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USA

Dragqueens als Sexualstraftäter beleidigt: Abgeordneter muss 200.000 Dollar zahlen

Viele US-Republikaner machen Wahlkampf mit Hass gegen queere Menschen. Doch ein Abgeordneter aus Neuengland hat den Bogen überspannt.


Der Republikaner David Love hat zugegeben, dass seine Vorwürfe gegen zwei Dragqueens nicht wahr sind (Bild: Archiv)

  • 28. August 2024, 14:44h 3 Min.

Ein queer­feindlicher Abgeordneter im US-Bundesstaat New Hampshire muss zwei Dragqueens je 100.000 Dollar (90.000 Euro) zahlen, weil er sie als Sexualstraftäter bezeichnet hatte. Der Republikaner David Love hat sich laut dem Lokalsender WMTV mit den beiden Drag-Performern vergangene Woche außergerichtlich auf die Zahlung des Schadensersatzes geeinigt.

Hintergrund ist eine Anhörung im Jahr 2022 in einem Parlaments­ausschuss des Repräsentantenhauses in Concord. Damals hatte Love einen Gesetzentwurf präsentiert, in dem vorgesehen war, dass alle Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen an öffentlichen Büchereien auf eine kriminelle Vergangenheit überprüft werden müssen. Er begründete die Aktion auch mit den sogenannten "Drag Queen Story Time"-Veranstaltungen – also Events, in denen Dragqueens Kindern oder Jugendlichen Bücher vorlesen. Love nannte dabei zwei Dragqueens beim Namen und warf ihnen Sexualvergehen vor. So erklärte er, Dragqueen Clara Divine "reibt seinen Hintern an Kinder". Des weiteren behauptete er, Dragqueen Monique Toosoon sei ein verurteilter Sexualstraftäter. Beide Vorwürfe waren frei erfunden. Auch bei späteren politischen Treffen wiederholte er die Vorwürfe, obwohl die beiden Dragqueens diese empört zurückwiesen. Seinen Ausbruch erklärte der Politiker auch damit, dass er selbst im Alter von sechs Jahren sexuell missbraucht worden und dadurch zum Alkoholiker geworden sei.

Als es nicht mehr anders ging, entschuldigte sich Love schließlich in sozialen Medien für die Äußerungen und erklärte, er habe auch die beiden Dragqueens um Verzeihung gebeten. Love begründete seinen Ausbruch damit, dass er "unwahre Informationen" über die Dragqueens erhalten habe. "Ich habe es versäumt, diese zu überprüfen", behauptet er.

Love-Vorwurf war Teil einer republikanischen Kampagne

Die Dragqueens verklagten den Politiker aber trotz Loves Rückzieher wegen Verleumdung. Robert Champion, wie Monique Toosoon im echten Leben heißt, erklärte gegenüber der "Washington Post", Loves Entschuldigung sei nicht vom Herzen gekommen und reiche angesichts des ungeheuren Vorwurfs nicht aus. Er verwies auch darauf, dass die Vorwürfe Teil einer regelrechten republikanischen Kampagne gegen queere Menschen seien. Champion wolle sich nun dafür engagieren, dass Love bei den Wahlen im Herbst nicht wiedergewählt wird.

Im USA-weiten Wahlkampf machen die Republikaner derzeit vor allem gegen queere Menschen Stimmung – und warnen, dass "woke" Akzeptanz die Mehrheitsgesellschaft gefährde. Dies führte zu teils haarsträubenden Vorwürfen. Eine republikanische Kandidatin aus Missouri warb etwa mit den Worten: "Fickt diese schwulen Pädophilen in unserer Regierung" (queer.de berichtete). Dabei zeigen auch Kandidat*innen für wichtige Posten extremen Hass gegen queere Menschen: Der republikanische Kandidat für das Gouverneursamt im bedeutenden Swing State North Carolina hatte etwa behauptet, dass Homosexualität im Gegensatz zu Kuhmist "keinem Zweck" diene (queer.de berichtete). (dk)

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