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Berlin (queer.de) – Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist gestern mit den Stimmen der Großen Koalition und der Grünen verabschiedet worden. FDP, Linkspartei und 18 Abgeordnete der Union stimmten bei einigen Enthaltungen dagegen. Insgesamt votierten bei der namentlichen Abstimmung 443 Abgeordnete mit Ja, 111 mit Nein und 17 enthielten sich. Der Diskriminierungsschutz wird voraussichtlich am 1. August in Kraft treten. Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich erleichtert, dass das AGG endlich verwirklicht wird. Sie lobte das Gesetz als "effektiv und unbürokratisch", kritisierte aber die "ideologische Schärfe" der Debatte. "Es gibt noch Diskriminierungen in Deutschland", warf sie den Gegnern des Gesetzes entgegen. Der CDU-Politiker Jürgen Gehb bezeichnete das AGG als "tragfähigen Kompromiss", auch wenn es "wahrlich kein gutes Gesetz" sei. Einige Unionsabgeordnete hätten mit "geballter Faust in der Tasche" zugestimmt. Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, lobte das "im Kern" gute Gesetz, kritisierte aber die Änderungen in letzter Minute als unsinnig. So wurde das Klagerecht für Betriebsräte und Gewerkschaften eingeschränkt (queer.de berichtete) und Wohnraumvermietung weitgehend ausgenommen. Das Merkmal "Weltanschauung" ist in letzter Minute gestrichen worden, damit sich Rechtsradikale keinen Zugang zu Geschäften einklagen können, erklärten Vertreter der Großen Koalition. Guido Westerwelle kritisierte trotz der Änderungen das AGG scharf: "Dieses Gesetz schadet den Minderheiten und wird mehr Bürokratie bringen", prophezeite der FDP-Partei- und Fraktionschef. "Wenn aus einem saudummen Gesetzentwurf ein dummer wird, ist das noch kein Fortschritt, das ganze bleibt dämlich." Dem "Nein" der FDP folgte auch die Linkspartei.PDS, allerdings weil den Sozialisten das Gesetz nicht weit genug ging.
LSVD freut sich über Verabschiedung
Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) hat die Entscheidung des Bundestages für das AGG begrüßt. "Die Verabschiedung des Antidiskriminierungsgesetzes ist ein Sieg der Vernunft gegenüber Vorurteilen und Schreckensgespenstern", so Sprecherin Sabine Gilleßen. Dass Lesben und Schwule in allen Regelungsbereichen integriert wurden, sei auch ein großer Erfolg für den LSVD. Ganz zufrieden ist der Verband mit der gegenwärtigen Fassung jedoch nicht: "Die Regelungen etwa im Mietrecht sind so zaghaft, dass sie Lesben und Schwule nur unzureichend schützten werden. Dennoch: Das Gesetz ist ein Gewinn. Es macht deutlich, dass Lesben und Schwule Respekt verdienen und Diskriminierungen nicht ohne Konsequenzen bleiben." (dk)

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#1 SaschaWAnonym
  • 30.06.2006, 11:50h
  • Na endlich!!!!

    Weiss jemand, wo man den genauen Wortlaut nachlesen kann?
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#2 gerdAnonym
  • 30.06.2006, 11:54h
  • Das wurde auch Zeit, dass dieses Gesetz endlich verabschiedet wird..Deutschland gehört zu den letzten EU-Staaten, die die Richtliien umsetzen und in kaum einem Land der EU wurde so verbssen ideologisch um dieses Gesetz gekämpft.

    Sehr gut gefallen hat mir in dieser Auseinandersetzung neben Herrn Volker Beck die SPD Justizministerin Zypriess und die SPD-Abgeordnete Christine Lambrecht mit ihrer gestrigen Rede im Bundestag. Frau Lambrecht sagte treffeb, "Wir geben den Betroffenen erstmal Instrumente an die Hand mit denen sie sich gegen Diskriminierung vor Gericht wehren können". Recht hat sie. Dies ist der Kern der Reform, auch wenn auf Druck der CDU Abschwächungen am Gesetz vorgenommen wurden.

    Die Linkspartei hat noch vielmehr gefordert und aus Sicht der Linken ist deren Ablehnung verständlich: nur leider waren deren Forderungen, die auch die Grünen mitgetragen hätten, aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nicht durchsetzbar.

    Indiskutabel empfand ich die Haltung der FDP beim AGG. Da wird Wirtschaftsliberalismus pur betrieben und Vertragsfreiheit missverstanden ("wie Frau Lambrecht von der SPD sehr wohl gut darstellte").

    Und die FDP unter Herrn Westerwelle hat "den Vogel abgeschossen": "Das Gesetz schade nur den Minderheiten, führe zu mehr Bürokratie, sei von Gutmenschen gemacht und würden zu Bewerbungsgesprächen erst gar nicht mehr eingeladen".

    Dazu kann ich als schwuler Mann nur sagen: ich bin dankbar dafür, dass ich jetzt gerichtlich die Möglichkeit habe mich im Fall der Fälle zu wehren. Es vermittelt eine innere höhere Rechtssicherheit, wenn man weiss "man kann sich gerichtlich wehren, wenngleich auch mit hohen Hürden").

    Es ist schon sehr bedeutend für viele homosexuelle Menschen, dass sie vor Gericht eine Chance haben und ÜBERHAUPT ein rechtliches INSTRUMENT an der Hand haben. Dies wird meines Erachtens dazu führen, dass zumindest in einigen Fällen, die Betroffenen nicht mehr "einknicken", sondern sich gerichtlich auch wehren.

    Herr Westerwelle hat gestern zutiefst in meinen Augen als schwuler Mann versagt...gleiches gilt für Herrn von Essen als parlamentarischer Geschäftsführer...eigentlich schade für eine liberale Parte, die ansonsten im Lebenspartnerschaftsrecht oder beim Transsexuellenrecht eine gute Postion innehat.

    Aber hier beim AGG ist die FDP katastrophal negativ aufgefalllen und homosexuelle Menschen sollten daher zu den Grünen, der SPD oder Linken wandern.

    Nochmal ein Dankeschön an Christine Lambrecht , SPD,für ihre gute Rede gestern.
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#3 Sascha NAnonym
  • 30.06.2006, 14:03h
  • Niemals werde ich zu den Grünen, zur SPD und erst recht nicht zur Linkspartei gehen. FDP und CDU hatten den Mut das AGG, welches die Entscheidungsfreiheit von Privatpersonen und-anbietern unterminiert, als das zu bezeichnen was es ist: Unsinn.
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