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Primetime Emmy Awards
So queer wie nie: Emmy-Nominierungen 2024
Die Nominiertenliste der 76. Emmy-Preisverleihung wurde veröffentlicht. Im Comedy-Bereich und bei den Limited & Anthology-Serien können sich besonders viele Produktionen mit LGBTI-Bezug Hoffnung auf die begehrte Auszeichnung machen.

Die Netflix-Serie "Ripley" und Hauptdarsteller Andrew Scott können sich Hoffnungen auf einen Emmy Award machen (Bild: Netflix)
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18. Juli 2024, 06:40h 5 Min.
Nachdem die letzte Emmy-Verleihung streikbedingt verschoben wurde und erst im Januar dieses Jahres stattfand, steht nun schon die nächste Runde des wichtigsten Fernsehpreises der Welt in den Startlöchern. Nun wurden die Nominierungen für die 76. Primetime Emmy Awards bekannt gegeben – und sie sind in diesem Jahr queer wie nie.
In den Drama-Kategorien fällt der LGBTI-Bezug noch relativ überschaubar aus. Als Beste Serie sind sowohl die dritte Staffel "The Morning Show" als auch die zweite Staffel "The Gilded Age" nominiert. Haushoher Favorit ist allerdings die auf dem gleichnamigen Bestseller basierende Historienserie "Shōgun", die insgesamt satte 25 Nominierungen einstreichen konnte. Auch die finale Staffel von "The Crown" wurde reichlich bedacht (unter anderem mit einer Nominierung für den schwulen Regisseur Stephen Daldry), außerdem haben dieses Mal auch Genre-Serien wie "Fallout" oder "3 Body Problem" Chancen.
Bei den Schauspieler*innen in den Drama-Kategorien gehören nicht nur Queer-Ikonen wie Christine Baranski ("The Gilded Age") oder Lesley Manville ("The Crown") zu den Nominierten, sondern – genau wie Kollegin Jennifer Aniston – auch Reese Witherspoon für ihre bisexuelle Rolle in "The Morning Show". Und unser lesbisches Lieblingspaar darf sich sogar gemeinsam Hoffnungen machen: während Sarah Paulson für "Mr. & Mrs. Smith" als Gast-Darstellerin in einer Drama-Serie nominiert ist, wurde ihre Lebensgefährtin Holland Taylor als Nebendarstellerin in "The Morning Show" bedacht.
Viele queere Nominierungen im Comedy-Bereich
Bei den Comedy-Serien ist neben Vorjahres-Sieger "The Bear" nach einer kleinen Pause auch wieder die ziemlich queere Serie "Hacks" für ihre dritte Staffel nominiert. Konkurrenz bekommen sie von wunderbaren Shows wie "Abbott Elementary", "Reservation Dogs", "Only Murders in the Building", "Palm Royale" oder "What We Do in the Shadows", in denen allesamt queere Figuren entscheidende Rollen spielen.

Die bisexuelle Hannah Einbinder und Jean Smart in der dritten Staffel von "Hacks" (Bild: Beth Dubber / Max)
Für letztere wurde Matt Berry nach fünf Staffeln für seine Rolle als pansexueller Vampir erstmals als Bester Hauptdarsteller nominiert, während Selena Gomez als nicht-heterosexuelle Mabel in "Only Murders in the Building" in Staffel 3 auch zum ersten Mal bei den Nominierungen zum Zuge kam (als Produzentin der Serie hatte sie bereits welche). Bei den Nebenrollen wurden derweil auch queere Darsteller*innen nominiert: Bowen Yang darf sich abermals für die Sketch-Show "Saturday Night Live" Hoffnungen machen, während die bisexuelle Hanna Einbinder für "Hacks" zu den Favoritinnen gehört (obwohl sie in der Hauptdarstellerinnen-Kategorie besser aufgehoben wäre). Zu ihren Konkurrentinnen gehört unter anderem Hollywood-Ikone Meryl Streep für "Only Murders in the Building".
Ebenfalls unter den Nominierten im Comedy-Bereich: große Stars wie Olivia Colman, Ryan Gosling oder Jamie Lee Curtis. Zwei der besten und queersten Comedy-Serien müssen sich derweil mit je einer Nominierung für ihre Drehbücher begnügen: daran, dass sowohl "The Other Two" als auch "Girls5eva" nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdient haben, hat man sich nach jeweils drei Staffeln allerdings inzwischen gewohnt.
Besonders viele queere Limited & Anthology-Serien nominiert
Nirgends sind die Emmys in diesem Jahr derweil queerer als bei den Limited & Anthology-Serien. In der Hauptkategorie ist nicht nur der auf wahren Ereignissen basierende Überraschungserfolg "Rentierbaby" nominiert, sondern auch "Ripley" und "True Detective: Night Country".
Gleich drei nicht-heterosexuelle Schauspieler sind für ihre Hauptrollen nominiert, neben Richard Gadd in "Rentierbaby" und Andrew Scott in "Ripley" auch Matt Bomer für "Fellow Travelers". Und für seine Leistung als Truman Capote in "Feud: Capote vs. The Swans" darf sich auch Tom Hollander Chancen ausrechnen. Als Beste Hauptdarstellerin geht derweil Jodie Foster für "True Detective: Night Country" ins Rennen.

Als Beste Hauptdarstellerin nominiert: Jodie Foster als Detective Liz Danvers in "True Detective: Night Country" (Bild: HBO)
Fosters queere Kollegin Kali Reis darf sich als Beste Nebendarstellerin Hoffnungen machen, genau wie Lily Gladstone für "Under the Bridge". Beide spielen in ihren Serien Polizistinnen – und sind die beiden ersten Native-American-Schauspielerinnen, die jemals für den Emmy nominiert wurden. Zu ihren größten Konkurrentinnen gehören die lesbische Britin Jessica Gunning sowie trans Schauspielerin Nava Mau, beide nominiert für "Rentierbaby". Bei den Männern ist außerdem Jonathan Bailey für "Fellow Travelers" nominiert.
Apropos "Fellow Travelers": Während es für eine Nominierung als Beste Miniserie nicht gereicht hat, kommt immerhin der schwule Serien-Schöpfer Ron Nyswaner in der Drehbuch-Kategorie zum Zuge. Bei den Regisseur*innen findet sich unter den Nominierten auch Gus van Sant für die erste Episode von "Feud: Capote vs. The Swans". Und als Bester TV-Film ist – neben u.a. der Prinz-Andrew-Geschichte "Scoop" oder der Komödie "Quiz Lady" mit Sandra Oh – auch die schwule Liebesgeschichte "Royal Blue" von Matthew López nominiert. Lediglich bei den Kostümen bedacht wurde leider "Mary & George".
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"RuPaul's Drag Race" erneut nominiert
Auch jenseits der fiktionalen Produktionen wurde Queerness großgeschrieben. Als Beste Reality Competition Show nominiert sind unter anderem "RuPaul's Drag Race", die Koch-Sendung "Top Chef" oder die US-Version von "The Traitors". Alle drei Shows haben queere Moderator*innen, die ebenfalls eigene Nominierungen erhielten, nämlich RuPaul selbst, Kristen Kish und Alan Cumming. Als Gameshow-Moderatorin nominiert wurde für "Weakest Link" außerdem die lesbische Schauspielerin Jane Lynch.
Immerhin als Outstanding Structured Reality Program wurde – in direkter Konkurrenz zu "Love Island" – die jüngste Staffel von "Queer Eye" nominiert, die auch eine Nominierung für den Schnitt erhielt. Zwei Nominierungen für das Hair-Styling sowie die Maske gingen an die Drag-Sendung "We're Here". Und in der Kategorie Outstanding Unstructured Reality Program gehen unter anderem "RuPaul's Drag Race: Untucked", "Love on the Spectrum" und "Vanderpump Rules" an den Start.
Im Bereich der Variety Specials, wo auch die Shows von Stand-Up-Komiker*innen nominiert wurden, konnten sich die Mitglieder der Academy of Televison Arts & Scienes allerdings nicht wirklich für Queeres erwärmen. Stattdessen wurde "Dave Chappelle: The Dreamer" nominiert, wo der Comedian einmal mehr gegen trans Menschen polemisiert. "John Early: Now More Than Ever", "Leo Reich: Literally Who Cares?" oder auch "Hannah Gadsby's Gender Agenda" gingen leer aus. Erfreuliches gibt es, apropos Lieblings-Lesbenpaare, aus der Regie-Kategorie zu berichten: Dort ist immerhin Stephanie Allynn nominiert, die beim Comedy-Special "Tig Notaro: Hello Again" ihre Ehefrau inszeniert hat.
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