https://queer.de/?50767
Oh Gott, oh Gott, oh Gott...
Stoff-Schwänze sorgen auf Neusser Kirmes für Aufregung
In mehreren Stofftier-Automaten können Besucher*innen eines Volksfests in Neuss bunte Stoff-Schwänze gewinnen. Das regt so manchen auf.

Freundlich lächelnde Stoff-Puller wie diese – dazu noch in Regenbogenfarben – sind so manchem schon zu bunt (Bild: Archiv)
- 30. August 2024, 12:19h 2 Min.
"Frühsexualisierung" auf der Neusser Kirmes: Wie "RP Online" berichtet, gibt es um das Volksfest in der Großstadt Neuss bei Düsseldorf viel Aufregung um mehrere Automaten, an denen Besucher*innen, gegen Einwurf einiger Münzen, grinsende Stofffiguren in Penisform gewinnen können – natürlich nur, wenn sie den Greifarm richtig positionieren können. Die schlüpfrigen Stoffkunstwerke tragen dabei Schriftzüge wie "Dickpic" oder "I love you". Teilweise haben sie auch die Farben der Regenbogenfahne.
Das führte auf Facebook zu allerlei ablehnenden Reaktionen – teilweise versuchten die Autor*innen dabei gar nicht zu verheimlichen, dass sie den Plüschschwanz aus Homophobie ablehnen: "Bestimmt wieder so kaputte Grüne oder Regenbogen-gesteuerte von der letzten Generation!", mutmaßte ein Nutzer auf Facebook. "Schon heftig, mit welchen Mitteln Kinder angelockt werden", beschwerte sich ein anderer. Eine Nutzerin ergänzte: "Kirmes ist doch voll gedacht für Familien. Was soll das da?".
"Jetzt gibt es halt sowas...."
Andere wiederum fanden die Aktion "lustig" oder harmlos. "In den 90ern konntest du Kondome gewinnen, da haben sich alle aufgeregt. Jetzt gibt es halt sowas.…", schrieb ein Nutzer. Einige wiesen auch darauf hin, dass die Stoffschniedel von einem niederländischen Schausteller stammten – und in diesem Land geht man bekannterweise mit derartigen Dingen lockerer um als bei den leicht errötenden Deutschen.
Kritik gab es auch daran, dass gleich mehrere dieser Maschinen aufgestellt wurden – und dies eine Vorstufe zum Glücksspiel sei. Dies sei gefährlich in einem Land, in dem geschätzt 1,3 Millionen an Glückspielsucht litten.
Penis-Automaten waren laut Stadt Neuss eine Notlösung
Die große Anzahl der Automaten sei aber aus der Not heraus geboren, erklärte die Stadt Neuss. "Aufgrund kurzfristiger Absagen anderer Aussteller wurden diese 'Leerstandorte' mit Automaten-Geschäften befüllt, sofern keine anderen Aussteller aktiviert werden konnten", teilte die Stadt gegenüber "RP Online" mit. Wenn die Stadt Hinweise erreichten, dass bestimmte Darstellungen anstößig sein könnten, "überprüft das Kirmes-Team dies unverzüglich und sucht sofern erforderlich das Gespräch mit den Schaustellern". Die Stadt erklärte auch, dass verschiedene Darstellungsformen naturgemäß von jedem Mensch unterschiedlich wahrgenommen werden können.
Bereits in der Vergangenheit hatte es moralische Panik um das männliche Geschlechtsteil gegeben. So ordnete das Kölner Ordnungsamt 2016 an, dass gemalte Phallus-Bilder und "Schwanz-Memory"-Spiele am queeren Weihnachtsmarkt überdeckt werden mussten (queer.de berichtete). "Das ist Kunst, keine Pornografie!", kritisierte damals der Illustrator. (cw)















