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Fünf Männer im Rennen

Vizepräsidentin sucht Vize: Wer mit Harris in den Wahlkampf ziehen könnte

Die neue Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris wird in Kürze ihre Wahl für den Vize-Posten vorstellen. Zu den fünf Favoriten wird auch ein prominenter schwuler Politiker gezählt.


Vizepräsidentin Kamala Harris bei einem Wahlkampfauftritt am Mittwoch im texanischen Houston (Bild: IMAGO / NurPhoto)
  • 1. August 2024, 12:50h 4 Min.

US-Vizepräsidentin Kamala Harris soll bis spätestens Montag von ihrer Demokratischen Partei per elektronischem Votum offiziell zur Präsidentschaftskandidatin gekürt werden. Und bis dahin dürfte sie auch ihren Kandidaten für das Vizepräsidentenamt benannt haben. Denn schon am Dienstag will Harris – so hat sie es angekündigt – mit ihrem "running mate" – bei einer Wahlkampfkundgebung in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania auftreten.

Harris will ihre Vize-Auswahl offenbar unter strategischen Gesichtspunkten treffen. Der Kandidat an ihrer Seite – es wird wohl ein Mann werden – soll ihr also helfen, ein breiteres Spektrum an Wählergruppen zu erreichen und in wahlentscheidenden Schlüsselstaaten – den "swing states" – zu gewinnen. Gehandelt wurden zuletzt vor allem folgende Anwärter:

Josh Shapiro


Gouverneur Josh Shapiro (Bild: Governor Tom Wolf / wikipedia)

Der Gouverneur von Pennsylvania könnte Harris den Sieg in diesem als besonders wichtig geltenden Bundesstaat erleichtern. Der 51-Jährige ist ein starker Redner und gewann die Gouverneurswahl 2022 gegen einen ultrarechten Kandidaten, der von Ex-Präsident Donald Trump unterstützt wurde. Als Generalstaatsanwalt von Pennsylvania war Shapiro zuvor gegen katholische Priester vorgegangen, die tausende Kinder sexuell missbraucht hatten, sowie auch gegen den Pharmahersteller Purdue, der für die Opioidkrise verantwortlich gemacht wird. Bei LGBTI-Rechten gilt Shapiro als Verbündeter. Bei seinem Wahlsieg 2022 erklärte die Human Rights Campaign, die größte LGBTI-Organisation der USA: "Pennsylvania hat einen Gouverneur gewählt, der sich leidenschaftlich für Gerechtigkeit und Gleichbehandlung einsetzt und der alle Menschen mit der ihnen zustehenden Würde und mit Respekt behandeln will."


Mark Kelly


Senator Mark Kelly (Bild: Gage Skidmore / flickr)

Der 60-Jährige vertritt seit Ende 2020 den – ebenfalls für den Ausgang der Präsidentschaftswahl wichtigen – Bundesstaat Arizona im US-Senat. Der frühere Soldat und Astronaut (!) hatte sich in seinem Senatswahlkampf für strengere Waffenkontrollen eingesetzt – auch aus persönlicher Betroffenheit. Seine Frau, die Ex-Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords, entging 2011 nur knapp dem Tod, als ihr ein Attentäter aus nächster Nähe in den Kopf schoss. Kelly könnte gleichwohl konservative Wähler ansprechen, da er eine harte Linie gegen die irreguläre Zuwanderung vertritt. Auch er gilt als queerfreundlich und unterstützte unter anderem den "Respect for Marriage Act", der die gleichgeschlechtliche Ehe schützen soll.


Andy Beshear


Gouverneur Andy Beshear (Bild: Katelyn Newton / wikipedia)

Der Gouverneur von Kentucky stellt eine politische Besonderheit dar – als Demokrat regiert er einen Bundesstaat, der eigentlich eine Bastion der Republikaner ist. Und der 46-Jährige genießt dort hohe Popularität, obwohl er sich für das Recht auf Abtreibung einsetzt. In Kentucky hatte Trump 2020 mit 62 Prozent gewonnen. Es gilt zwar als unwahrscheinlich, dass Beshear diese Präferenz umkehren kann. Aber er könnte Harris Stimmen der weißen Mittel- und Unterschicht im angrenzenden "Rostgürtel" beschaffen – jener Region, die unter dem industriellen Niedergang leidet. LGBTI-Organisationen haben Beshear mehrfach für sein Engagement gelobt. So legte er ein Veto gegen ein vom republikanischen Kongress beschlossenen Gesetz gegen trans Menschen ein.


Tim Walz


Gouverneur Tim Walz (Bild: United States Congress)

Der Gouverneur von Minnesota hat Aufsehen erregt, indem er Trump und dessen Vizekandidaten als "weird" ("merkwürdig", "schräg") bezeichnet. Er gilt als Erfinder dieses Etiketts, das auch Harris seither häufig auf die Rivalen anwendet. Der 60-Jährige gilt als Politiker, der mit seiner einfachen Sprache Zugang zu Wählern ohne akademische Bildung findet. Zugleich vertritt der frühere Nationalgardist, Lehrer und Football-Trainer liberale Positionen zu Abtreibung und Cannabis. Der Mittelweststaat Minnesota zählt zwar nicht zum engeren Kreis der wahlentscheidenden Bundesstaaten, doch könnte Walz womöglich helfen, in "swing states" der Region wie Wisconsin und Michigan zu gewinnen. Auch Walz gilt als engagierter Verfechter von LGBTI-Rechten. Erst im Mai unterzeichnete er ein Gesetz, das es Republikanern erschwert, queere Bücher aus öffentlichen Bibliotheken zu verbannen.


Pete Buttigieg


Bundesverkehrsminister Pete Buttigieg (Bild: Gage Skidmore / wikipedia)

Und dann ist da noch Pete Buttigieg: Der offen schwule Verkehrsminister gilt als eines der großen Talente der Demokraten. Der 42-Jährige ist rhetorisch gewandt und charismatisch. Früher war Buttigieg als Soldat in Afghanistan im Einsatz sowie Bürgermeister der Stadt South Bend in Mittelweststaat Indiana. 2019/2020 bewarb er sich um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten. Dabei unterlag er zwar Joe Biden (queer.de berichtete). Dieser war von Buttigieg aber so beeindruckt, dass er ihn in sein Kabinett holte (queer.de berichtete). In Interviews gilt er als stets kontrolliert und rhetorisch gewieft. Zudem erwähnt er immer wieder ganz nebenbei seinen Ehemann Chasten.

Die Kandidatur als Vizepräsident kommt für Buttigieg aber womöglich zu früh. Es würde viele US-Wähler*innen überfordern, wenn neben einer Präsidentschaftskandidatin mit indisch-afroamerikanischer Identität ein Homosexueller antreten würde, lautet eine weitverbreitete Einschätzung. Allerdings ist der diesjährige Wahlkampf ja schon mehrfach von Überraschungen geprägt gewesen. (AFP/dk)

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