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Bautzen

Verfolgt von Neonazis: Das war Deutschlands mutigster CSD

Zum zweiten Christopher Street Day im sächsischen Bautzen reisten rund 700 Rechtsextreme aus ganz Deutschland an – und liefen nur wenige hundert Meter hinter der bunten Demonstration mit über 1.000 Teilnehmer*innen her.


Die Rechtsextremen sorgten für eine konstante, hasserfüllte Geräuschkulisse im Hintergrund (Bild: Flora Lukas)
  • Von Flora Lukas und Jonas Venediger
    12. August 2024, 04:32h 3 Min.

Am Samstag fand der zweite Christopher Street Day in Bautzen mit mehr als tausend Teilnehmer*­innen statt. Der Demonstrationszug wurde von zahlreichen Einsatzkräften der Polizei sowie mit Polizeihunden begleitet (queer.de berichtete).

Grund dafür war das akute Bedrohungsszenario, das sich aus einem angemeldeten Gegenprotest und rechter Mobilisation aus dem ganzen Bundesgebiet ergab. Bereits am Freitag sagten die Veranstalter*­innen die Aftershowparty aufgrund von Sicherheits­bedenken ab (queer.de berichtete). "Wir können dafür keine Verantwortung tragen und haben aktuell nicht die nötigen Ressourcen, um diese Veranstaltung entsprechend abzusichern und zu schützen", hatte CSD-Mitorganisator Jonas Löschau der "Freien Presse" mit Blick auf die geplanten Demonstrationen rechter Gruppen gesagt.

Die Neonazis skandierten menschenfeindliche Parolen

Während des gesamten CSDs lief der Gegenprotest unter dem Motto "Gegen Gender-Propaganda und Identitätsverwirrungen!!!" wenige hundert Meter hinter der bunten Demonstration her. Mit schwarz-weiß-roten "Reichsflaggen", queerfeindlichen Bannern und Parolen sorgten die Rechtsextremen für eine konstante, hasserfüllte Geräuschkulisse im Hintergrund. "Man wurde die ganze Zeit daran erinnert, dass es viele Menschen gibt, die nicht wollen, dass Bautzen ein sicherer Ort für offensichtlich queere Menschen ist", meinte Maxie, eine der CSD-Teilnehmer*innen.


Die Polizei schützte die CSD-Teilnehmer*innen vor dem rechtsextremen Mob (Bild: Flora Lukas)

Nach Angaben der Polizei reisten rund 700 Rechtsextreme aus ganz Deutschland an, um den CSD zu stören. Ein junger Mann mit einem Megafon verkündete lautstark, die "Homopropaganda" und den "Abschaum, der durch unsere Straßen läuft", nicht dulden zu wollen. Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es nicht, auch wenn die Stimmung auf der Demonstration teils angespannt war, als rechte Medienaktivisten versuchten, sich unter den Aufzug zu mischen und zu filmen.


Wenig Vielfalt bei der rechtsextremen Gegendemo (Bild: Flora Lukas)


Immer wieder skandierten Neonazis menschenfeindliche Parolen, sangen das "Sylt-Lied" und beleidigten die CSD-Teilnehmer*innen. Die Polizei teilte in Ihrer Pressemitteilung mit, 14 Strafverfahren und sieben Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet zu haben, unter anderem wegen Volksverhetzung und Körperverletzung. Im Zuge des Versammlungsgeschehens in Bautzen habe die Polizei ebenfalls 16 Platzverweise an Gegendemonstrant*innen ausgesprochen.

Trotz Bedrohung wurde getanzt und gefeiert

Mit dem Christopher Street Day soll die Sichtbarkeit queerer Menschen verstärkt werden und sie ermutigen, gerade in der rechten Hochburg Bautzen öffentlich aufzutreten und den Rechten nicht den öffentlichen Raum zu überlassen. Doch einmal mehr zeigte sich, wie unsicher und gefährlich es für queere Menschen noch immer in kleinen Städten und dem ländlichen Raum ist.


Die Teilnehmer*innen der CSD-Demonstration waren in der Mehrheit(Bild: Flora Lukas)

Die Organisator*innen wollen sich davon allerdings nicht einschüchtern lassen. Jonas Löschau, der Versammlungsleiter des CSD Bautzen, schrieb am Samstag nach dem CSD: "Die Bilder der gröhlenden Nazimenge schaue ich mir dann morgen an. Heute freue ich mich über ein unglaubliches Zeichen, dass wir gemeinsam mit 1000 tollen Menschen in und für Bautzen gesetzt haben."

/ JLoeschau
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Trotz den Einschüchterungsversuchen der Rechtsextremen ließen es ich die Demonstrant*innen an den Zwischenkundgebungsorten nicht nehmen, zu feiern und zu tanzen. Hierfür wurde ein DJ aus Dresden organisiert, der auf einem Autoanhänger auflegte. Mit unzähligen Flaggen, Schildern, Glitzern und Bannern machte die queere Community Bautzen ein Stück bunter, unberührt von der rechtsextremen Bedrohung.

-w-