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Kinostart

Fabian Stumm, der queere Nachfolger von Loriot?

Fabian Stumms neue Tragikomödie "Sad Jokes" gibt uns einen kurzen Einblick in das herausfordernde Leben eines schwulen Singles mit Kind. In seinen besten Momenten erinnert der Film an den satirischen Großmeister Loriot.


Fabian Stumm spielt in seinem eigenen Film den schwulen Regisseur Joseph (Bild: Salzgeber)

"Sad Jokes" ist eigentlich kein kohärenter Film mit einem Anfang und einem Ende, sondern eher eine Aneinanderreihung oft sketchartiger Szenen, aus denen nach und nach das Bild eines gerade recht schwierigen Lebens entsteht. Das klingt auf den ersten Blick nach eher anstrengender Kost, ist es aber nicht. Denn was Regisseur Joseph alles so passiert, schwankt immer zwischen Drama und Komödie, variiert zwischen banalem Alltag und witziger Satire mit gelegentlich absurden Elementen.

Depressionen, Streit, ein verpatztes Date


Poster zum Film: "Sad Jokes" startet am 12. September 2024 regulär im Kino und ist zuvor bereits beim Queerfilmfestival zu sehen

Als wir Joseph kennenlernen, kommt er gerade nach Hause und findet dort überraschend seine beste Freundin Sonya vor, die eigentlich wegen Depressionen in einer Klinik sein sollte. Stattdessen jedoch hat sie den gemeinsamen Sohn Pino in der Kita abgeholt, war einkaufen und möchte nun richtig groß für alle kochen. Die Szene beginnt ganz harmlos, bis man nach und nach realisiert, dass es wohl doch besser wäre, Sonya bliebe in der Klinik – etwas, das ihr auch ihre Mutter, eine Freundin und Joseph möglichst sanft beizubringen versuchen, sie aber partout nicht einsehen will.

Joseph derweil nagt noch immer an der Trennung von seinem Freund von vor drei Jahren. Immerhin kann er gerade die Premiere seines aktuellen Films feiern, während er an seinem nächsten arbeitet. Aber Szene für Szene wird klar, dass die Dinge für ihn gerade nicht besonders rund laufen: An seiner Filmpremiere zankt sich das lesbische Hauptdarstellerinnen-Paar so unverhohlen, dass sich die Gratulationen der Gäste in peinlich berührtes Schweigen verwandeln. Sein Produzent findet das Drehbuch für seine geplante neue Komödie schlicht nicht lustig. Der erste Dating-Versuch seit langem wird so oft von Pinos Schreien aus dem Kinderzimmer unterbrochen, dass der eigentlich vielversprechende Typ sich doch lieber aus dem Staub macht.

Ein gefährlicher Snackautomat

Und dann klemmt sich Joseph zu allem Übel auch noch seine Hand in einem Snackautomaten so heftig ein, dass er sie von allein nicht wieder rausbekommt und um Hilfe bitten muss. Die Szene, ebenso wie die folgende im Krankenhaus, wo Joseph auf eine Hand-Operation wartet, erinnert in ihrer absurd-schrägen Brillanz an Loriot, den Großmeister der satirischen Gesellschafts- und Alltagsbeobachtung.

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Diesen gibt Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Fabian Stumm denn auch als prägend an, neben anderen großen Namen wie Charlie Chaplin, Ernst Lubitsch oder François Truffaut. "Aufrichtigkeit und Albernheit liegen in deren Werken oft nah beieinander, das finde ich sehr schön und erzählenswert", sagt Stumm in einem Interview. Und ergänzt: "Es ist ein Film über das Durchhalten. Über Wege, wie man sich um Menschen kümmern kann, die man liebt, auch wenn man voneinander entfernt ist. Und darüber, wie das Leben grausam, lustig, tröstlich und manchmal alles zur gleichen Zeit sein kann." Zudem hat der Film offenbar autobiografische Elemente, vermischt mit Fiktion.

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Bester Nachwuchs-Regisseur

"Sad Jokes" feierte im Juli am Münchner Filmfest Premiere, und der 43-jährige Stumm wurde gleich mit einem Förderpreis als bester Nachwuchs-Regisseur geehrt (queer.de berichtete). Der Film sei "ein konzentrierter Blick in die Absurditäten und Spannungen des Lebens, mal aggressiv und ruppig, dann einfach nur unwirklich und schließlich poetisch schön".

Die Tragikomödie endet so offen wie sie anfängt. Dabei würde man gerne wissen, wie es denn nun weitergeht im Leben dieses Mannes: Gibt's noch eine Chance für ein zweites Date? Bekommt Sonya ihre Depressionen in den Griff? Wird aus dem Drehbuch vielleicht doch noch eine Komödie? Aber so ist das im Leben: Antworten gibt's immer nur mit der Zeit – und manchmal auch gar nicht.

Infos zum Film

Sad Jokes. Drama. Deutschland 2024. Regie: Fabian Stumm. Cast: Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem, Anne Haug, Knut Berger, Hildegard Schroedter, Nicola Heim, Tina Pfurr, Anneke Kim Sarnau, Susie Meyer, Romina Küper, Doreen Fietz, Marco Ippoliti, Rahel Savoldelli, Sebastian Schipper, Max Krumm. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: deutsch-englisch-schwedisch-italienische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 12. September 2024, zuvor ist der Film bereits beim Queerfilmfestival zu sehen
Galerie:
Sad Jokes
12 Bilder
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