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Statistisches Bundesamt

Adoptions-Statistik zeigt Diskriminierung gleich­geschlechtlicher Paare

Mehr als ein Drittel der Adoptionen erfolgt aus gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Der Grund für die hohe Zahl ist allerdings, dass lesbische Eheleute hierzulande nach wie vor diskriminiert werden.


In Deutschland haben letztes Jahr mehr als 3.600 Kinder neue Eltern gefunden (Bild: Dino Olivieri / flickr)

  • 14. August 2024, 10:59h 3 Min.

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 3.601 Kinder adoptiert worden. Damit ging die Zahl im Vorjahresvergleich um sechs Prozent zurück, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mitteilte. Insgesamt bezifferten die Statistiker*innen die Zahl der Adoptionen, die von Mitgliedern einer gleichgeschlechtlichen Beziehung durchgeführt wurde, auf mehr als ein Drittel.

Weiter teilte die Behörde mit, dass die Zahl der Adoptionen auf den bislang tiefsten Stand seit der deutschen Wiedervereinigung gesunken sei, allerdings habe der Anteil der Stiefkindadoptionen einen neuen Höchststand erreicht. So wurden fast drei Viertel aller adoptierten Kinder (73 Prozent) von Stiefmüttern oder Stiefvätern adoptiert.

Stiefmütter aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften machen ein Drittel der Adoptionen aus

Stiefmütter hätten demnach etwas häufiger Kinder angenommen (40 Prozent) als Stiefväter (33 Prozent). Der Grund für dieses Ergebnis seien lesbische Frauen: Bei den Adoptionen durch Stiefmütter handelte es sich in mehr als drei Vierteln der Fälle (78 Prozent) um Frauen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, die keine Angaben zum Kindsvater gemacht hätten. Sie machen als insgesamt fast ein Drittel aller Adoptionen in Deutschland aus. Würden lesbische Frauen gleichbehandelt wie Heterosexuelle, würden dieses Drittel aus der Adoptionsstatistik verschwinden. Wie die Daten weiter zeigten, adoptierten Stiefväter am häufigsten Teenager*innen, während Stiefmütter vor allem Kleinkinder annahmen.

Hintergrund ist, dass nach aktueller Gesetzeslage gleichgeschlechtliche Paare gegenüber verschiedengeschlechtlichen diskriminiert werden: Wenn ein lesbisches Ehepaar gemeinsam ein Kind bekommt, muss derzeit die Frau, die das Kind nicht ausgetragen hat, dieses nach der Geburt adoptieren, also eine Stiefkindadoption durchführen. Dies ist ein langwieriger und teurer Prozess – sollte die Geburtsmutter vor der Anerkennung sterben, stünde das Kind ohne ein Elternteil da. In einer heterosexuellen Ehe wird der Mann hingegen automatisch als Vater anerkannt, egal, ob er das Kind gezeugt hat oder nicht. Die Ampel-Regierung will diese Diskriminierung eigentlich beenden, allerdings hat das Kabinett 13 Monate vor dem Ende der Legislaturperiode noch immer keinen Gesetzentwurf verabschiedet.

Drei Prozent der Adoptionen durch gleichgeschlechtliche Paare

Rund jedes vierte Adoptivkind (24 Prozent) wurde laut dem Statistischen Bundesamt letztes Jahr gemeinsam von einem Paar angenommen. Insgesamt handelte es sich in 21 Prozent aller Fälle um ein verschieden- und in drei Prozent um ein gleichgeschlechtliches Paar. Bei den gleichgeschlechtlichen Paaren waren zwei Drittel männlich und ein Drittel weiblich. Während die rein männlichen Paare etwas häufiger Jungen als Mädchen adoptiert hatten (Jungenanteil: 57 Prozent), war es bei den rein weiblichen Paaren umgekehrt (Mädchenanteil: 58 Prozent).

Der Statistik zufolge schloss die Adoption in nur drei Prozent der Fälle an eine anonyme Geburt oder die Abgabe über eine Babyklappe und in zwei Prozent an einen Heimaufenthalt an. Zudem besaßen demnach insgesamt acht Prozent der Kinder vor der Adoption keinen deutschen Pass.

Trotz der Entwicklungen rund um die Stiefkindadoptionen liege die Gesamtzahl der Adoptionen seit 15 Jahren relativ stabil auf niedrigem Niveau, erklärten die Statistiker*innen. "Ein Grund dafür ist der Rückgang der 'klassischen' Fremdadoptionen, also der Adoptionen durch Personen, die weder Stiefeltern noch Verwandte des Kindes sind", hieß es. Gründe dafür sehen Expert*innen unter anderem in den Fortschritten in der Reproduktionsmedizin. (dpa/cw)

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