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Interview

Wie queer war das Alte Rom, Roland Emmerich?

In "Those About to Die" entführt Roland Emmerich die Zuschauer*innen in die Gladiatoren-Arenen der Antike. Wir sprachen mit dem 68-Jährigen über sexuelle Freiheit im Römischen Reich – und seine Zusammenarbeit mit Ko-Regisseur Marco Kreuzpaintner,


Szene aus "Those About to Die": Alle zehn Episoden der ersten Staffel können seit 19. Juli bei Prime Video gestreamt werden (Bild: Reiner Bajo / Peacock)

Er ist Deutschlands erfolgreichster Hollywood-Export. Und er lebt offen schwul. Roland Emmerich, 68, hat mit "Independence Day" die Kinokassen klingeln lassen, mit "The Day After Tomorrow" den Klimawandel für das Kino früher als andere thematisiert. Sein Herzensprojekt "Stonewall" fiel der Häme zum Opfer. Nun bietet die pompöse Monumental-Serie "Those About to Die" auf Prime Video allerlei queeren Content.

Sticher für drei Sesterzen. Und schwule Bösewichte, die ihren Liebhabern aus Eifersucht die Zunge herausschneiden. Es ist nicht alles Rom, was glänzt. Emmerich kocht, gemeinsam mit dem schwulen Ko-Regisseur Marco Kreuzpaintner, ein pompöses Historienspektakel für 150 Millionen Dollar – das sollte man sich nicht entgehen lassen!

Wir hatten die Gelegenheit uns mit Roland Emmericht über "Those About to Die" zu unterhalten.


Regisseur Roland Emmerich (Bild: Reiner Bajo / Peacock)

Herr Emmerich, in Ihrem Alten Rom geht es sexuell auffallend freizügig zu. Männliche Prostituierte gibt es für drei Sesterzen, betuchten Kunden bietet man zur Auswahl: "Essen oder Trinken. Mädchen? Oder vielleicht Jungs?". Ist das Fakt oder eher Fiktion?

Die Römer waren sehr offen gegenüber Homosexualität und allen möglichen sexuellen Praktiken. Wir haben das ein wenig im Hintergrund gehalten, aber es gibt definitiv queere Elemente. Domitian ist zum Beispiel schwul. Er hat immer diesen Jungen bei sich, und als dieser ihn mit jemand anderem betrügt, schneidet er ihm die Zunge heraus und lässt ihn von Krokodilen fressen. Dann gibt es auch Xenon, der heimlich in jemanden verliebt ist. Es gibt viele solcher Elemente, die ich in die Geschichte einbringen konnte. Natürlich gemeinsam mit unserem Ko-Regisseur Marco Kreuzpaintner, dem solche Sachen besonderen Spaß bereitet haben.

Das Wagenrennen in "Ben Hur" gehört zu den berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Wie haben Sie Ihre Pferde gesattelt, um bei dem aussichtslos erscheinenden Vergleich nicht unterzugehen?

Unser Wagenrennen ist moderner, wir bieten viel mehr Weitwinkelaufnahmen. Es war tatsächlich ein enorm kompliziertes Projekt, weil wir vier Techniken vereinigen mussten. Die Wagen-Brüche wurden vollständig digital erstellt, ebenso wie die Weitwinkelaufnahmen. Dann hatten wir eine zweite Einheit, welche die echten Pferde filmte. Das alles war ein ganz enormer Aufwand.

Fehler in historischen Filmen zu finden, gilt mittlerweile als angesagt in sozialen Medien. Gab es eine Handy- oder Tätowierungskontrolle am Set?

Es gibt dieses Sprichwort: Wenn du Profi bist, gibt es keine Handys im Hintergrund. (lacht) Wir hatten ein erstaunliches Team, eines der besten, das ich je hatte. Ich glaube nicht, dass wir irgendwelche Fehler dieser Art im Hintergrund haben.


Der schwule Domitian in "Those About to Die" (Bild: Reiner Bajo / Peacock)

Die zehn Episoden von "Those About to Die" kosten 150 Millionen Dollar. Es ist die teuerste unabhängig produzierte europäische Serie aller Zeiten. Wo bleibt da die schwäbische Hausfrau?

Unter normalen Umständen wären es 250 Millionen Dollar gewesen. Ich habe also allen 100 Millionen Dollar ein gespart. (lacht)

Welche Aktualität hat diese "Brot-und-Spiel"-Ära für heute?

Wenn man sieht, wie fanatisch die Leute heute Fußball- oder Basketballspiele schauen, ist das erstaunlich. Es gibt zudem immer mehr Kontaktsportarten, und Boxen ist ohnehin auf seinem Höhepunkt. Auch das Wetten kommt zurück, was ich sehr interessant finde.

Wie halten Sie es mir der Gewalt? Wie weit kann man gehen in der Darstellung?

Ich schwelge ja nicht in Gewalt-Szenen. Klar, es geht in dieser Serie auch um eine Gladiatoren-Show, aber ich verliere mich nicht in der Gewalt.

Hätten Sie gerne in dieser Zeit gelebt?

Als Cäsar auf alle Fälle! Das ist das bessere Leben. Man hat Diener und Sklaven, die alles für tun. Es gibt sexuelle Freiheit, was großartig ist. Egal ob Mädchen oder Jungs.

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Wie war Ihr Verhältnis zu Sir Anthony Hopkins? Waren Sie der Sklave des Stars mit Oscar-Weihen und Ritterschlag?

Ich habe Anthony sehr respektiert. Er ist ein totaler Fan dieser Epoche, er liebt das Alte Rom. Er weiß mehr über seine Figur als jeder andere, weil er sich intensiv einliest. Er war sehr erfreut, dass seine Figur zum Beispiel im Stehen stirbt, weil sie glaubt, so göttlich zu werden. Auch dieses Zitat "Geld stinkt nicht" hat ihm sehr gut gefallen.

Aktuell wurde Kevin Spacey von einem Gericht von den Vorwürfen der sexuellen Nötigung freigesprochen. Wie sehen Sie seine Rückkehr ins Showbiz?

Ich hoffe, dass Kevin Spacey zurückkehrt. Und auch Bryan Singer. Für mich sind diese Vorwürfe lächerlich, die aus so einer Woke-Blase kommen. Die sind großartige Regisseure und Schauspieler, und beide sollten zurückkommen.

Wie steht es um Ihr Zurückkommen in die alte Heimat Stuttgart?

Ich liebe Europa. Für die Serie habe ich fast zwei Jahre in Rom verbracht. Aber für Stuttgart gibt es gerade keine Pläne. Ich bin dann schon lieber in meinem Haus in London.

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