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Streaming-Tipp

Regenbogen­familie im Trennungschaos

Eine Scheidung kann in den besten Familien vorkommen – und doch trifft die plötzliche Trennung seiner Väter den 16-jährigen Leone völlig unerwartet. Die italienische Filmkomödie "Der unsichtbare Faden" nähert sich auch schwierigen Themen mit erfrischender Leichtigkeit.


Paolo und Simone, die schwulen Eltern von Teenager Leone, durchlaufen eine heftige Beziehungskrise (Bild: Netflix)

Leone ist mit zwei Vätern aufgewachsen und steht deshalb an seiner Schule in Rom permanent im Verdacht, ebenfalls schwul zu sein. Umso mehr als er ein enges Verhältnis zu seinem besten Freund hat, mit dem zusammen er gerade für ein Schulprojekt an einer Filmdoku über den Befreiungskampf der queeren Bewegung arbeitet – erzählt anhand seiner eigenen "perfekten Familie".

Das Gekicher und die Anspielungen seiner Mitschüler*innen erträgt er mit stoischer Gelassenheit – und gelegentlich einem ausgestreckten Mittelfinger. In Wirklichkeit hat er nämlich ein Auge auf die attraktive Anna geworfen, eine neue Schülerin, bei der er sich zunächst aber wenig Chancen ausrechnet. Denn an ihrer Seite sieht er ständig diesen großen, sportlichen Typen, dem er niemals das Wasser reichen kann. Immerhin läuft zu Hause alles rund: Seine Väter Paolo und Simone sind beruflich erfolgreich und stehen kurz davor, ihr 20-jähriges Beziehungsjubiläum zu feiern. Ab und zu meldet sich Leones Leihmutter Tilly per Video-Call aus den USA – auch diese Beziehung ist recht eng.

Gro0e Krise beim Jubiläumsdinner


Poster zum Film: "Der unsichtbare Faden" kann auf Netflix gestreamt werden

Doch dann passieren gleich mehrere Dinge, die Leones Leben gründlich aus der Bahn werfen: Der Typ an Annas Seite stellt sich als ihr Zwillingsbruder raus, und sie zeigt plötzlich Interesse an ihm. Und am Jubiläumsessen seiner Eltern kommt es zum großen Knall, denn Paolo hat am Tag zuvor per Zufall entdeckt, dass Simone ihn seit zwei Jahren mit einem anderen betrügt, der dann ausgerechnet während des Essens an der Tür klingelt. So kommt es vor den Gästen, inklusive Anna, zu einem heftigen Streit; der Abend endet im Chaos und mit dem abrupten Auszug von Simone.
Leone ist fassungslos. Zu allem Übel stellt sich kurz darauf raus, dass Anna sich vor allem deshalb für ihn interessiert, weil auch sie denkt, er sei schwul. Und was ist nun mit seinem Filmprojekt für die Schule über seine "perfekte Familie"?

Italiens Probleme mit Regenbogen­familien

Die Story ließe sich auch als schweres Drama erzählen, doch "Der unsichtbare Faden" ("Il filo invisibile") aus dem Jahr 2022 ist das pure Gegenteil: eine witzige, leichtfüßige Komödie mit viel Herz und großen Gefühlen. Im Zentrum stehen der Beginn und das Ende einer Beziehung: Während Leone sich mit dem emotionalen Chaos der ersten Liebe rumschlägt, kollabiert die langjährige Liebe seiner Väter in einem leidenschaftlich geführten Krieg um edle Weine, teure Anzüge und Leones genetische Wurzeln.

Der auf Netflix verfügbare Film tippt nebenbei allerdings noch weitere Themen an: Bullying, Coming-out-Ängste, politische Hürden. In Italien ist es nämlich noch immer kompliziert für queere Paare, die gemeinsam ein Kind haben möchten. Und das hat sich mit der neuen, ultrarechten Regierungskoalition unter der Postfaschistin Giorgia Meloni inzwischen eher noch verschlimmert.
Sie setzt sich vehement für ein konservatives Familienbild ein und diskriminiert gleich­geschlechtliche Eltern systematisch. Das geht soweit, dass Geburtsurkunden angefochten werden und nicht-leibliche Eltern ihre Elternschaft offiziell verlieren. Queere Organisationen bezeichnen den derzeitigen italienischen Umgang mit Regenbogen­familien als "mittelalterlich".

Eine Familie wie jede andere

Von daher muss man hoffen, dass dieser Film vor allem in Italien breit geschaut wird. Denn er illustriert sehr schön, dass eine Regenbogenfamilie im Grunde nicht groß anders ist als alle anderen Familien auch. Allenfalls gibt's noch die eine oder andere Komplikation zusätzlich – nicht zuletzt wegen der Behörden.

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Die Botschaft von "Der unsichtbare Faden" mag etwas abgedroschen sein, aber angesichts der aktuellen italienischen Verhältnisse kann man sie gar nicht oft genug wiederholen. Dass nämlich am Ende vor allem eins zählt: Liebe, Zuneigung, füreinander da sein – all das ist viel wichtiger als die genetischen Verbindungen. Und in der Hinsicht erweist sich Leones Familie nach ein paar turbulenten, unterhaltsamen Umwegen als vorbildlich.

Infos zum Film

Der unsichtbare Faden. Comedy-Drama. Italien 2022. Regie: Marco Simon Puccioni. Cast: Filippo Timi, Francesco Scianna, Francesco Gheghi, Giulia Maenza, Jodhi May, Valentina Cervi, Emanuele Maria Di Stefano, Matteo Oscar Giuggioli, Mauro Conte, Alessia Giuliani. Gerald Tyler. Enrico Borello. Gianluca De Marchi. Laufzeit: 103 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, italienische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Zu sehen bei Netflix
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