https://queer.de/?50926
Frankreich
Trans-Gerüchte über Brigitte Macron: Zwei Frauen verurteilt
In Frankreich verbreiteten zwei cis Frauen das Gerücht, Brigitte Macron, die Ehefrau des Präsidenten, sei eine trans Frau. Nun wurden sie wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe auf Bewährung und Zahlung von Schadenersatz verurteilt.
- 13. September 2024, 06:27h 3 Min.
In Frankreich sind zwei Frauen wegen Falschaussagen über die geschlechtliche Identität der französischen Première Dame Brigitte Macron zu einer Geldstrafe auf Bewährung und Schadenersatz verurteilt worden. Am Donnerstag sprach ein Pariser Gericht die beiden cis Frauen, die das Gerücht verbreitet hatten, Brigitte Macron sei eine trans Frau, der Verleumdung schuldig. "Es ist kein Sieg, es ist eine normale Anwendung des Gesetzes", sagte der Anwalt der Präsidentengattin der Nachrichtenagentur AFP.
Bei dem Prozess ging es um eine regelmäßig im Internet auftauchende Falschnachricht: Darin wird behauptet, Brigitte Macron sei eine trans Frau und als Jean-Michel Trogneux geboren worden. Trogneux ist Brigitte Macrons Geburtsname, Jean-Michel Trogneux ist ihr Bruder. Die Präsidentengattin hatte im Januar 2022 deswegen Klage eingereicht (queer.de berichtete). Ihre drei Kinder und ihr Bruder schlossen sich der Klage an.
Schadenersatz für Brigitte Macron und ihren Bruder
Die Verurteilten wurden mit einer Geldstrafe von 500 Euro auf Bewährung sowie zur Zahlung von 8.000 Euro Schadenersatz an Brigitte Macron belegt. Auch verurteilte das Gericht die Frauen zu 5.000 Euro Schadenersatz an besagten Bruder der Première Dame.
Etwa hundert Menschen waren zu dem Prozesstermin gekommen – ein Großteil musste aus Platzgründen draußen bleiben. Brigitte Macron blieb dem Gericht fern, genau wie eine der Angeklagten, die krank war.
Chirurgische Eingriffe erfunden
Die Frauen hatten im Jahr 2021 mit einem vierstündigen, im Onlinedienst Youtube übertragenen Interview wesentlich dazu beigetragen, das Gerücht über das Internet weltweit zu verbreiten. Dabei befragte das selbsternannte Medium Amandine Roy auf ihrem Youtube-Kanal die "unabhängige autodidaktische Journalistin" Natacha Rey über die Entdeckung dieser "Staatslüge".
Die beiden sprachen über chirurgische Eingriffe, denen sich Brigitte Macron unterzogen habe, behaupteten, dass sie nicht wirklich die Mutter ihrer drei Kinder sei und gaben persönliche Informationen über ihren Bruder aus.
Nach dem Youtube-Video der Frauen war die Falschinformation viel bekannter geworden – vor allem in den USA hatte sie Anklang gefunden. Kürzlich ging das Gerücht in rechten Kreisen und mitten im Wahlkampf für die US-Präsidentschaftswahl im November noch einmal viral.
Auch Homo-Gerüchte über Emmanuel Macron verbreitet
Ähnliche Behauptungen über die geschlechtliche Identität waren zuvor über die ehemalige First Lady der USA, Michelle Obama, die aktuelle US-Vizepräsidentin und demokratische Präsidentschaftsbewerberin Kamala Harris und die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern verbreitet worden. Über Emmanuel Macron war mehrfach das Gerücht verbreitet worden, er sei schwul.
Der französische Präsident hatte im März erstmals öffentlich erklärt, dass ihm dies zu schaffen mache (queer.de berichtete). "Das Schlimmste ist, dass die Menschen es am Ende glauben, und einen damit verärgern, bis in das Privatleben hinein", sagte er. Macron fordert seit längerem eine strengere Aufsicht über Online-Inhalte. (cw/AFP)















