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CSD Berlin

"Unser Ziel ist es, gemeinsam eine starke und geeinte Front zu bilden"

"Sport / Fußball", "Queer im Alter, "Islam", "TIN – eine feministische Perspektive" und "Starkes queeres Netzwerk Deutschland" sind die Schwerpunkt-Themen im Pride Month Berlin. Fünf Fragen dazu an die Kurator*innen.


Symbolbild: Szene vom Berliner CSD 2023 (Bild: IMAGO / Shotshop)
  • 6. Juli 2024, 06:47h 5 Min.

Sport / Fußball

Homofeindlichkeit im Fußball ist seit über zehn Jahren ein Lieblingsthema der Medien, doch bewegen tut sich wenig. Das für Mai mit viel Tamtam angekündigte Coming-out von schwulen Profispielern fiel ins Wasser. Wie kann mehr Offenheit gelingen? Welche neuen Ansätze werden im Pride Month diskutiert?

Sarah, Co-Kuratorin des Pride-Month-Teams: Auch nach Jahren der Aufklärung und auch unter Mithilfe einiger Vereine und Sportbünde scheint es noch immer so, als hätten Queerness und Outings keinen Platz im Sport, speziell im medienwirksamen Profisport. Dass es auch anders geht, zeigen drei Sportler*innen in einem Panel am 11. Juli. Hier geben sie einen Einblick in ihre persönliche Geschichte wie auch bereits bestehende Strukturen, die Mut machen. Anspruch des Panels ist es hierbei, nicht alle Fragen zu beantworten, denn letztendlich gibt es kein persönliche Frage als die des Outings, sondern vielmehr einen Einblick zu schaffen und einen Ort des Austauschs zu schaffen und Mut zu machen.

Queer im Alter

Mit dem 2012 eröffneten "Lebensort Vielfalt" in Charlottenburg, Deutschlands erstem queeren Mehrgenerationenhaus, wurde die Stadt Berlin zur Vorreiterin. Jetzt beschäftigen sich gleich mehrere Pride-Month-Veranstaltungen mit Queerness und Pflege im Alter. Ist das Thema Pflege am drängendsten?

Vlady Schklover, Co-Kurator des Pride-Month-Teams: Leider gibt es nach wie vor nur wenige Vorbilder dafür, wie queere Menschen würdevoll altern können. Für viele queere Menschen stellt sich die Frage, wie sie im Alter leben können, wenn sie keine Kinder haben oder keine Ehe eingehen. Diese Unsicherheit führt dazu, dass viele Angst vor dem Älterwerden haben, sich wünschen, nicht alt zu werden, oder das Thema komplett ignorieren. Die Veranstaltungen im Rahmen des Pride Month beschäftigen sich daher nicht nur mit der Pflege, die zweifellos eine wichtige Säule darstellt, sondern auch mit alternativen Lebensmodellen im Alter. Besonders unser Panel am 24. Juli wird sich intensiv mit dem Thema Einsamkeit im Alter auseinandersetzen.

Islam

Alle Weltreligionen werden immer wieder zur Legitimation von Abwertung und Ausgrenzung von queeren Menschen missbraucht – im Berliner Pride Month wird jedoch nur der Islam hervorgehoben. Warum? Worüber müssen wir in der Community konkret sprechen?

Vlady Schklover, Co-Kurator des Pride Month Teams: Jährlich bestimmt der Vorstand fünf zentrale Themen, die in jüngster Zeit medial, persönlich und gesellschaftlich von besonderer Relevanz waren und bei denen sie einen dringenden Bedarf an Unterstützung, Sichtbarkeit und Dialog sehen. In diesem Jahr steht der Islam im Fokus, ein Anliegen, das Seyran Ates, der Gründerin der ersten queeren Moschee, besonders am Herzen liegt. Sie hat erheblichen Widerstand erfahren, was die intensiven Reaktionen und Forderungen nach weiteren Maßnahmen verdeutlichen. Es geht darum, wie das Leben als queere Muslimin oder queerer Muslim gestaltet werden kann, wie sich diese Identitäten miteinander vereinbaren lassen und welche individuellen sowie kollektiven Herausforderungen queere Muslime bewältigen müssen. Dieses Jahr wollen wir besonders auf queere Kollektive wie das Queerberg Kollektiv oder Queens Against Borders aufmerksam machen.

TIN – eine feministische Perspektive

In der Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz wurde von den Gegner*innen immer wieder behauptet, dass die Rechte von trans, inter und nichtbinären Menschen eine Gefahr für cis Frauen darstellten. Was kann die Community diesem toxischen Narrativ entgegensetzen? Wie sieht die "feministische Perspektive" aus?

Stella Bailleux, Co-Kuratorin des Pride-Month-Teams und Vorstand des CSD: Trans Menschen sind seit jeher Teil der feministischen Bewegung und haben an vorderster Front für Gleichberechtigung und die Rechte von Frauen gekämpft. Die Anliegen von trans Menschen und Frauenrechten sind eng miteinander verknüpft. Trans Menschen erleben wie Frauen häufig sexuelle Übergriffe, körperliche Gewalt und Diskriminierung. Diese gemeinsamen Erfahrungen bilden die Basis für den solidarischen Kampf um Gleichberechtigung.

Der Prozess einer Transition ist langwierig und geht mit vielen Herausforderungen und dem Verlust von Privilegien einher. Trans Menschen sind häufig mit höherer Gewaltbereitschaft, schlechterer Gesundheitsversorgung, Diskriminierung, Misogynie und Sexismus konfrontiert, ähnlich wie Frauen.

Unser Ziel ist es, durch unsere Veranstaltungen die Community – cis und trans – zusammenzubringen und über diese gemeinsamen Themen zu diskutieren. Wie etwa bei der "QueerTalk pride special edition – the HealthScare" am 18. Juli. Transrechte sind Menschenrechte und schließen die Rechte von Frauen selbstverständlich mit ein.

Starkes queeres Netzwerk Deutschland

Das Motto des Berliner CSD lautet in diesem Jahr "Nur gemeinsam stark – Für Demokratie und Vielfalt". Doch wie kann der Appell zu mehr Zusammenhalt in der queeren Community gelingen? Wird der Generationenkonflikt nicht eher immer größer?

Vlady Schklover, Co-Kurator des Pride-Month-Teams: Die queere Community steht nicht nur vor einem Generationenkonflikt, sondern ist auch durch politische und identitätspolitische Ereignisse zunehmend gespalten. Es gibt Spannungen zwischen alt und jung, cis und queer sowie gay/lesbian und trans/inter/nonbinary (TIN). Mit diesem Thema möchten wir darauf aufmerksam machen, dass wir die gleichen Fehler wiederholen wie die heteronormative Gesellschaft. Durch unsere Veranstaltungen, wie das große Netzwerktreffen am 12. Juli, zu dem alle herzlich eingeladen sind, möchten wir ein Zeichen setzen und diskutieren, wie wir wieder zueinander finden können. Angesichts der steigenden Unterstützung für die AfD und der bevorstehenden Wahlen in Ostdeutschland möchten wir ein Netzwerk schaffen, in dem sich alle Mitglieder gesehen und unterstützt fühlen. Unser Ziel ist es, überregional Unterstützung zu bieten und gemeinsam eine starke und geeinte Front zu bilden. Das gesamte Programm zum Pride Month Berlin umfasst über 150 Veranstaltungen.


Der Beitrag erscheint im Rahmen der Medienpartnerschaft zwischen queer.de und dem Berliner CSD e.V.

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