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Berliner Queerbeauftragter
Drohungen gegen Pantisano: "Ich darf aktuell nicht immer meine Wohnung alleine verlassen"
Der Berliner Queerbeauftragte beschreibt in einem Facebook-Posting, wie er derzeit mit homophobem Hass überschüttet wird.

Alfonso Pantisano spricht über seine Erfahrungen mit dem rechten Mob (Bild: M. Hillig)
- 25. Juli 2024, 10:16h 2 Min.
Der SPD-Politiker Alfonso Pantisano, der seit einem Jahr die "Ansprechperson Queeres Berlin" ist, beklagt zwei Tage vor der CSD-Demo in der Bundeshauptstadt eine von Queerfeindlichkeit getriebene Hasskampagne gegen seine Person. "Seit Tagen kommen bei mir Droh-Mails und Droh-Anrufe an, die teilweise haarsträubend sind", schrieb er am Donnerstagmorgen auf Facebook. Dazu veröffentlichte er einige Mitteilungen auf seinem Anrufbeantworter, die er am Vortag erhalten habe ("Wir wollen Euer Blut, es schmeckt so wunderbar").
"Es sind viele. Die Berichterstattungen der letzten Tage scheinen Wirkung zu zeigen, denn die Verachtung gegen mich persönlich, gegen das Amt des 'Queerbeauftragten' und auch gegen die queere Community wächst und entlädt sich in dieser zermürbenden Kommunikation des Hasses", so Pantisano. Hintergrund ist, dass in den letzten Wochen rechte Medien, etwa das queerfeindliche Portal "Nius", vermehrt Stimmung gegen Pantisano und sein Amt gemacht hatten.
"Meine aktuelle Realität ist beängstigend"
Ergebnis dieser Kampagne sei, "dass ich aktuell nicht immer meine Wohnung alleine verlassen darf". Weiter erklärte Pantisano: "Ich kann Euch sagen, dass meine aktuelle Realität beängstigend ist. Sie raubt mir den Schlaf, die lähmt mich in meiner Freiheit und sie macht mich mehr als einsam. Das merke ich gerade dann, wenn man von anderen Menschen auf die öffentliche Toilette begleitet wird, weil der Weg dorthin alleine nicht sicher genug ist."
Er betonte jedoch, dass er wegen des Drucks nicht aufgeben und auch weiterhin lautstark seine Positionen vertreten werde. "Denn unsere Stimmen sind jetzt wichtiger denn je – oder kriegen wir nicht mit, was da draußen gerade los ist? Kriegen wir nicht mit, welche organisierten Kräfte gegen all das operieren, wofür unsere Regenbogen-Community steht?", fragte der Sozialdemokrat.
Es ist eine Frage, die mich sehr beschäftigt. Behalte ich das alles für mich oder rede ich darüber? Da wird es bestimmt...
Posted by Alfonso Pantisano on Wednesday, July 24, 2024
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Pantisano stand zuletzt zwischen allen Stühlen: So muss er sich nicht nur gegen eine Rechtsaußen-Kampagne wehren, sondern wird auch von der CDU-Fraktion kritisch gesehen, die mit seiner SPD in Berlin koaliert (queer.de berichtete). Zuletzt erfuhr die Koalition um den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) auch Kritik aus der Community, weil sie eine Bundesratsinitiative zum Schutz von queeren Menschen im Grundgesetz bereits vor einem Jahr versprochen hatte, aber bis heute nicht umgesetzt hat (queer.de berichtete). Wegen der Kritik wollte Wegner dann nicht mehr wie im letzten Jahr die CSD-Demo eröffnen, die am Samstag stattfindet (queer.de berichtete). (dk)














