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Olympia 2024
Angefeindete Boxerinnen erringen Medaillen
Imane Khelif und Lin Yu-Ting wurden in den letzten Tagen von einem transphoben Mob beschuldigt, Männer zu sein. Ihrem sportlichen Erfolg tat dies keinen Abbruch.

Lin Yu-Ting ließ sich von der Kritik des transphoben Mobs nicht beeindrucken (Bild: IMAGO / ABACAPRESS)
- 5. August 2024, 08:58h 3 Min.
Die im Zentrum einer irrational geführten Geschlechter-Debatte stehenden Boxerinnen haben sich Olympia-Medaillen gesichert. Einen Tag nach der Algerierin Imane Khelif zog auch Lin Yu-Ting aus Taiwan ins Halbfinale des Turniers ein. Beide Athletinnen haben damit mindestens Bronze sicher, da es in dieser Sportart bei Olympia keinen Kampf um Platz 3 gibt. Die beiden Sportlerinnen mussten sich seit dem Beginn der Olympischen Spiele gegen eine hauptsächlich aus Transphobie gespeiste Kampagne wehren, dass sie in Wirklichkeit "Männer" seien und betrügen wollten (queer.de berichtete). Das IOC betonte jedoch, dass es keine Anzeichen dafür gebe.
Lin (28) besiegte am Sonntag in ihrem Viertelfinale in der Gewichtsklasse bis 57 Kilogramm die Bulgarin Swetlana Stanewa einstimmig nach Punkten. Stanewas Trainer Borislaw Georgiew zeigte sich hinterher "empört über den Jahrmarkt, der hier veranstaltet wird" – und warf Lin und Khelif vor, Männer zu sein. Seiner Meinung nach sei es "vorbestimmt", dass Lin und Khelif Olympiasiegerinnen werden sollen. In der Interview-Zone hielt er laut bulgarischen Medien ein Blatt Papier in den Händen mit der Aufschrift: "Ich bin XX! Rettet den Frauensport!" Frauen haben typischerweise zwei X-Chromosomen (XX), Männer in den meisten Fällen ein X- und ein Y-Chromosom (XY).
Khelif brach in Tränen aus
Noch emotionalere Szenen hatten sich nach Khelifs Halbfinaleinzug am Samstag in der Boxhalle abgespielt. Beim einstimmigen Punktsieg gegen die Ungarin Anna Luca Hamori war die Weltergewichtlerin von zahlreichen algerischen Fans in der Halle bejubelt worden. Nach der Urteilsverkündung hatte die 25-Jährige ihre Hand mit voller Wucht auf den Ringboden geschlagen, salutiert und war in Tränen ausgebrochen.
"Dies ist eine Frage der Würde und Ehre für jede Frau", sagte Khelif bei beIN Sports. Ihr sei Unrecht getan worden, "aber ich habe Gott. Allah Akbar". Danach wurde sie in einer algerischen Landesflagge eingehüllt von Betreuern in die Kabine gebracht. Hunderte Medienvertreter*innen warteten vergeblich auf Aussagen der Athletin. Am Dienstag kämpft Khelif im Halbfinale um den Einzug ins Finale und die Chance auf den Olympiasieg.
Nach Khelifs Auftaktsieg nach nur 46 Sekunden durch technischen K.o. gegen die Italienerin Angela Carini war das Startrecht für die Algerierin und für Lin von einigen Seiten – darunter auch rechtspopulistischen Politiker*innen wie Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump – infrage gestellt worden. Beide Boxerinnen waren nach bislang nicht näher erklärten Tests vom Verband IBA, der vom Internationalen Olympischen Komitee nicht mehr anerkannt wird, ausgeschlossen worden. Beide hätten laut IBA die erforderlichen Teilnahmekriterien nicht erfüllt und "im Vergleich zu anderen weiblichen Teilnehmern Wettbewerbsvorteile" gehabt. Der Verband IBA ist allerdings laut Expert*innen nur wenig glaubwürdig: Dort habe es jahrelang Korruption gegeben, außerdem wird er von Russland finanziert und von einem Putin-Getreuen angeführt, der sich offenbar mit Falschmeldungen für den Olympia-Ausschluss seines Landes rächen will.
IOC-Chef warnt vor "Kulturkrieg"
Das IOC nannte den IBA-Ausschluss eine "willkürliche Entscheidung ohne ordnungsgemäßes Verfahren" und ließ Lin und Khelif in Paris teilnehmen. "Es gab nie Zweifel, dass sie Frauen sind", bekräftigte IOC-Präsident Thomas Bach erneut. Das IOC warnte vor einem "Kulturkrieg", der auf dem Rücken der Athletinnen ausgetragen werde.
Lin und Khelif wurden im Internet angefeindet, Lin meidet nach eigener Aussage die sozialen Medien. Sie erhielten aber auch Rückendeckung. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch und ILGA World unterstützten die beiden Athletinnen. Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune gratulierte Khelif bei der Online-Plattform X (vormals Twitter): "Sie haben Algerien, die algerischen Frauen und das algerische Boxen geehrt. Wir werden an ihrer Seite stehen, egal, wie ihre Ergebnisse ausfallen."
– Abdelmadjid Tebboune (@TebbouneAmadjid) August 3, 2024/ TebbouneAmadjid
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Auch Khelifs Mutter Irene reagierte mit Stolz darauf, dass ihre Tochter dem enormen Druck standgehalten habe. "Sie ist mutig, trotz rassistischer und sexistischer Angriffe, die sie brechen sollen", sagte sie laut Nachrichtenagentur AP im algerischen Fernsehen. (dpa/cw)















