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Putin-Regime fühlt sich sicher
"Russland muss mit seinen traditionellen Werten keine Angst vor Mpox haben"
Russland ist nach Ansicht der Chefin einer Gesundheitsbehörde sicher vor Mpox, weil dort queere Menschen unterdrückt werden.

Anna Popowa bei einer Audienz bei Präsident Wladimir Putin (Bild: IMAGO / ZUMA Press Wire)
- 20. August 2024, 09:42h 2 Min.
Anna Popowa, die Chefin der russischen Gesundheitsschutzbehörde Rospotrebnadsor, sieht keine Gefahr vor Mpox, da ihr Heimatland im Gegensatz zu anderen Staaten "traditionelle Werte" habe: "Wenn man bedenkt, wie sich Mpox verbreitet, bin ich absolut sicher, dass Russland mit seinen traditionellen Werten keine Angst vor der Epidemie haben muss", so Popowa laut einem Video, das am Montag vom russischen Telegram-Channel Shot veröffentlicht wurde. Nach Angaben von Popowa gebe es "kein Risiko", dass sich die Infektionskrankheit in Russland ausbreitet.
Mit "traditionellen Werten" meint Popowa, dass Russ*innen nicht der LGBTI-Community angehörten. Zuletzt ging das Regime schärfer gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten vor. Das 2013 beschlossene Gesetz gegen "Homo-Propaganda" umfasst inzwischen auch das Thema Transgeschlechtlichkeit und Erwähnungen gegenüber Erwachsenen (queer.de berichtete). Im Frühjahr wurde die "internationale Gay-Bewegung" zur Liste extremistischer und terroristischer Organisationen hinzugefügt und verboten (queer.de berichtete).
WHO schlägt Alarm
Erst vergangene Woche hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO wegen einer neuen Variante der Mpox-Viren in Afrika eine weltweite Notlage ausgerufen (queer.de berichtete). Bei einem vorherigen Auftreten der Mpox in Deutschland waren 2022 und 2023 rund 3.800 Fälle, überwiegend Männer, dem Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet worden. Die meisten hätten sich während eines internationalen Ausbruchs in der queeren Community im Rahmen engen körperlichen Kontakts beim Sex infiziert. Russland hatte dagegen nur einen Fall gemeldet.
Wie trügerisch die russische Gelassenheit ist, zeigen die HIV-Infektionszahlen im Land, die höher sind als irgendwo sonst in Europa. Die russische Gesundheitsbehörde schätzt, dass sich jährlich 70.000 bis 100.000 Menschen in Russland mit dem HI-Virus infizieren – Aids-Aktivist*innen gehen allerdings davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen höher sein könnten. Zum Vergleich: In Deutschland infizierten sich 2023 laut RKI-Schätzungen 2.200 Menschen mit HIV (queer.de berichtete). Damit ist die Chance in Russland, sich mit HIV zu infizieren, selbst nach den offiziellen Zahlen 20 bis 25 Mal höher als hierzulande – trotz den angeblich gesundmachenden "traditionellen Werten". (dk)














