez sein Gesicht. Das Aus des Berios wird die Sogwirkung beschleunigen, die viele weitere Verdrängungen von Menschen, Betrieben und Kultur zur Folge haben wird."

Im Juni hatten die Fraktionen der SPD, Grünen und Linken bereits einen gemeinsamen Antrag in die Bezirksverordnetenversammlung Tempelhof-Schöneberg eingebracht, um die Schließung des Cafés zu verhindern. Das Bezirksamt solle sich entsprechend bei den Eigentümern einsetzen. "Eine Schließung dieses einmaligen Traditionslokals wäre über den Kiez hinaus ein schwerer Verlust", heißt es darin. "Das Café Berio muss gerettet werden."

-w-