https://queer.de/?50152
Berlin
Queerfreundliche Moschee verzichtet dieses Jahr auf Regenbogenflagge
Die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee beklagt konstante Bedrohungen und Anfeindungen. Trotz Verzichts auf die Flagge will sie sich aber am CSD beteiligen.

Die Hissung der Flagge im letzten Jahr im Beisein der Politik (Bild: anlaufstelle_islamdiversity / instagram)
- 5. Juli 2024, 14:42h 3 Min.
Zwei Jahre, nachdem die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Moabit zum Berliner Pride-Monat erstmals die Regenbogenflagge hisste (queer.de berichtete), verzichtet die liberale Institution in diesem Jahr darauf – "aus Angst und weil die Stimmung gerade sehr aggressiv ist". Das erzählte Seyran Ateş jetzt dem "Tagesspiegel" in einem ausführlichen Interview (Abo-Text).
Der Verzicht mache ihre Community "traurig" und sei "ein Stück weit ein Einknicken vor den Radikalen", so die 61-Jährige, die die 2017 eröffnete Moschee gegründet hatte. Aber der Hass sei groß, auch da sich die Gemeinde "nach dem 7. Oktober, dem brutalen und bestialischen Angriff der Hamas, solidarisch mit Israel erklärt" hatte. Ateş hatte auch am letzten Wochenende am East Pride unter dem Motto "Homos sagen Ja zu Israel" teilgenommen.
Die Moschee war im letzten Oktober vorerst geschlossen worden, nachdem nach der Festnahme mehrerer Islamisten mögliche Anschlagspläne bekannt wurden (queer.de berichtete). Laut Ateş hatten sieben Männer aus Tadschikistan Anschläge unter anderem auf das Haus geplant. In einem Onlinemagazin des "Islamischen Staats Provinz Khorasan" (ISPK) sei es als "Ort der Teufelsanbetung" bezeichnet und als potenzieller Anschlagsort markiert worden. Der IS sei wohl aufgrund der Regenbogenflagge 2022 auf die Moschee aufmerksam geworden. "Wir wollten damit ein Zeichen setzen, dass sich queere Muslime nicht zwischen ihrem Glauben und ihrer sexuellen Orientierung und Identität entscheiden müssen."
Moschee beim Pride präsent
Inzwischen ist die Moschee teilweise wieder geöffnet, unter hohen Sicherheitsvorkehrungen fänden etwa Freitagsgebete und Beratungen statt, so Ateş im "Tagesspiegel". Das Mitglied im CSD-Vorstand verwies darauf, dass die Gemeinde sich auch beim CSD beteiligen werden, bei der Demo auf dem Wagen der evangelischen Kirche und am Vorabend beim interreligiösen Gottesdienst in der St. Marienkirche. Die wichtige Anlaufstelle "Islam und Diversity" der Moschee für queere Muslim*innen stehe derweil vor dem Problem der zum Jahresende auslaufenden Förderung.
Ateş berichtete in dem Interview, sie habe gelernt, mit Bedrohungen zu leben. Diese stammten "ausschließlich aus muslimischen Kreisen": "Die Muslime, die uns bedrohen, sind im gesamten Spektrum vertreten, von sogenannt liberal, progressiv bis radikal extremistisch. Letztere wollen einen Umsturz. Sie wollen dieses Land komplett verändern in einen religiösen, islamischen Staat. Aber auch sogenannte harmlose Konservative schreiben hässliche Nachrichten, wünschen uns den Tod und schließen sich den Mord- und Anschlagsfantasien von Extremisten an."
Mit der Zuwanderung seit 2015 habe es eine "Steigerung der Gewaltbereitschaft gegenüber queeren Menschen" gegeben, was verharmlost und von der Politik geleugnet werde. Als Konsequenz müssten an "Frauenrechte, LGBTIQ-Rechte, aber auch Antisemitismus sehr viel klarer und deutlicher thematisiert werden", eine "klare Haltung" demonstriert werden. (cw)
Links zum Thema:
» Webseite der Moschee














