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Thüringen
Dank AfD: Erster CSD in Sonneberg
Als Reaktion auf die Wahl des AfD-Politikers Robert Sesselmann zum neuen Landrat fand am Samstag in Sonneberg zum ersten Mal ein Christopher Street Day statt. Die Demo-Parade sorgte für Aufbruch und neuen Mut. Bis auf vereinzelte Pöbeleien blieb es ruhig.

Nach Angaben der Polizei nahmen über 630 Personen am ersten CSD in Sonneberg teil (Bild: Flora Lukas)
- Von Flora Lukas und Jonas Venediger
22. Juli 2024, 14:43h 3 Min.
Am Samstag fand der erste Christopher Street Day (CSD) in der Thüringer Kreisstadt Sonneberg statt. Unter dem Motto "Bunte Provinz" versammelten sich laut Polizei über 630 Personen. Sie wollten Sonneberg nicht den Rechten überlassen und zeigen, dass es queeres Leben überall gibt. Die Demonstration führte vom Bahnhofsvorplatz bis zum Piko-Platz durch die Innenstadt.
Im vergangenen Jahr wurde AfD-Kandidat Robert Sesselmann mit einer Mehrheit von 58,2 Prozent zum Landrat des Landkreises Sonneberg gewählt (queer.de berichtete). Nicht ohne Folgen – die Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt in Thüringen "ezra" verzeichnete im Jahr 2023 eine Verfünffachung der rechten und rassistischen Straftaten im Vergleich zum Vorjahr.

Klare Ansage beim CSD Sonneberg (Bild: Flora Lukas)
Die Angst, dass auch der CSD Ziel rechter Angriffe werden könnte, bewahrheitete sich nicht. Obwohl die Organisator*innen fest mit Störaktionen oder sogar einem Gegenprotest gerechnet hatten, blieb es bis auf vereinzelte Pöbeleien ruhig.
"Überall ist Party, weil den Landrat unsere Party stört"
Auf dem Piko-Platz, dem Ort der Abschlusskundgebung, gab es im Anschluss an die Demonstration ein buntes Bühnenprogramm mit Redebeiträgen und einer Podiumsdiskussion von Politiker*innen demokratischer Parteien. Zwischen den inhaltlichen Beiträgen folgten Musikdarbietungen von Künstler*innen wie Baby G., Yu, Mondmann sowie von Bruneau und Maurice Conrad.

Bruneau und Maurice Conrad performen "CSD in Sonnenberg"(Bild: Flora Lukas)
Maurice Conrad, ein*e nichtbinäre Rapper*in, Aktivist*in und Stadträt*in aus Mainz, ging gemeinsam mit dem Musiker Bruneau im letzten Jahr mit dem Song und Musikvideo "CSD in Sonneberg" viral. Die Idee sei ihnen nach der Landratswahl gekommen, sie wollten das nach Sonneberg bringen, was der Landrat nicht erwartet. "Die Leute vor Ort haben uns Dutzende Nachrichten geschrieben, dass ihnen das Kraft gibt, dass sie das geil finden und dass sie damit nicht gerechnet haben", so Conrad.
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Aus Angst wird Mut
Nach Erscheinen des Songs entschlossen sich Aktivist*innen, vor allem aus Sonneberg und Coburg, den ersten CSD in Sonneberg wahr werden zu lassen. Sascha Kukadt aus der nahegelegenen Stadt Marktredwitz war ebenfalls an der Organisation des CSD am Sonnabend beteiligt. Nach der Wahl des AfD-Landrats hätten queere Menschen in Sonneberg die Stimmung in ihrer Stadt als bedrohlich und angespannt empfunden. Umso wichtiger sei der CSD als Tag, an dem sich queere Menschen in ihrer Heimat sicher fühlen können.

Nicht alle waren vor der ersten CSD-Demonstration begeistert (Bild: Flora Lukas)
Anfangs sei insbesondere die Suche nach zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Unterstützung des CSDs eine Herausforderung gewesen. Gestartet habe das Orga-Team lediglich mit einer kleinen Gruppe Menschen sowie der Partei der Humanisten (PdH) und dem Gewerkschaftsbund DGB. Nach und nach seien dann mehr Organisator*innen, Künstler*innen und Redner*innen hinzugekommen.
CSD in Sonneberg auch 2025
Nach der CSD-Premiere zieht Mitorganisator Sascha Kukadt ein positives Fazit. Man habe zeigen können, dass die Zivilgesellschaft in Sonneberg, trotz des Wahlsieges der AfD, Gesicht zeigt und queere Menschen willkommen heißt.
Im nächsten Jahr soll es in Sonneberg definitiv einen weiteren CSD geben. Bis dahin sei auch die Gründung eines Vereines für die Organisation der Demo und breit aufgestellter zivilgesellschaftlicher Arbeit geplant.















