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Sachsen

CSD Döbeln trotzt Nazi-Aufmarsch und Buttersäure-Attacke

Wie bereits in Bautzen durfte auch im mittelsächsischen Döbeln ein Neonazi-Aufmarsch die CSD-Demonstration verfolgen – mit nur 200 Metern Abstand. Gegen die überwiegend jungen Rechtsextremen hagelte es Anzeigen.


Mit dem Slogan "Heimat, Jugend und Nation! Nieder mit der Perversion!" protestierten Neonazis gegen den CSD Döbeln (Bild: Screenshot Ansar TV)
  • 22. September 2024, 06:37h 2 Min.

Begleitet von rechtsextremen Gegenprotest haben Hunderte Menschen am Samstag den Christopher Street Day (CSD) in Döbeln gefeiert. Unter dem Motto "Bunte Flaggen gegen braune Politik" zogen sie durch die mittelsächsische Stadt – verfolgt von einer rechtsextremen Gegendemonstration der Partei Freie Sachsen und der Jungen Nationalisten.

/ kevin_culina

Die CSD-Organisator*­innen hatten vergeblich ein Verbot des Nazi-Aufmarschs gefordert. Die Polizei verhinderte zwar ein direktes Aufeinandertreffen, es gab allerdings Sichtkontakt und Sprechchöre. Laut einer Sprecherin der Leipziger Polizeidirektion wurden mehrere Anzeigen wegen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten aufgenommen. An dem Einsatz waren rund 180 Beamt*­innen beteiligt, auch von Bereitschafts- und Bundespolizei.

Buttersäure auf der Demoroute versprüht

Vor Beginn der CSD-Demonstration fanden Beamt*innen eine übelriechende Flüssigkeit, vermutlich Buttersäure, wie die Polizei in der Bilanz am Abend mitteilte. Es erging eine Anzeige wegen Sachbeschädigung in Verbindung mit versuchter gefährlicher Körperverletzung. Ein Zusammenhang mit einer Fahrzeugkontrolle in der Nacht zuvor wurde geprüft. Im Transporter des ursprünglich geplanten Versammlungsleiters der rechten Gegendemonstration bemerkten Beamt*innen einen übelriechenden Geruch, fanden aber keine Substanzen.

/ KBSachsen

An Kundgebung und Demonstration zum CSD nahmen laut Polizei rund 650 Menschen teil. Zu den Redner*innen gehörte auch Sachsens lesbische Justizministerin Katja Meier. "Der CSD ist kein reines Privatvergnügen oder eine Party. Unter den aktuellen Vorzeichen ist er eine sehr politische Angelegenheit", sagte die Grünen-Politikerin.

/ KBSachsen

Zwei Jugendliche zeigten den Hitlergruß

Der rechtsextreme Gegenprotest mit etwa 180 Personen folgte im Abstand von rund 200 Metern zu dem CSD-Zug. Auf einem Transparent hieß es: "Heimat, Jugend und Nation! Nieder mit der Perversion!" Die überwiegend jungen Neonazis skandierten unter anderem "Es gibt kein Recht auf Homo-Propaganda". Eine 14-Jährige und ein 15-Jähriger sollen den Hitlergruß gezeigt haben, gegen sie wird wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt. Die Jugendlichen erhielten Platzverweise.

Ein 24-Jähriger erhielt eine Anzeige wegen Beleidigung einer CSD-Teilnehmerin und ein 22-Jähriger wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten. Er quittierte die polizeiliche Maßnahme den Angaben zufolge mit einem Handzeichen, das gegen Auflagen der Versammlung verstieß, und bekam noch eine Anzeige – ebenso ein 19- und ein weiterer 22-Jähriger sowie zwei Unbekannte. Zu den weiteren Auflagen der Polizei gehörten unter anderem ein Glasflaschenverbot, Alkoholverbot, das Verbot von Schutzwaffen sowie ein Vermummungsverbot.

Der CSD fand in diesem Jahr zum dritten Mal in Döbeln statt. Bereits im vergangen Jahr gab es einen Buttersäure-Anschlag (queer.de berichtete). Beim ersten CSD 2022 wurden Teilnehmer*innen von Neonazis mit Steinen beworfen (queer.de berichtete). (cw/dpa)

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