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Österreich
Abgesagte Swift-Konzerte: Mehr Einzelheiten über Terrorverdächtige
Die österreichischen Behörden teilen weitere Details zum geplanten Terroranschlag in Wien mit.

Der geplante Terroranschlag war weltweit ein großes Thema, auch in den US-Nachrichtensendungen (Bild: Screenshot NBC)
- 9. August 2024, 08:22h 4 Min.
Update 12:50h: Polizei meldet dritte Festnahme
Gegen die beiden festgenommenen Terrorverdächtigen in Wien wird wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und krimineller Organisation ermittelt. Ihnen werde Verbindung mit dem Terrornetzwerk Islamischer Staat (IS) vorgeworfen sowie deren Ziele und Absichten vertreten zu haben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der österreichischen Nachrichtenagentur APA.
Der 19-Jährige wollte nach den Ermittlungen einen Anschlag vor dem Stadion verüben, in dem US-Superstar Taylor Swift vor mehr als 60.000 Zuschauer*innen auftreten sollte. Ihre drei Wiener Konzerte diese Woche wurden aus Sicherheitsgründen abgesagt (queer.de berichtete). Zehntausende Swift-Fans waren tief enttäuscht. Nach weiteren Verdächtigen fahndete die Polizei aber nicht.
Der zweite Festgenommene ist 17 Jahre alt. Er war als Bühnen- und Gerüstbauer im Stadion des Swift-Konzerts tätig. Dort wurde er auch festgenommen. Er ist mit dem 19-Jährigen befreundet.
Pläne weit fortgeschritten
Die Pläne des 19-Jährigen seien fortgeschritten gewesen, hieß es. Bei ihm wurden am Mittwoch Anleitungen zum Bombenbauen sowie zwölfprozentiges Wasserstoffperoxid gefunden, aus dem zusammen mit anderen Chemikalien hochexplosiver Flüssigsprengstoff hergestellt werden kann. Er hatte bei einem Chemieunternehmen gearbeitet. Sichergestellt wurden auch Zündmittel, Zündkabel und Zündvorrichtungen, Messer, Macheten und 21.000 Euro Falschgeld.
Während der 19-Jährige nach Polizeiangaben bei der Vernehmung sagte, er wollte vor dem Stadion mit einem Sprengsatz sowie Hieb- und Stichwaffen möglichst viele Menschen töten, sagte der Anwalt des 17-Jährigen, der Teenager habe nichts mit Anschlagsplänen zu tun gehabt. Er habe nichts von der Radikalisierung seines Freundes mitbekommen, sagte Verteidiger Nikolas Rast der APA.
15-Jähriger nach Zeugenaussage wieder auf freiem Fuß
Allerdings soll die Polizei bei ihm Propagandamaterial für den IS und die Terrororganisation Al-Kaida gefunden haben. Zudem besuchte er nach ersten Ermittlungen eine Moschee, in der islamistische Inhalte vertreten wurden. Ein 15-Jähriger sei als Zeuge befragt und nicht festgenommen worden. Er soll den 19-Jährigen belastet haben.
Wien tröstet "Swifties" mit Angeboten
Die Stadt Wien wollte unterdessen den angereisten Fans von Taylor Swift über die Konzert-Absagen etwas hinwegzutrösten. Wer ein Ticket vorzeigt, kann bei einem Edel-Burger-Laden einen Hamburger bekommen – gratis. Einige Lokale bieten den "Swifties" außerdem kostenlose Getränke an. Eine Kaffee-Kette schließt sich an und schenkt einen Gratis-Kaffee aus. Wer sich für Kultur interessiert, kann mit dem Swift-Ticket umsonst in die berühmte Sammlung der Albertina. Ein Vintage-Store bietet 20 Prozent Rabatt auf die dort angebotene Secondhand-Ware. Auch die Wiener Bäder haben ein Angebot parat: Jede und jeder mit einer Eintrittskarte für die abgesagten Konzerte kann am Freitag, Samstag und Sonntag für 2,60 Euro – das ist der günstigste Tarif – ein Freibad der Stadt Wien besuchen.
Ohnehin lassen sich nicht alle den Spaß an der Zusammenkunft Gleichgesinnter verderben. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie sich Hunderte von Swift-Fans am Wiener Stephansdom versammelten, um gemeinsam einige Songs des amerikanischen Mega-Stars zu singen.
Keine erhöhte Terrorgefahr für Adele-Konzert in München
Nach dem verhinderten Terroranschlag in Wien sieht die Polizei in München keine erhöhte Gefahr für die anstehenden Großkonzerte von Adele. "Das fließt natürlich in unsere Lagebewertung mit ein. Wir prüfen das fortlaufend, und wenn sich etwas Konkretes ergibt, werden wir natürlich darauf reagieren", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Doch eine konkrete Gefahr liege aktuell nicht vor.
"Wir sind sowieso mit ausreichend Polizeikräften vor Ort", ergänzte der Sprecher. Denn: "Aufgrund der weltpolitischen Lage haben wir schon seit längerer Zeit eine erhöhte abstrakte Gefährdung besonders bei Großereignissen und Veranstaltungen."
In der bayerischen Landeshauptstadt gibt die britische Popsängerin Adele im August insgesamt zehn Konzerte in einem eigens für sie konzipierten Pop-up-Stadion mit 73.000 Plätzen. Die nächsten Shows sind für diesen Freitag und Samstag geplant. (dpa/cw)
Update 12:50h: Polizei meldet dritte Festnahme
Nach der Absage der Taylor-Swift-Konzerte in Wien ist eine weitere Person festgenommen worden. Es handle sich um einen 18 Jahre alten Mann aus dem Irak, sagte der österreichische Innenminister Gerhard Karner. Der Verdächtige habe einen Treueschwur auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) abgelegt und sei im Umfeld des 19-jährigen Hauptverdächtigen unterwegs gewesen. Eine direkte Beteiligung an den Anschlagsplänen stehe aber nicht im Raum, hieß es. Die beiden jungen Männer sollen sich eher flüchtig gekannt haben als eng befreundet gewesen sein.
Unterdessen ist von der Staatsanwaltschaft gegen die beiden bereits am Mittwoch festgenommenen Terrorverdächtigen Untersuchungshaft beantragt worden. Das Landgericht Wiener Neustadt will voraussichtlich am Nachmittag über eine Verhängung der U-Haft entscheiden. (dpa)















