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Streaming-Tipp
"Those About to Die": Intrigen, Blut und reichlich Sex
Roland Emmerichs Historienspektakel erweckt das antike Rom zum Leben – und wie! Es gibt tödliche Gladiatorenkämpfe, durchtriebene Kaisersöhne und attraktive Männer ohne Ende – darunter auch ein paar queere.

Szene aus "Those About to Die": Alle zehn Episoden der ersten Staffel können seit 19. Juli bei Prime Video gestreamt werden (Bild: Reiner Bajo / Peacock)
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27. Juli 2024, 06:10h 5 Min.
Eine kräftige Portion "Gladiator", ein Schuss "Game of Thrones", eine Prise reale Historie – und fertig ist das gewalttätige, verruchte, äußerst unterhaltsame Historienspektakel "Those About to Die". Hinter der 140 Millionen Dollar teuren zehnteiligen Serie stehen die beiden schwulen deutschen Regisseure Roland Emmerich und Marco Kreuzpaintner. Und die erfreuen ihr Publikum nicht nur mit reichlich (oft männlicher) nackter Haut, sondern auch ein paar queeren Handlungssträngen.
Zu den Hauptfiguren gehört Domitian (Jojo Macari), der jüngere Sohn des alternden Kaisers Vespasian (Anthony Hopkins) – ambitioniert, ruchlos und schwul. Sein Liebhaber Hermes (Alessandro Bedetti) ist ganz selbstverständlich überall dabei, sei es in der Kaiserloge bei den Wagenrennen und Gladiatorenkämpfen im Circus Maximus oder bei konspirativen Treffen mit dem cleveren Unterweltsboss Tenax (Iwan Rheon). Obwohl Domitian Hermes zu Beginn der Serie erklärt, dass er ihn nicht wegen seiner Ratschläge, sondern wegen seines Arsches und Mundes um sich hat, ist der hübsche Jüngling sowas wie seine rechte Hand im großen römischen Intrigenspiel, zumindest für eine Weile.
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Skrupellose Ambitionen
"Those About to Die" startet in der ersten Folge mit derart vielen Figuren, dass einem zuerst mal der Kopf schwirrt. Aber schnell wird klar, welche wirklich wichtig sind. Im Zentrum der Geschichte steht Tenax, der einst als Waisenkind nach Rom kam, sich auf der Straße durchschlug und langsam hocharbeitete. Nun betreibt er die wichtigste Wettbörse der ganzen Stadt und hat seine Finger auch bei allerlei anderen halbseidenen Machenschaften im Spiel.
Tenax ist mindestens so ambitioniert wie Domitian und gelegentlich ebenso ruchlos, hat jedoch das Herz auf dem rechten Fleck. So kümmert er sich fast schon fürsorglich um eine ganze Schar Straßenkinder, die für ihn allerlei Nützliches erledigen und dafür ein Dach über den Kopf bekommen und nicht verhungern. Während Domitian vom Cäsaren-Thron träumt, will Tenax die vier bestehenden Wagenrenn-Fraktionen aufbrechen und eine eigene fünfte eröffnen, angeführt vom unangefochtenen Star und zuverlässigen Rennsieger Scorpus (Dimitri Leonidas). Ein Deal mit Domitian gibt ihm schließlich die Chance dazu, wird aber heftig von den Senatoren bekämpft, die hinter den anderen Fraktionen stehen.
Stets von Gewalt oder Tod bedroht
Ebenfalls bei Tenax kommt Cala (Sara Martins) unter, eine Mutter, die ihren drei versklavten Kindern aus einer römischen Kolonie in Afrika nach Rom gefolgt ist und alles daransetzt, sie irgendwie frei zu bekommen. Weil sie sich als clevere Geschäftsfrau erweist, steigt sie in Tenax' Wettbüro schnell auf, umso mehr als eine ihrer Töchter von einem seiner Rivalen gekauft wurde und ihm als Spionin immer wieder nützliche Informationen liefert.
Calas Sohn Kwame (Moe Hashim) wird derweil zum Gladiatorenkämpfer ausgebildet und ist stets in Gefahr, mit dem aktuellen Star-Gladiator Flamma (Martyn Ford) in der Arena zu landen, den bisher noch keiner überlebt hat. Dass er sich noch dazu die Feindschaft des Arenen-Spielmeisters Domitian zugezogen hat, reduziert seine Überlebenschancen noch mehr.

Viggo (Jóhannes Haukur Jóhannesson, l.) und Kwame (Moe Hashim) in der Arena (Bild: Reiner Bajo / Peacock)
Im Palast derweil muss sich der siechende Kaiser entscheiden, wer ihm auf den Thron folgen soll, Domitian oder sein älterer Bruder Titus, ein erfolgreicher General von relativ anständigem Charakter. Schließlich wählt er Titus. Domitian akzeptiert dies äußerlich klaglos, aber als Vespasian bald darauf stirbt, ist klar, dass er alles versuchen wird, um seinen Bruder aus dem Weg zu räumen.
Historisch nur gelegentlich korrekt
Der historische Hintergrund um Vespasian und seine Söhne ist einigermaßen akkurat dargestellt. Domitian hatte wohl auch männliche Liebhaber, was im antiken Rom grundsätzlich kein größeres Problem war, solange man sich an gewisse Regeln hielt. Historisch verbürgt ist auch der Wagenrenn-Star Scorpus. Alle anderen Figuren sind frei erfunden, und die Serie nimmt sich generell viele Freiheiten heraus.
So kämpften etwa die Gladiatoren in der Arena nicht grundsätzlich bis zum Tod, es handelte sich laut Historiker*innen dabei eher um Schaukämpfe, ähnlich dem heutigen Wrestling. Allerdings gab es dabei durchaus Verletzungen, die später zum Tod führen konnten. Und es starben regelmäßig verurteilte Straftäter und zahllose exotische Tiere in den Arenen. Übertrieben dargestellt wird auch der Ausbruch des Vesuvs, der 79 nach Christus Pompeii zerstörte. Zwar trieb der Wind tatsächlich einige Tage später Asche des Ausbruchs bis nach Rom, aber das heftige Erdbeben, das die Stadt in der Serie erschüttert, unmittelbar gefolgt von dicken Aschewolken, ist reine Fiktion.
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Viele, viele Spezialeffekte
Die aufwendig inszenierte Produktion wurde tatsächlich in Rom gedreht, in den legendären Cinecittà-Studios. Ergänzt durch viele, viele Spezialeffekte. Doch ein Teil der Wagenrennen wurde tatsächlich nachgestellt, allerdings weitgehend mit Stuntmen. Als Scorpus-Darsteller Dimitri Leonidas sich doch einmal selbst von vier kräftigen Pferden auf dem Streitwagen ziehen ließ, gingen die prompt durch. Statt gemütlich zu trotten, galoppierten sie unerwartet los: "Das fühlte sich total unwirklich an, wie ein Erdbeben am anderen Ende meiner Arme", erzählte er gegenüber "NBC Insider". Nur dank seines vorherigen Trainings und mit viel Glück schaffte er es, die Tiere ohne Unfall um die Kurve der Arena zu manövrieren.
Viele aus dem sehr internationalen und ethnisch diversen Cast vertieften sich für ihre Rollen in Geschichtsbüchern und schätzten es sehr, einige der historischen Schauplätze während der Dreharbeiten selbst besuchen zu können. "Nichts hat mich so sehr beeindruckt, wie in Domitians Schlafzimmer zu stehen, das auf dem Palatin-Hügel heute noch existiert", erklärte Darsteller Jojo Macari bei "NBC Insider".
Ideen für eine zweite Staffel
Ob es eine zweite Staffel von "Those About to Die" geben wird, ist noch offen, aber Roland Emmerich hat in Interviews klar gemacht, dass er dafür zu haben wäre. Und sogar verraten, in welche Richtung es gehen könnte: "Ich würde es gerne machen, wie Francis Ford Coppola in 'Der Pate'. Als er den zweiten Teil gemacht hat, hat er auch die Vergangenheit gezeigt", sagte er zu "TV Movie". "Man erfährt also, woher diese Leute kommen. Das wäre für mich sehr interessant." Für die vielen neuen Fans des antiken Roms bestimmt auch.
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01:45h, arte:
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