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Interview

Wie biografisch ist "Sad Jokes", Fabian Stumm?

Nach seinem Spielfilm-Debüt "Knochen und Namen" präsentiert Fabian Stumm mit "Sad Jokes" seinen zweiten Streich, wiederum als Hauptdarsteller, Autor und Regisseur. Am Donnerstag startet die Dramödie um einen schwulen Regisseur und Vater regulär im Kino.


Fabian Stumm (l.) und Jonas Dassler in "Sad Jokes" (Bild: Salzgeber)

Er pfeift auf Fördermittel und macht einfach sein Ding. Das macht der Regisseur Fabian Stumm ziemlich gut. Und ist dabei auch noch schnell: Nur ein Jahr nach dem preisgekrönten Liebesdrama "Knochen und Namen" folgt nun die tragisch-komische Lovestory "Sad Jokes".

Auch in seinem zweiten Streich fungiert Stumm als Hauptdarsteller, Autor und Regisseur – und wurde von unserem Filmkritiker Ralf Kaminski bereits mit Loriot verglichen. Inhaltlich geht es um das herausfordernde Leben eines schwulen Filmemachers und Singles mit Kind. Jungstar Jonas Dassler hat einen zwar kurzen, jedoch sehr bewegenden Auftritt als Ex-Lover.

Vor dem offiziellen Kinostart am 12. September 2024 trafen wir Fabian Stumm zum Interview.

Herr Stumm, die Premiere von "Sad Jokes" beim Filmfest München avancierte zum Coup. Als Ritterschlag folgte die Einladung aufs renommierte Festival von Toronto – haben Sie mit dem Erfolg gerechnet?

Sagen wir so: Ich habe natürlich gehofft, dass der Film gut aufgenommen wird, aber auf diese Welle an Wärme und Reaktionen war ich nicht vorbereitet. Das war eine sehr schöne Überraschung.

Was hat es mit dem Titel auf sich?

Der ist ein Zitat aus einem Dialog im Film. Ich mochte, dass er wortwörtlich auf den Punkt bringt, woraus sich der Film zusammensetzt: Aus traurigen und lustigen Momenten.

Wie schon beim Debüt verzichten Sie auf Förderung – verstehen Sie sich als Freier Radikaler des deutschen Kinos? Was sind die Vorteile, ohne Subventionstheater?

Radikal sicher nicht. Gemeinsam mit meinem Team standen wir ganz einfach erneut vor der Entscheidung, den Weg der Förderung zu gehen und eine lange Wartezeit in Kauf zu nehmen, oder den Film mit wenig Mitteln zeitnah umzusetzen. Der Tatendrang war bei allen groß, also haben wir losgelegt. Natürlich soll das aber nicht zur Norm werden. Über Vor- und Nachteile kann ich dann vielleicht mehr sagen, wenn ich einen geförderten Film gedreht habe.


Regisseur Joseph (Fabian Stumm) und Sohn Pino
(Justus Meyer) in "Sad Jokes" (Bild: Salzgeber)

Beim zweiten Film ist alles schwerer? Oder spürt man den Erwartungsdruck?

Ich habe schon mehr Druck gespürt. Die Arbeit an sich fiel mir nicht schwerer, da fühlte ich mich sehr in meiner Kraft. Aber ich wurde von außen oft gewarnt, wie kompliziert es mit dem zweiten Film ist. Nach "Knochen und Namen" hatte ich also schon das Gefühl, mehr Augen auf mich und meine Arbeit gerichtet zu haben. Das musste ich dann erstmal ausblenden, um mich nicht unfrei zu fühlen.

"Es ist ein Film über das Durchhalten" sagten Sie – wie ist das gemeint?

Im Leben geht es auf verschiedenen Ebenen viel ums Durchhalten. Krankheit, Verlust, Loslassen – das sind Themen, mit denen wir alle immer wieder konfrontiert werden. In künstlerischen Berufen ist Durchhaltevermögen natürlich auch ein Talent, dass man beherrschen muss. Schauspieler sein zum Beispiel ist nicht schwer, wenn man Arbeit hat. Die Leerstellen zwischen den Jobs zu navigieren, das ist die größte Herausforderung. Darüber wollte ich filmisch nachdenken.

Der Film bietet eine Mischung aus bewegend, traurig und slapstickhaft – wie trifft man die richtigen Zutaten, ohne dass es angestrengt wirkt?

Das hat für mich viel mit Rhythmus und dem Austarieren der verschiedenen Temperaturen zu tun. Am Ende des Tages geht es aber wohl um eine Aufrichtigkeit, die man spüren muss. Wenn die intakt ist und ich mir als Erzähler eine gewisse Leichtigkeit bewahre, kann man dem Publikum diese Brüche auch abverlangen.

Wie bei den "Knochen" spielt das Ensemble eine große Rolle – wie wichtig ist das Kollektiv vor der Kamera?

Für mich ist das Ensemble essenziell, auch weil ich die meisten Rollen bereits für bestimmte Spieler*innen schreibe. Und gerade weil ich selbst vor der Kamera mitwirke, brauche ich ein Ensemble um mich herum, das mit mir in dieselbe Richtung schaut und damit umgehen kann, dass ich gleichzeitig inszeniere und spiele.

Direktlink | Offizieller Trailer zum Film
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"Den Namen Fabian Stumm wird man sich merken", attestiert Jonas Dassler. Wie kommt der Jungstar in Ihren Film?

Jonas und ich kennen uns über gemeinsame Freunde. Der Ex-Freund der Hauptfigur ist ein zentrales Element der Geschichte, tritt aber erst spät auf – es war also wichtig, in nur einer Szene ein Gefühl für die Beziehung der beiden Charaktere zu bekommen. Jonas hat das sofort verstanden und eine große Sanftheit mit eingebracht.

Gebrochene Finger hat Sie selbst ereilt. Wie biografisch ist das Werk?

Es gibt durchaus einige biografische Eckpunkte innerhalb der Geschichte – der Finger, das Freundschaftsfamilienmodell, die Schwierigkeit des zweiten Films. Es macht mir großen Spaß, mit diesen echten Elementen zu jonglieren. Trotzdem ist "Sad Jokes" aber eine klare Fiktion.

Welche Künstler*innen beeinflussen Sie in Ihrer Arbeit?

So viele. Filme von Claude Sautet, Robert Altman, Francois Truffaut, André Téchiné oder Maurice Pialat sind mir sehr wichtig, genau wie die Bücher von Annie Ernaux, Peter Stamm oder Heinrich Böll. Die Bilder von Nicolas de Staël beeinflussen mich oft, was Farben in meinen Filmen angeht. Und Taylor Swift liefert seit Jahren den Soundtrack meines Lebens. Ich habe sie kürzlich in München live gesehen, das war ein echtes Erlebnis.

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Was wäre Ihr Ratschlag für Kinogänger*innen?

Für mich ist "Sad Jokes" ein Film, der einem die Hand reicht. Und wenn man Lust hat, nach dieser Hand zu greifen, dann kann man 90 Minuten zusammen über die herausfordernden, peinlichen und versöhnlichen Momente des Leben lachen und weinen. Das wäre jedenfalls mein Wunsch.

Könnten Sie noch einen funny joke liefern?

Ein Vampir fährt allein auf einem Tandem durch die Gegend. Da wird er von einem Polizisten angehalten. Der Polizist fragt: "Haben Sie was getrunken?" Darauf der Vampir "Nur zwei Radler."

Infos zum Film

Sad Jokes. Drama. Deutschland 2024. Regie: Fabian Stumm. Cast: Fabian Stumm, Haley Louise Jones, Justus Meyer, Ulrica Flach, Jonas Dassler, Godehard Giese, Marie-Lou Sellem, Anne Haug, Knut Berger, Hildegard Schroedter, Nicola Heim, Tina Pfurr, Anneke Kim Sarnau, Susie Meyer, Romina Küper, Doreen Fietz, Marco Ippoliti, Rahel Savoldelli, Sebastian Schipper, Max Krumm. Laufzeit: 96 Minuten. Sprache: deutsch-englisch-schwedisch-italienische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Salzgeber. Kinostart: 12. September 2024
Galerie:
Sad Jokes
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