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1. bis 15. September 2024

Queere Highlights bei den Jüdischen Filmtagen Frankfurt

Queere Ultraorthodoxe, ein Safe Space für trans Frauen in den 1950ern und die queere Frau hinter New Yorks Pornokinos: Die Jüdischen Filmtage Frankfurt zeigen drei sehenswerte queere Dokus. Eine gibt's auch als Online-Stream.


Szene aus "The Holy Closet" (Bild: Jüdische Filmtage Frankfurt)

In Frankfurt lebt heute die drittmeisten Jüdinnen*Juden Deutschlands. Alle zwei Jahre richtet die dortige Jüdische Gemeinde abwechselnd zu den Jüdischen Kulturwochen die Jüdischen Filmtage aus – vom 1. bis 15. September 2024 ist es wieder soweit.

In diesem Jahr stehen drei queere Highlights auf dem Programm:

The Holy Closet

Zwei jugendliche Schwule, die sich daten. Nichts Besonderes – doch einer trägt eine Regenbogenkippa und die Zizit, die Fäden, die unter dem Oberteil hinausragen und an die 613 Gebote im Talmud erinnern.

Ein lesbisches Paar, das mit den Kindern das Schabbatbrot Challah backt. Ein schwangerer trans Mann beim Ultraschall, die Hochzeit eines schwulen Paares, das traditionell ein Glas zertritt, die Beschneidung eines Kindes mit zwei Müttern, ein schwules säkular-religiöses Paar, das Pessach feiert: Das ist die queere Bandbreite, die der Dokumentarfilm "The Holy Closet" abbildet.

Der Film von Moran Nakar zeigt in kurzen Reportagen Einblicke in die queere Vielfalt Israels. Dafür verzichtet die Doku auf einen Off-Kommentar. Stattdessen werden immer mal wieder knappe Hintergrundinfos eingeblendet – der schnörkelige Comic-Stil erinnert sehr an "Heartstopper". Ausführlichen Kontext zu jüdischen Traditionen oder der Haltung zu Queerness liefert der Film jedoch nicht.

So erlaubt "The Holy Closet" es den Protagonist*innen vielmehr, ihre eigene Geschichte zu erzählen, von ihren Hürden, aber vor allem auch Erfolgen zu berichten. Die Doku fokussiert sich auf empowernde Storys, die zeigen, dass sich gelebte Religion und gelebte Queerness nicht ausschließen müssen.

Nach der Filmvorführung am 2. September sprechen die queer-feministische Aktivistin und Pädagogin Michal Schwartze und Maya Roisman vom queeren jüdischen Verein Keshet über queeres Judentum, Empowerment und Sichtbarkeit jüdischer Vielfalt.

Direktlink | Trailer zu "The Holy Closet"
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Casa Susanna

Queere Menschen gab es schon immer, und schon immer suchten sie sich Orte, an denen sie frei leben und sich entfalten konnten. Ein ganz besonderer Safe Space war die Casa Susanna, ein Holzhaus in den Catskill Mountains im US-Bundesstaat New York. Dort trafen sich in den 1950er und 1960er Jahren Cross-Dresser – ein Sammelbegriff, der aus heutiger Sicht sowohl trans Frauen, nichtbinäre Menschen sowie cis Männer, die gerne Frauenkleider tragen, umfasst.

In der Casa Susanna konnten sie tanzen, sich austauschen, sie selbst sein – oder sich selbst überhaupt erst erkennen, wie eine Protagonistin erzählt. Anhand von vielen Archivfotos (mehr zu den Fotos hier) und Treffen mit Zeitzeug*innen erzählt der französisch-jüdische Regisseur Sébastien Lifshitz (bekannt etwa für den Klassiker "Wild Side" und die berührende Doku "Kleines Mädchen") diese noch wenig bekannte Geschichte von Susanna Venti und ihrem queeren Zufluchtsort. Noch bis zum 20. Oktober ist die Doku auch in der Arte-Mediathek zu finden.

Queen of the Deuce

Als wären das nicht schon genug außergewöhnliche queere Geschichten, setzt "Queen of the Deuce" noch einen drauf. Der Dokumentarfilm porträtiert Chelly Wilson, eine sephardische Jüdin mit Wurzeln in Spanien, die in Griechenland als Rachel Serero geboren wurde und vor dem Holocaust in die USA floh.

In New York war sie Teil der griechischen Exil-Community. Geschäftstüchtig und talentiert, wie sie war, erschuf sie ein Imperium an Porno-Kinos – für Hetero- wie Homosexuelle. Ein Novum, Risiko und Erfolgsmodell zugleich.

Regisseurin Valerie Kontakos traf für "Queen of the Deuce" Weggefährt*innen, Verwandte und Geschäftspartner*innen, die sich an Chelly Wilson erinnern. Sie muss eine schlagfertige, charmante, fluchende, großzügige, ungewöhnliche, inspirierende Frau gewesen sein, die zwar mit einem Mann verheiratet war, aber eigentlich eher Frauen liebte. Statt auf klassische Reenactments nutzt die Doku Comicszenen, die die ohnehin schon bemerkenswerte Geschichte noch anreichern.

Direktlink | Trailer zu "Queen of the Deuce"
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