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Alfonso Pantisano
Ein Jahr "Ansprechperson Queeres Berlin"
Vor genau einem Jahr hat der schwarz-rote Senat der Hauptstadt Alfonso Pantisano zur "Ansprechperson Queeres Berlin" ernannt. Es waren teils turbulente zwölf Monate.

Alfonso Pantisano (re.) im Januar bei einer Fridays-for-Future-Demo neben dem langjährigen SPD-Fraktionschef Raed Saleh (Bild: IMAGO / Bernd Elmenthaler)
- 11. Juli 2024, 12:35h 2 Min.
"Ein Jahr ist geschafft! Und ich bleibe dabei: Lasst uns laut für unsere Rechte, für unsere Leute einstehen." So kommentierte der SPD-Politiker Alfonso Pantisano auf Facebook sein erstes Jahr als "Ansprechperson Queeres Berlin". Die schwarz-rote Landesregierung hatte Pantisano, den damaligen SPDqueer-Landesvorsitzenden, am 11. Juli 2023 zum quasi Queerbeauftragten des Landes ernannt (queer.de berichtete). "Danke an alle, die mich unterstützen und begleiten, und auch kritisieren, denn Euer Feedback ist das Wertvollste, was man zum Wachsen braucht!", so Pantisano weiter.
Ein Jahr ist geschafft! Und ich bleibe dabei: Lasst uns laut für unsere Rechte, für unsere Leute einstehen. Danke an...
Posted by Alfonso Pantisano on Wednesday, July 10, 2024
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Pantisano hatte in seiner neuen Position bereits für einige Schlagzeilen gesorgt, auch für Unruhe in der LGBTI-Community. So warf er etwa dem CSD Berlin im Mai wegen dessen Kritik an der schwarz-roten Regierung "Erpressung" vor (queer.de berichtete). Die CSD-Organistor*innen hatten zuvor gefordert, dass der Regierende Bürgermeister Kai Wegner nur beim diesjährigen CSD auftreten dürfe, wenn er seine Ankündigung einer Bundesratsinitiative für den Schutz von LGBTI im Grundgesetz endlich in die Tat umsetze.
Auch in der CDU gibt es Unbehagen über den queeren Aktivisten: So distanzierte sich die CDU-Fraktion wenige Wochen nach seinem Amtsantritt von ihm, weil er etwa nach queerfeindlichen Ausbrüchen Strafanzeige gegen Julian Reichelt und Judith Sevinç Basad gestellt hatte (queer.de berichtete).
In seiner Amtszeit prangerte Pantisano wiederholt öffentlich Queerfeindlichkeit an. So beklagte er nach homosexuellenfeindlichen Angriffen, dass der Aufschrei in der Gesellschaft ausbleibe (queer.de berichtete). Zudem forderte er wiederholt einen besseren Schutz queerer Menschen ein (queer.de berichtete).
"Pantisano sitzt nicht rum, sondern mischt sich ein"
Laut "Tagesspiegel" (Bezahlartikel) werde ihm anonym aus der Community eine "narzisstische Persönlichkeit" und "Geltungsdrang" vorgeworfen. Ein Community-Mitglied habe erklärt: "Wenn er Widerspruch erfährt, dann wird es unangenehm." Von LGBTI-Organisationen erhält er hingegen offiziell Zuspruch: "Ob die Person umstritten ist, ist mir egal. Pantisano sitzt nicht rum, sondern mischt sich ein", erklärte etwa Marcel de Groot, der Geschäftsführer der Schwulenberatung. Schwuz-Geschäftsführer Florian Winkler-Schwarz attestierte Pantisano, er habe sich in dem Jahr als queere Ansprechperson "enorm engagiert und schnell in die diversen Themen der queeren Communitys eingearbeitet".
Kritik kommt hingegen daran, dass sein Posten – anders als beim von der Ampel eingesetzten Bundesbeauftragten für Queerpolitik – bis zum Ende der Legislaturperiode befristet ist. "Ob es [die Ansprechperson] danach noch gibt – ungewiss. Und eine gesetzliche Grundlage fehlt ebenfalls. Somit hat es Schwarz-Rot verpasst, eine dauerhafte, politisch unabhängige Stelle mit geregelten Aufgaben und Rechten zu etablieren", kritisierte etwa "Tagespiegel"-Redakteur Dominik Mai in einem Kommentar (Bezahlartikel). (dk)














