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Paris

Streit um zwei "trans" Boxerinnen bei Olympia

Zwei Boxerinnen wurden letztes Jahr bei der WM disqualifiziert, weil sie laut dem von Russland kontrollierten Ausrichter "Männer" sein sollen. Das IOC sah das anders. Trans-Hasser*innen machen sich den Fall zunutze.


Die Taiwanerin Lin Yu-ting, hier bei den Asienspielen letzten Oktober in China, darf am Freitag bei den Olympischen Spielen erstmals ran (Bild: IMAGO / Xinhua)

  • 31. Juli 2024, 15:23h 3 Min.

Das Internationale Olympische Komitee hat bestätigt, dass zwei Boxerinnen bei den Sommerspielen in Paris starten dürfen, obwohl sie letztes Jahr wegen eines nicht bestandenen Geschlechtstests bei der Box-WM disqualifiziert worden waren. Dabei handelt es sich um die 25-jährige Imane Khelif aus Algerien und die 28-jährige Lin Yu-ting aus Taiwan. Khelif wird damit am Donnerstag in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm gegen die Italienerin Angela Carini antreten, Lin wird am Freitag in der Gewichtsklasse bis 57 Kilo entweder gegen Marcelat Sakobi aus der Demokratischen Republik Kongo oder Sitori Turdibekowa aus Usbekistan kämpfen.

Hintergrund ist, dass der Boxverband IBA die Sportlerinnen bei der WM in Neu-Delhi letztes Jahr ausgeschlossen hatte. Der russische IBA-Präsident Umar Kremlew hatte damals gegenüber der russischen Propaganda-Agentur Tass behauptet, dass bei Lin und Khelif "XY-Chromosomen" festgestellt worden seien und die beiden deshalb "versucht haben, ihre Konkurrentinnen zu täuschen, indem sie vorgaben, Frauen zu sein".

Instagram / imane_khelif_10 | Imane Khelif war schon bei den Olympischen Spielen in Tokio vor drei Jahren dabei – damals noch ohne Kontroverse
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Die deutsche Presse bezeichnete die Boxerinnen in der aktuellen Berichterstattung als "Transgender-Frauen", allerdings könnte es sich möglicherweise laut dem queeren Portal "Outsports" um intergeschlechtliche Frauen handeln. Zudem könnte es sich um Betrug durch die IBA handeln: Immerhin hatte Khelif letztes Jahr laut der Nachrichtenagentur AFP behauptet, dass die Disqualifikation eine Verschwörung gewesen sei, um zu verhindern, dass eine Boxerin aus Algerien gewinnt.

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IOC schloss Boxverband aus

Die WM letztes Jahr war kontrovers, weil die IBA von russischem Staatsgeld abhängig ist und es auch mehr als umstrittene Entscheidungen der Punkterichter*innen gab. Das Internationale Olympische Komitee schloss die IBA deshalb aus und organisierte die Qualifikationswettbewerbe selbst. Das IOC verbreitete auch eine andere Version als Kremlew zu den beiden umstrittenen Athletinnen: Bei ihnen seien letztes Jahr lediglich höhere Testosteron-Werte festgestellt worden, was zum Zeitpunkt auch medizinische Gründe hätte haben können. Beide Boxerinnen seien "laut ihres Passes Frauen" und hätten alle Teilnahmebedingungen erfüllt, erklärte IOC-Sprecher Mark Adams laut "Bild".

Transphobe Aktivistinnen wie die Amerikanerin Riley Gaines haben die Kontroverse aufgenommen, um die beiden betroffenen Frauen als Gefahr für "echte" Frauen zu attackieren. "Als ob die satanische Aufführung bei der Eröffnungszeremonie nicht genug gewesen ist, verherrlicht die Olympiade jetzt Männer, die Frauen ins Gesicht schlagen, damit diese bewusstlos werden", so die frühere College-Schwimmerin, die jetzt Wahlkampfwerbung für Donald Trump macht. Ihre apokalyptische Vorhersage: "Eine Frau wird sterben." Andere Aktivist*innen schlossen sich mit ähnlich drastischen Worten an und forderten ein generelles Breiten- und Profisportverbot für trans Frauen.



Das IOC hatte im Vorfeld der Pariser Spiele die Regeln für trans Athletinnen verschärft: So verlangt das Internationale Olympische Komitee, dass trans Frauen nur im Frauensport antreten dürfen, wenn sie ihre Geschlechtsanpassung vor ihrem zwölften Lebensjahr vollzogen haben – in vielen Ländern ist dieser Eingriff allerdings in diesem Alter verboten, so dass die Regel einem De-facto-Totalverbot von trans Frauen gleichkommt. LGBTI-Aktivist*innen kritisieren diesen Verbotsansatz als transphob. So habe selbst eine IOC-Studie vom April festgestellt, dass trans Frauen anderen Frauen nicht grundsätzlich im Sport überlegen seien (queer.de berichtete). (cw)

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