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Olympische Spiele

Schneller, höher, stärker – bunter? So queer ist Olympia

Die LGBTI-Community wächst auch bei den Olympischen Spielen. Das Sportevent kann laut Expert*innen helfen, mehr Akzeptanz für queere Menschen zu schaffen. Ein Star hat bereits viel bewegt.


Der schwule Synchronspringer Tom Daley bei den Olympischen Spielen in Paris (Bild: IMAGO / Colorsport)
  • 6. August 2024, 05:31h 4 Min.

Wenn Tom Daley auf den Turm steigt, geht ein Raunen durchs Publikum. Wenn er aus zehn Metern nach mehrfachen Salti und Schrauben fast ohne Spritzer ins Wasser taucht, brandet ohrenbetäubender Jubel auf. Wenn er als Tribünengast während des Wettkampfs strickt, fangen ihn alle Kameras ein. Der britische Wassersprungstar ist einer der populärsten Olympiastarter von Paris – und das nicht nur in der queeren Community. Doch das war nicht immer so.

Als Junge habe er sich "als Außenseiter" gefühlt, sagte der Olympiasieger von Tokio einmal: "Ich hatte das Gefühl, dass ich nie etwas erreichen würde, weil ich nicht das war, was die Gesellschaft von mir wollte." Doch Daley, der 2013 die Liebesbeziehung zu seinem heutigen Mann öffentlich bekannt gab, hat sich mit seinem Coming-out von diesen Fesseln befreit.

Auch in Paris zeigte sich der Silbermedaillengewinner im Turm-Synchronspringen offen mit seinem Mann und den zwei gemeinsamen Kindern. Generell hoffe er, dass die Auftritte von queeren Athlet*innen bei Olympia "jungen Kindern Selbstvertrauen geben und dafür sorgen, dass sie sich nicht so verängstigt und allein fühlen", sagte Daley einmal. Menschen. Das Pluszeichen ist Platzhalter für weitere Identitäten und Geschlechter.

Olympia als perfekte Plattform?

Aber ist Olympia dafür wirklich die richtige Bühne? Ja, findet der deutsche Judoka Timo Cavelius, der ebenfalls offen mit seiner Homosexualität umgeht. "Es wird ja meistens von oben nach unten getragen. Man trägt aus dem Leistungsport in den Breitensport, dass gay sein okay ist", hatte der Olympiastarter kurz vor den Sommerspielen der Deutschen Presse-Agentur gesagt (queer.de berichtete). Alle aus der LGBTI-Community seien aus Leistungsgründen in Paris am Start, aber es sei ein "wunderbarer Nebeneffekt, dass die Homosexualität und die gleichgeschlechtliche Liebe nach Außen hin transportiert wird".

Auch Julia Monro vom Lesben und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) sieht in den Spielen die Chance für eine größere Akzeptanz queerer Menschen. "Was die sexuelle Orientierung betrifft, da bietet der Sport eine gute Plattform", sagte das LSVD-Bundesvorstandsmitglied der dpa, "um für Sichtbarkeit einzustehen und um darauf aufmerksam zu machen, wie es zum Beispiel im eigenen Land aussieht" (queer.de berichtete).

Boxerin Cindy Ngamba zum Beispiel müsste um ihre Sicherheit fürchten, wenn sie in ihr Geburtsland Kamerun zurückkehren müsste. Dort steht Homosexualität unter Strafe. "Das ist nicht nur in Kamerun so, es passiert in vielen anderen Ländern, wo Menschenleben in Gefahr sind, nur weil sie homosexuell sind", sagte die in Großbritannien lebende Athletin aus dem IOC-Flüchtlingsteam bei "Eurosport" (queer.de berichtete).

In Paris haben Menschen wie Ngamba nichts zu befürchten. Die Eröffnungsfeier, bei der Dragqueens und ein trans Model zum Ärger von katholischen Kirchenvertretern und rechtskonservativen Politiker*innen auftraten, wurde innerhalb der LGBTI-Community gefeiert. Das Pride House, das seit den Winterspielen 2010 einen "sicheren und inklusiven Ort" für queer Menschen bei den Spielen anbietet, dient auch in Paris als Begegnungsstätte.

Dating-App schränkt Nutzung im Athlet*innen-Dorf ein

Im olympischen Dorf mache er sich ohnehin "keine Gedanken, weil ich weiß, dass die anderen Leuten und die anderen Nationen das akzeptieren und auch gar kein Problem damit haben", sagte Cavelius. Hasskommentare im Netz erlebe er zwar auch, aber es überwiegen die "positiven Kommentare" von Leuten, die es gut fänden, "wie ich vor allem mit dieser Thematik umgehe".

Offen mit ihrer Homosexualität gehen neben Daley und Cavelius unter anderem auch die deutsche Fußballerin Lea Schüller und US-Basketballerin Brittney Griner um. Damit Athlet*innen im Olympischen Dorf nicht gegen ihren Willen ein Outing erleben, hat die Dating-App Grindr, die vor allem von schwulen und bisexuellen Männern genutzt wird, manche ihrer standortbasierten Funktionen dort deaktiviert oder eingeschränkt.

Julia Monro vom LSVD bezieht sich auf einen Bericht des US-Onlinesportmagazins "Outsports", das über queere Themen im Amateur- und Profisport berichtet. Demnach sollen in Paris mindestens 193 der rund 10.500 Athlet*innen offen der LGBTI-Community angehören (queer.de berichtete). So viele wie angeblich noch nie – aber: "Wenn man das als Quote runterrechnet, dann sind wir bei unter zwei Prozent. Das ist lange nicht die Repräsentanz, die diese Menschen eigentlich in der Gesellschaft haben", sagte Monro: "Da gibt es schon noch Luft nach oben und zeigt auch deutlich, wie viele sich bis heute nicht trauen, in dieser Sache zu sich zu stehen."

Wann darf eine trans Person starten?

Für trans Menschen sei es zudem im Leistungssport "immer noch schwierig", meinte Monro, "weil sie das binäre System ins Wanken bringen". Laut IOC-Leitlinien solle niemand wegen seiner trans Identität vom Sport ausgeschlossen werden, solange ein fairer und sicherer Wettkampf gewährleistet werden könne. Unter welchen Bedingungen eine trans Person am Wettkampf teilnehmen darf, obliegt den Fachverbänden. Die Regeln seien aber mitunter so gestaltet, dass sie "de facto schon einen Bann" vor allem für trans Frauen schaffen, kritisierte Monro: "Da muss das IOC auf jeden Fall noch nachbessern." (cw/dpa)

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