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Streitpunkt Israel

Konflikte um mehrere kleine CSDs in Berlin

Laut, bunt und fröhlich soll es auch in diesem Jahr beim großen Berliner CSD werden. Mehrere kleine Events rund um das Pride-Wochenende überschatten jedoch die Feierlaune.


Der Dyke March im vergangenen Jahr – dieses Mal kam es im Vorfeld zu einem Eklat (Bild: IMAGO / NurPhoto)
  • 26. Juli 2024, 10:01h 4 Min.

Hunderttausende ziehen am Samstag wieder für die Rechte der queeren Community durch die Stadt. Die Organisatoren des 46. Christopher Street Day (CSD) erwarten bis zu einer halben Million Menschen, die unter dem Motto "Nur gemeinsam stark – Für Demokratie und Vielfalt" durch Berlin bis zur Siegessäule ziehen.

Es sind aber noch weitere queere Veranstaltungen geplant, bei denen es Konfliktpotenzial gibt: Am Samstagnachmittag ist in Neukölln eine Demo des Internationalistischen Queer Pride (IQP) angesetzt, zu der 15.000 Teilnehmende angemeldet sind. Dabei ist auch eine Gruppe "Queers for Palestine" unter dem Motto "Kein Pride für Völkermord". Die Veranstalter*innen erklärten, sie wollten "einen Pro-BDS/Palästina-Solidaritätsblock" bilden.

Diese BDS-Bewegung gilt allgemein als antisemitisch. Die Abkürzung steht für "Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen" und strebt einen Komplettboykott von Israel an. In der Realität führt das etwa zu Boykotts jüdischer Läden, außerdem verkehren viele Anhänger*innen privat oder geschäftlich nicht mit Menschen, die einen israelischen Pass besitzen, unabhängig davon, welche Haltung diese Menschen haben; mit Staatsbürger*innen von Diktaturen haben BDS-Fans indes meist kein Problem. Bewegungen wie "Queers for Palestine" werden innerhalb und außerhalb der Community scharf kritisiert, etwa auch vom Ex-Kanzlerkandidaten Armin Laschet (queer.de berichtete).

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Zwei konkurrierende Lesbendemos am Freitagabend

Bereits am Freitagabend gibt es zwei lesbische Demos – hier ist die Community gespalten über die Haltung zu jüdischen Menschen und Israel. Der 11. Dyke* March für lesbische Sichtbarkeit findet ab 18 Uhr in Neukölln statt, eine projüdische Abspaltung veranstaltet unter dem Titel "Lesbendemo: Solidarität mit jüdischem Leben" ab 19 Uhr in Schöneberg eine eigene Veranstaltung.

Anlass ist eine Eskalation während eines sogenannten Soli-Abends für den Dyke* March in der Kreuzberger Kneipe Möbel Olfe vor zwei Wochen. Eine Gruppe von Frauen brachte dort Poster mit Aufschriften wie "No pride in Hamas" oder "Believe Israeli woman" und wurde von anderen Teilnehmerinnen dafür verbal attackiert. Auf Instagram hatten die Dyke-March-Organisatorinnen zuvor Israel "Apartheid" und "Genozid" vorgeworfen – diese Begriffe werden oft in antisemitischen Zusammenhängen erwähnt.

Nach dem Soli-Abend warf der Dyke* March den proisraelischen Personen Rassismus vor und erklärte auf Instagram, dass angeblich "fünf hauptsächlich weiße nichtjüdische Lesben eine unangekündigte Aktion" gestartet hätten und die Polizei auf eine "Dyke of color", also eine nichtweiße Lesbe, angesetzt hätten. Gegenüber der "Siegessäule" warf eine Organisatorin den "nichtjüdischen Lesben" auch Transfeindlichkeit vor.

Dagegen beklagt die neue Lesbendemo, dass sich der Dyke* March "in Worten, Bildern und Taten 'propalästinensisch' und antisemitisch positioniert" habe. "An einem Dyke*March, bei dem in Wort und Bild Antisemitismus und Hamas-Propaganda transportiert und die Sicherheit von jüdischen Lesben nicht gewährleistet ist, werden wir nicht teilnehmen!"

Beim Haupt-CSD ist auch eine ausdrücklich proisraelische Gruppe dabei – unter dem Titel "Homos sagen Ja zu Israel". Die Gruppe trifft sich bei beim Truck 3 der Evangelischen Kirche. "Bringt Fahnen, Schilder, Transparente und kreative Einfälle mit, damit wir als Fußgruppe ein Zeichen setzen und noch mehr Menschen gewinnen", heißt es in einer Einladung.

Haupt-CSD zoffte sich mit Regierendem Bürgermeister

Auch beim Haupt-CSD gab es im Vorfeld Querelen, allerdings wegen eines anderen Themas. Hintergrund ist, dass der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) letztes Jahr beim Pride versprochen hatte, eine Bundesratsinitiative für die Aufnahme von queeren Menschen in Artikel 3 des Grundgesetzes voranzutreiben (queer.de berichtete). Die CSD-Verantwortlichen hatten ihn zuletzt mehrfach gedrängt, Wort zu halten. Der Senat wird den Beschluss aber nicht mehr vor dem CSD fassen (queer.de berichtete).

Der CSD in Berlin gilt als eine der größten Veranstaltungen der queeren Community in Europa. Es nehmen insgesamt 75 Wagen, dutzende Fußgruppen und bei der Abschlusskundgebung verschiedene Musiker*innen teil – darunter ein Überraschungsgast. Die Eröffnungsrede hält die Aktivistin Sophie Koch vom Queeren Netzwerk Sachsen, das Grußwort hält Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne). (dpa/dk)

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