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Oper

Jetzt wird auch der "Freischütz" ein bisschen queer

Der romantische "Freischütz" von Carl Maria von Weber gehört zu den populärsten Opern deutscher Sprache. Auf der Seebühne von Bregenz gibt's nun erstmals ein lesbisches Ännchen – derweil Samiel mit dem liebeskranken Max flirtet. Das ZDF zeigt eine Aufzeichnung!


Steht auch auf Männer: Samiel in der Inszenierung von "Der Freischütz" bei den Bregenzer Festspielen (Bild: Bregenzer Festspiele / Anja Köhler)

Das surreal pompöse Bühnenbild auf der Bühne im Bodensee wirkt wie aus einem Film von Tim Burton. Der Berliner Regisseur Philipp Stölzl haut bei seiner "Freischütz"-Inszenierung bei den Bregenzer Festspielen nicht nur visuell ziemlich auf die Pauke, er gibt dem Romantik-Klassiker zudem einen queeren Anstrich.

Da nutzt der teuflische Samiel ganz unverhohlen seine Flirt-Chancen beim ahnungslosen Max, als der von seiner geliebten Agathe versetzt wird. In die wiederum ist auch deren beste Freundin Ännchen ziemlich heftig verknallt. Die schwangere (!) Heldin ziert sich da nicht lange. Spontan plant das Lady-Duo eine gemeinsame Flucht in die Schweiz. Zuvor gibt's auf offener Bühne noch einen ebenso leidenschaftlichen wie langen Kuss.

Neue Queerness im überromantischen Grusel-Klassiker

Mit angenehmer Lässigkeit präsentiert Stölzl die neue Queerness im überromantischen Grusel-Klassiker um Liebe, Schuld und Vergebung. Sogar für planschende Badenixen wie aus einem uralten Hollywood-Musical ist am Bodensee noch Platz.


Ännchen hat am Bodensee ihr Coming-out (Bild: Bregenzer Festspiele / Daniel Ammann)


Der kreative Macher, Sohn des einstigen Berliner Kultursenators Christoph Stölzl, war schon oft für einfallsreiche Überraschungen gut. Anno 1994 brachte er mit der schwulen Ikone Rio Reiser das Rockmusical "Knock out Deutschland" auf die Bühne oder drehte für Madonna das Musikvideo "American Pie". Im Kino inszenierte er mit dem jungen Elyas M'Barek den "Medicus" oder die Verfilmung des Udo-Jürgens-Musicals "Ich war noch niemals in New York". Auch für den Titelsong von Garbage zum James-Bond-Film "Die Welt ist nicht genug" fand der Regisseur die passenden Bilder.

Opern-Aufzeichnung bereits in der ZDF-Mediathek

Bei 007 schließt sich der kreative Kreis. Denn der queere "Freischütz" schmachtet just auf jener pompösen Seebühne in Bregenz, in der Daniel Craig anno 2007 in "Quantum of Solace" auf spektakuläre Action-Jagd nach den bösen Buben ging. Ganze siebenhalb Minuten dauerte die Hatz im Smoking und verschaffte der Bühne auf dem Bodensee weltweite Bekanntheit.

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Wer selbst ein bisschen 007-Kulissenatmosphäre in der 7.000-Plätze-Arena atmen möchte, braucht Glück. Das Stück läuft nur noch bis zum Sonntag (18. August), nur ganz wenige Restkarten sind offiziell noch zu haben. Die gute Nachricht jedoch: In der ZDF-Mediathek ist das zweistündige Stück bereits jetzt in gesamter Länge abrufbar, und das sogar mit Untertiteln. Am Freitag, den 16. August 2024 ist die Oper um 23:15 Uhr zudem analog im ZDF zu erleben.

Philipp Stölzl wendet sich derweil wieder dem Kino zu. Er plant eine Fortsetzung des "Medicus", wiederum mit Tom Payne. Kinostart ist an Weihnachten 2025.

-w-