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Ein Jahr nach Coming-out

Herzog von Bayern: "Toleranz reicht nicht, wir wünschen uns Selbstverständlichkeit"

Der Urenkel des letzten Bayern-Königs lebt seit über 40 Jahren an der Seite eines Mannes. Jetzt spricht er über die Partnerschaft.


Franz Herzog von Bayern (re.) und sein Partner Thomas Greinwald letztes Jahr bei einer Veranstaltung in München (Bild: IMAGO / Sven Simon)
  • 25. Juli 2024, 09:16h 2 Min.

Der 91 Jahre alte Franz Herzog von Bayern und sein jahrzehntelanger Lebenspartner Thomas Greinwald wünschen sich mehr Lockerheit im Umgang mit gleichgeschlechtlichen Paaren. "Ich würde sagen, Toleranz reicht nicht, wir wünschen uns Selbstverständlichkeit", sagte der Urenkel des letzten Bayern-Königs dem "Stern" (Bezahlartikel). "Ohne es eigentlich gutzuheißen, duldet man die Lebensweise anderer, weil man tolerant ist."

Das Paar hatte erst im vergangenen Jahr im Rahmen einer Kunstausstellung, wo ein Foto der beiden zu sehen war, öffentlich über seine Partnerschaft gesprochen (queer.de berichtete). Zuvor galt das Oberhaupt des Adelsgeschlechtes der Wittelsbacher jahrzehntelang offiziell als Junggeselle.

Herzog: Jahrelange Diskretion war das Richtige

"Ich finde bis heute, dass es das Richtige war, all die Jahre den Weg der Diskretion zu gehen, um jegliche Polarisierung zu vermeiden. Nun aber war die Zeit reif", so der Herzog gegenüber dem "Stern" weiter. Das Coming-out sei bewusst passiert. "Mir war aber etwas anderes wichtig: Viele Leuten trauen sich gewisse Dinge nicht einmal zu denken, weil sie Angst davor haben, was dabei herauskommen könnte. Wenn ich mein Lebensziel definieren müsste, dann wäre dies angstfreies Denken, überhaupt: die Freiheit von Furcht."

Thomas Greinwald sagte dem Magazin, das jahrelange Versteckspiel habe er nachvollziehen können, denn es sei darum gegangen, die gesellschaftliche Sphäre seines Partners zu schützen. "Wer es wissen wollte, musste bloß hinschauen, aber niemand sollte dazu gezwungen werden." Er sei jetzt berührt davon, wie viele Briefe sie nach dem Coming-out erhalten hätten: Diese kämen meist von "Menschen, die sich für diesen Schritt bedanken. Besonders von jenen, die sich selbst als konservativ sehen und gleichgeschlechtliche Beziehungen leben."

Der 1933 auf die Welt gekommene Franz von Bayern wäre heute König von Bayern, wenn die Monarchie 15 Jahre vor seiner Geburt nicht abgeschafft worden wäre. eine Familie leistete Widerstand gegen den Nationalsozialismus, ging zunächst nach ins Exil und wurde dann in drei KZs festgehalten, unter anderem in Dachau. Als Elfjähriger sah Franz in dem nationalsozialistischen Vernichtungslager Berge von Leichen und dachte, er würde die Gefangenschaft nicht überleben. (dpa/cw)