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Interview
Daniel Schuhmacher: LGBTI-Engagement ist "gerade jetzt superwichtig"
2009 gewann Daniel Schuhmacher DSDS – nun wird er erstmals Teil einer großen Musicalshow. Wir sprachen mit ihm über den Karriereschritt, die knallharte Musikbranche, sein spätes Coming-out und Engagement in queeren Projekten.

Daniel Schuhmacher, geboren 1987 in Pfullendorf, wurde 2009 als Gewinner der sechsten Staffel der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" bekannt (Bild: Tamara Müller)
- 22. September 2024, 08:38h 6 Min.
Während die Homosexualität von Bernd (ehemals Benny) Kieckhäben in der sechsten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) immer wieder thematisiert wurde, hielt sich der spätere Sieger von 2009, Daniel Schuhmacher, zu diesem Zeitpunkt bewusst zurück. Erst rund fünf Jahre später entschied er sich für sein Coming-out. In einem Interview mit der "Bild" erklärte Schuhmacher, dass er sich damals nicht im TV outen wollte, um seinen kleinen Bruder zu schützen. Zudem wollte er nicht durch Klischees von seiner Musik ablenken.
Heute zeigt sich Daniel Schuhmacher umso mehr "out and proud": Er tritt auf CSDs in ganz Deutschland auf und ist Teil des Projekts "100% Mensch", das sich für queere Bildung, Empowerment und Sichtbarkeit einsetzt. Dennoch liegt sein Hauptfokus auf der Musik, weshalb er besonders stolz ist, nun eine große Rolle in einer Musicalshow ergattert zu haben. Ab März 2025 wird er als Special Guest in "This is THE GREATEST SHOW!" zu sehen sein, einer Produktion, die die größten Musical-Hits aller Zeiten präsentiert.
Anlässlich dieses bedeutenden Karriereschritts sprach queer.de mit ihm über sein aktuelles Projekt sowie über seinen bisherigen Karriereweg, der von zahlreichen Herausforderungen geprägt war. Er erklärt, warum die Branche für ihn wie ein Haifischbecken wirkt und wie er heute auf sein Coming-out zurückblickt.
Was hat dich dazu bewogen, bei "This is THE GREATEST SHOW!" mitzumachen, und was erwartest du von der Musicalshow?
Ich bekam eine Anfrage und durfte dann, wie es üblich ist, durch eine Art Casting. Ich habe mich dann darüber informiert und war direkt Feuer und Flamme. Ich sollte ein paar vorgegebene Songs a cappella singen. Als ich dann die Zusage erhalten habe, war ich positiv überrascht – in der Branche bekommt man öfter ein Nein als ein Ja. Und ich hatte zugleich superviel Respekt, weil es für mich schon etwas ganz Neues sein wird. Als ich dann bei der Vorstellung 2024 in Stuttgart zu Gast war, habe ich mich schon stolz gefühlt, Teil von so etwas sein zu dürfen.
Wie bereitest du dich auf die Show vor?
Aktuell werden nach und nach die Songs, die ich singen werde, vorgeschlagen und getestet. Sobald diese dann stehen, freue ich mich auf die Herausforderung, diese einzustudieren.
Was können die Zuschauer*innen von deiner Rolle erwarten?
Das Tolle an der Show ist, dass es eine Mischung aus Musical und einem Konzert sein wird. Es werden Songs aus verschiedenen Musicals performt. In meinem Fall habe ich so gesehen keine Rolle. Ich werde als Special Guest vorgestellt und trete als ich selbst auf. Ich werde dann sozusagen in diese aufwendige und tolle Show integriert.
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Wie unterscheidet sich die Musicalwelt von den anderen Bühnen, auf denen du bisher gestanden hast?
Es gibt auf jeden Fall Unterschiede. Musicaldarsteller müssen Schauspiel, Gesang und Tanz verbinden und oft Songs nah am Original präsentieren. Davor habe ich den größten Respekt. Man kann sagen, dass ich, was meine eigenen Songs betrifft, natürlich freier bin. Was aber definitiv gleich ist: Man muss sich auf seine Sachen vorbereiten. Es ist schon sehr cool, auf Bühnen zu stehen, vor denen ich sonst als Gast in Musicals sitze.
Wie hat sich deine Sicht auf das Showbusiness seit deiner DSDS-Zeit verändert – und was hast du aus dieser Erfahrung gelernt?
Es ist ja kein Geheimnis, dass die Branche ein Haifischbecken ist. Man muss für sich selbst entscheiden, ob man gewisse Dinge, die man nicht unbedingt machen will, durchzieht oder sich in gewisser Weise treu bleibt.
Wenn man das Spiel mitspielt, kann es im besten Fall funktionieren. Wenn nicht, ist man natürlich in einigen Bereichen eher unerwünscht und als Casting-Act vielleicht auch verbrannt. Am Ende muss man mit seinen Entscheidungen leben und für sich selbst definieren, was man zu welchen Bedingungen erreichen will. Was man definitiv braucht, ist ein dickes Fell. An dem Wort "Superstar" – totaler Nonsens – gemessen zu werden, ist fast unerreichbar, und man wird oft leider daran gemessen.
Welcher Moment in deiner Karriere erfüllt dich besonders mit Stolz und warum?
Für mich ist es nach wie vor die Tatsache, unabhängig von goldenen Schallplatten und Charterfolgen, mein eigenes Ding zu machen. Jeder Song, den ich selbst- oder mitgeschrieben habe, der releast wird, ist für mich ein Erfolg und macht mich auch stolz. Dass ich seit über 15 Jahren mit Hochs und Tiefs noch von meinem musikalischen Schaffen leben kann, ist für mich etwas wirklich Tolles.
Was sind deine nächsten großen Ziele oder Projekte für die Zukunft?
Ich freu mich erstmal auf die Tour mit "This is THE GREATEST SHOW!". Aktuell schreibe ich wieder an neuen Sachen und bin da gerade sehr produktiv und probiere mich aus. Sobald wir dann im Studio sind und das alles vertiefen, werden dann für nächstes Jahr, wohl erst nach der Tour, neue Songs kommen. Gut Ding will Weile haben oder so. (lacht)
Wie hast du dein Coming-out öffentlich gemeistert und welche Rolle spielt es heute in deiner Karriere?
Heute kann ich sagen, ganz gut. Ich habe es zu meinen Bedingungen gemacht, mich nicht drängen lassen, obwohl es Druck in der Branche gab. Am Ende war es kein großes Coming-out und das wollte ich auch nicht. Habe ich Fans verloren? Ja. Fühle ich mich mit der Entscheidung den Schritt gemacht zu haben gut? Doppeltes ja. Ich bin seit mehr als drei Jahren glücklich vergeben. In meiner Musik spielt das Thema auch eine Rolle, aber ich gehe damit so um, wie man es meiner Meinung nach sollte, als etwas Normales und nichts Besonderes. Leben und leben lassen.
Warum ist dir dein Engagement für die queeren Community so wichtig und welche Veränderungen wünschst du dir in der Gesellschaft?
Ich glaub, mich pusht in diesem Fall, wie viel Angst ich vor meinem eigenen Coming-out hatte und wie ich aufgewachsen bin. Wenn man aus einer konservativen Kleinstadt kommt, ist es, glaube ich, nicht immer leicht mit diesem Thema. Daher bin ich, seit ich den Schritt gewagt habe, auch voll engagiert in diesem Thema (muss ja auch verpasste Zeit nachholen. (lacht) Es gibt sicher viele Menschen, denen es wie mir geht oder ging.
Gerade mit dem Rechtsruck merkt man, wie viele Hemmungen abfallen und es wieder viel mehr Übergriffe und Hass gibt. Unsere Gesellschaft ist gefühlt gerade an einem Punkt, an dem, unabhängig von der LGBTQIA+-Community, Empathie und Toleranz fehlen. Dieser große Rückschritt ist erschreckend und traurig.
Was bedeutet dir das Projekt "100% Mensch" und welche Botschaft möchtest du damit verbreiten?
Ich bin wie viele andere Künstler oder auch Aktivisten Teil des Ganzen, weil es leider nie aufhören wird, dass wir für Gleichberechtigung und Akzeptanz kämpfen müssen. Gerade jetzt ist es superwichtig, und da gibt es bei "100% Mensch" viele motivierte und tolle Leute. Da bin ich "nur" ein kleiner Teil. Aber jeder Teil trägt zum Ganzen bei. Deshalb ist es wichtig, dass wir in solchen Organisationen zusammenstehen und diese unterstützen.















