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Fernsehen

Zwischen Eitelkeit und Kunst – TV-Doku über das Selfie

Die kurzweilige TV-Doku "Die Selfie-Story – Vom Selbstporträt zur Ego-Sucht" zeichnet ein umfassendes Bild des Phänomens Selfie und streift verschiedenste kulturelle Facetten.


Szene aus der Doku "Die Selfie-Story – Vom Selbstporträt zur Ego-Sucht" (Bild: Lars Hering / ​ZDF)
  • 2. August 2024, 09:29h 3 Min.

Das schnell geschossene Bild von sich selbst – das sogenannte Selfie – ist seit der Einführung des Smartphones für viele junge Menschen alltäglich und gilt als Phänomen unserer Zeit. Dabei liegt der Ursprung des Selbstporträts weit zurück, wie die Doku "Die Selfie-Story – Vom Selbstporträt zur Ego-Sucht" zeigt, die am Samstag, den 3. August 2024 um 19:20 Uhr bei 3sat zu sehen ist (bereits jetzt in der 3sat-Mediathek).

Albrecht Dürers "Selbstbildnis im Pelzrock" löst im Jahr 1500 die Revolution aus, die sich später zum Massenphänomen entwickelt. Zwar ist es nicht das erste Selbstbildnis eines Künstlers, aber Dürer setzt sich selbst bewusster in Szene als gewohnt. "Wenn wir auf so ein Bild zurückblicken, können wir davon ausgehen, dass Dürer hier auch viel über sich selber mitteilen möchte", erklärt Kurator Gabriel Dette. Der Kunstexperte sieht in Dürers Inschrift eine Parallele zu den Bildunterschriften, wie sie in den sozialen Netzwerken zu finden sind.

Viele Künstler*innen lassen sich von Dürers Werken inspirieren. Im Jahr 1839 schießt Robert Cornelius dann das erste Foto von sich selbst mit einer Kamera. Anfang der 2000er macht der technische Fortschritt das Selbstporträt zur Selbstverständlichkeit – und zu einem Jugendtrend im Internet.

Ein Besuch im "Supercandy Pop-Up Museum"

"Es hat narzisstische, selbstverliebte Züge, deswegen ist nicht eine ganze Generation narzisstisch", sagt Psychologin Ines Imdahl. "Aber den Wunsch, sich quasi mit sich selbst zu beschäftigten, so nach außen zu tragen, auch nach außen zu repräsentieren, der ist schon extrem geworden."

Dass sich daraus auch ein Geschäft machen lässt, zeigt das "Supercandy Pop-Up Museum" in Köln, dem die Doku-Macher*innen einen Besuch abstatten. Ein Ort, der mit seinen künstlichen Kulissen und grellen Farben Selfie-Liebhaber*innen zum Fotos machen einladen soll. Die Gäste hier geben zum Teil an, mehr als 1.000 Selfies mit ihrem Handy gemacht zu haben.

Ein umfassendes Bild des Phänomens Selfie

Während viele dieser Selfies schnell geschossen sein dürften, widmet sich die Doku auch Künstler*innen mit besonderen Ansprüchen an ihre Fotos. Die Fotografin Laura Zalenga nutzt ihre Selbstporträts für eine umweltpolitische Botschaft. "Es ist einfach für mich auch ein großes Thema, dass der Mensch sich in die Natur einfügt und nicht andersherum", sagt sie. In ihren Fotos posiert Zalenga in der Natur, stellt mit ihrem Körper die Verlängerung eines Baumstamms dar oder fügt sich in eine Felsspalte ein.

Auch wenn die kurzweilige Doku in ihren 40 Minuten nicht jeden Aspekt vertiefen kann, gelingt es ihr doch, ein umfassendes Bild des Phänomens Selfie zu zeichnen und verschiedenste kulturelle Facetten zu streifen. (cw/dpa)

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