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Streaming-Tipp
Adiós, "Elite"!
Mit einer achten und besonders queeren Staffel verabschiedet sich die spanische Teenie-Soap "Elite" von ihrem Netflix-Publikum. Ihre besten Zeiten hat sie schon länger hinter sich, aber die bewährte Formel aus Sex, Crime und Drama funktioniert auch noch ein letztes Mal nicht schlecht.

Eine Serie fürs schwule Auge: Joel (Fernando Líndez, li.) und Héctor (Nuno Gallego) in der achten Staffel von "Elite" (Bild: Matías Uris / Netflix)
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6. August 2024, 04:03h 4 Min.
Auf Englisch gibt's den schönen Ausdruck "guilty pleasure watching". Man schaut etwas, obwohl es eigentlich nicht besonders gut ist, weil man einfach nicht widerstehen kann – und fühlt sich danach vielleicht ein bisschen schuldig, seine Zeit damit verschwendet zu haben. Macht es aber sofort wieder, wenn dann die Fortsetzung kommt.
Genau das traf auf "Elite" zu, jedenfalls für die letzten paar Staffeln der spanischen Drama-Soap rund um die exklusive Privatschule Las Encinas und ihre mehrheitlich hochattraktiven Schüler*innen. Es war die immer gleiche Formel in leicht abgewandelten Variationen: ein neuer rätselhafter Mord zu Beginn, die Ereignisse, die dazu führten, angereichert durch alle nur erdenklichen Teenie-Dramen. Und in der letzten Folge dann die große Enthüllung des Täters oder der Täterin.
Schon immer äußerst queerfreundlich
Vom ursprünglichen Cast aus der ersten Staffel von 2018 ist kaum noch jemand übrig, aber das Reservoir an attraktiven jungen Darsteller*innen scheint unerschöpflich, und mit neuen Figuren kamen neue Beziehungskonstellationen und Dramen.
Dabei war "Elite" immer ausgesprochen queerfreundlich; entsprechende Handlungsstränge wurden im Laufe der Serie sogar eher ausgebaut. Und unter der Oberfläche von Sex, Crime und schönem Schein schwangen auch soziale Botschaften mit, wenn man sie denn wahrnehmen wollte. Von den muslimischen Eltern, die über die Jahre lernten, ihren schwulen Sohn zu akzeptieren, über die missliche Situation von illegalen Einwanderer*innen bis zur ewigen Diskrepanz an der Schule zwischen den arroganten Sprösslingen wohlhabender Familien und den Stipendiat*innen, die sich nur mit Ach und Krach durchschlugen.

Joel (Fernando Líndez) und Iván (André Lamoglia) in der achten Staffel (Bild: Matías Uris / Netflix)
Am Ende jedoch lebte die Serie von ihren Beziehungsdramen, den Mordmysterien und von reichlich junger nackter Haut. Besonders viel davon zeigt in der achten Staffel Joel, der in der vorherigen Staffel neu hinzugekommen war. Er ist in den acht Episoden vermutlich häufiger aus- als angezogen zu sehen. Und schon nach wenigen Minuten der ersten Folge ist klar: Joel ist das Mordopfer der letzten Staffel. Doch wer würde diesen attraktiven, freundlichen Jungen umbringen wollen?
Schwule Liebesdramen im Zentrum der letzten Staffel
Wie immer gibt es einige Verdächtige. Joel ist der Ex-Freund von Omar (den wir schon aus den Anfängen der Serie kennen und dessen Darsteller nach einer Pause in der siebten Staffel zurückkehrte). Diesen hatte er in der letzten Staffel für Iván verlassen (der wiederum von seinem Freund verlassen wurde, weil dessen Darsteller aus der Serie ausstieg). Doch auch da kriselt es bereits, umso mehr auch Héctor den schönen Joel eifrig umwirbt und dabei mit Geld und Ansehen lockt.
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Héctor und seine Schwester (beides neue Figuren) leiten nämlich den Alumni-Club von Las Encinas und führen an der Schule einen Wettbewerb durch, wer das Zeug hat, Teil der exklusiven, bestens vernetzten Organisation zu werden. Für Joel, der aus bescheidenen Verhältnissen stammt und sich das Schulgeld nur dank Iván leisten kann, ein verführerisches Angebot. Héctors Preis jedoch ist klar: Er will Joel für sich – sehr zum Ärger nicht nur von Iván, sondern auch von Héctors Schwester, die eine fast schon inzestuöse Neigung ihrem Bruder gegenüber zu haben scheint.
Daneben gibt's wie immer noch zahllose weitere Figuren und Dramen, aber Joel und seine Männergeschichten stehen ganz klar im Zentrum der letzten "Elite"-Staffel. Vielleicht ein Abschiedsgeschenk an die vielen schwulen Fans der Serie.
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Grenzen ausgeweitet
Dass einem dieser Abschied am Ende nicht allzu schwerfällt, liegt auch am Gefühl, dass "Elite" nun doch langsam die Ideen ausgegangen sind. Schon seit ein paar Staffeln gibt es leicht variiert immer nur noch mehr vom Gleichen, die Formel hat sich ausgereizt.
Bezüglich queerer Repräsentation und sexuell expliziter Szenen jedoch hat die Serie durchaus ein paar Pflöcke eingeschlagen und damit vielleicht sogar Grenzen ausgeweitet, was in der progressiven TV-Unterhaltung möglich ist. Inzwischen gibt es sogar akademische Studien zu den queeren Aspekten der Reihe (etwa "A Semiotic Analysis of Male Same-Sex Intimacy in the Netflix Show Elite"). Was illustriert, dass "Elite" zumindest für einen Teil des Publikums vielleicht doch mehr war als nur "guilty pleasure watching".
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