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Interview
Wie kam es zu "Dicks: Das Musical", Aaron Jackson und Josh Sharp?
Die schrägste und queerste Komödie des Jahres hat es in Deutschland zwar nicht auf die große Leinwand geschafft, ist aber jetzt fürs Heimkino erhältlich. Wir sprachen mit dem schwulen Autorenduo, das auch die Hauptrollen spielt.

Schwule Zwillinge, die aufeinander abfahren: Trevor (Aaron Jackson, l.) und Craig (Josh Sharp) in "Dicks: Das Musical" (Bild: A24)
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23. September 2024, 04:21h 5 Min.
Seit kurzem ist "Dicks: Das Musical" – die schrägste und queerste Komödie des Jahres – auf DVD und Blu-ray erhältlich und auch überall dort zu sehen, wo man Filme digital leihen und kaufen kann (Filmkritik von Ralf Kaminski). Verantwortlich dafür sind die beiden schwulen Comedians Josh Sharp und Aaron Jackson, die sowohl das Drehbuch schrieben als auch die Hauptrollen spielen. Wir trafen die beiden Freunde zum Interview.
Josh, Aaron, seinen Anfang nahm "Dicks: Das Musical" als Bühnenshow mit dem Namen "Fucking Identical Twins". Habt Ihr damals schon geahnt, dass daraus mal ein Film werden würde?
Aaron Jackson: Das ist inzwischen zehn Jahre her, wir waren Anfang 20 und natürlich wären wir im Leben nicht auf die Idee gekommen, aus dieser Geschichte einen Film zu machen.
Josh Sharp: Dass man uns überhaupt diese verrückte, alberne Geschichte erzählen ließ, fanden wir schon erstaunlich. Aber die Vorstellung, dass sie außerhalb dieses kleinen Comedy-Kellers in New York existieren könnte, schien vollkommen absurd. Doch dann meldete sich die Produzentin Kori Adelson bei uns und schlug vor, dass wir daraus mal ein Drehbuch schreiben. Und dann waren wir natürlich sofort Feuer und Flamme von der Idee.
Wart Ihr damals schon lange befreundet?
Aaron Jackson: Wir haben uns 2010 kennen gelernt, bei dem Underground-Comedy-Club, wo wir dann später auch unser Stück auf die Bühne brachten. Das war ein Sammelbecken für viele sehr lustige Leute, von denen wir bis heute mit vielen befreundet sind. Aber wir beide haben schnell gemerkt, dass wir besonders gut miteinander können. Wir beide fielen in die eher seltene Schnittmenge aus "schwul" und "schräger Comedy-Typ", das war natürlich ein gutes Omen.
Seit einigen Jahren boomt queere Comedy allerdings ganz schön, oder?
Aaron Jackson: Ich würde vielleicht eher sagen: Der Mainstream nimmt diese Nische innerhalb der Comedy-Welt mehr wahr als früher. Denn natürlich gab es gerade in New York City schon immer diese Szene, schwule Stand-Up-Komiker, queere Performance-Kunst, Drag-Shows und so weiter. Aber es ist spannend zu sehen, wie viele Freund*innen aus unserem Umfeld sich in den letzten Jahren eine ganz neue Sichtbarkeit erobert haben, vor und hinter der Kamera, auf Stand-up-Bühnen und mit Podcasts. Bowen Yang zum Beispiel kennen wir schon ewig, mit dem habe ich noch vor zehn Jahren Theater für Kindergeburtstage gemacht. Julio Torres haben wir auch gleich in unseren ersten Monaten in New York kennen gelernt. Es macht so viel Spaß zu sehen, wie wir alle unser Ding inzwischen nicht mehr nur für bestenfalls 50 Leute im Publikum machen.

"Dicks: Das Musical" ist am 13. September 2024 fürs Heimkino erschienen
Wie seid Ihr beide eigentlich zur Comedy gekommen?
Josh Sharp: Wenn man wie ich auf dem Land aufwächst, zumal in den Südstaaten, und als Kind erstmal seine sexuelle Identität versteckt, ist es ein sehr hilfreicher sozialer Mechanismus, wenn man witzig ist. So habe ich die Leute dazu gebracht, mich zu mögen. Später am College fing ich dann an, mich für Impro-Comedy zu begeistern. Ich sah mich nicht wirklich als Komiker, aber landete an besagtem Comedy-Theater, wo ich dann Leute wie Aaron kennenlernte und eins zum anderen führte.
Aaron Jackson: Ich war einfach immer schon ein Theater-Kind. Mein Traum war es schon in jungen Jahren, irgendwann mal am Broadway auf der Bühne zu stehen. Gleichzeitig ahnte ich schon, dass Comedy zu meinen Stärken gehört. Als ich dann nach New York zog, belegte ich ein paar Impro-Kurse und fühlte mich in dieser Welt schnell so zuhause, dass ich das mit dem ernsthaften Theater irgendwann einfach sein ließ.
Regie geführt bei "Dicks: Das Musical" hat Larry Charles, den man zwar mit Comedy-Klassikern wie "Seinfeld", "Curb Your Enthusiasm" oder "Borat" in Verbindung bringt, aber nicht unbedingt mit Queerness. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Josh Sharp: Als unser Drehbuch irgendwann bei der Produktionsfirma A24 untergekommen war, landete es bei Larry auf dem Tisch und zu unserer großen Überraschung gefiel es ihm. Also trafen wir uns, was natürlich aufregend war, weil er eine Legende ist. Aber eben auch, weil er wirklich zu verstehen schien, was wir da machten. Mit dem Absurden kennt er sich nun einmal aus! Larry mag nicht queer sein, aber er war immer ein schräger Vogel. Und hat sich als Außenseiter verstanden, der in der Mainstream-Gesellschaft nicht unbedingt ein Platz für sich gesehen hat. Das ist ja nicht so weit weg von der Lebenserfahrung von Leuten wir uns. Insofern macht es schon Sinn, dass sein Humor und unserer gut zusammenpassen.
Aaron Jackson: Unsere ganz eigene Art von Kino ist eine, die Grenzen sprengt und unerwartet ist, die anzüglich genauso sein wie albern, schräg genauso wie deftig. Vermutlich nichts, was man so schon mal in einem Musical gesehen hat – und genau das fand er natürlich spannend.
Josh Sharp: Außerdem liebt er John Waters. Genau wie wir.
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Auch vor der Kamera habt Ihr ein paar erstaunliche Menschen versammelt: nicht nur Nathan Lane oder Megan Mullally, sondern auch Rap-Star Megan Thee Stallion. Wie seid Ihr denn mit der zusammengekommen?
Aaron Jackson: Ihre Rolle als Boss der beiden Protagonisten ist nicht besonders groß, aber gerade deswegen hatten wir die Idee, dafür einen wirklich bekannten Star anzufragen. Wir haben dann einfach überlegt, wer die absolut unwahrscheinlichste Besetzung in einem Film wie unserem wäre. Wer würde uns mit einer Zusage wirklich umhauen, auch wenn wir uns total sicher sind, dass wir uns eine Absage einhandeln? Was hatten wir schon zu verlieren? Aber wir waren sprachlos, dass sie dann tatsächlich zugesagt hat.
Josh Sharp: Wir hatten Glück, dass sie ohnehin angefangen hatte, nach Schauspiel-Jobs Ausschau zu halten. Und dass es sich um ein Musical handelte, half sicherlich auch, schließlich versteht sie vom Singen so einiges. Aber sie ist auch wirklich wahnsinnig witzig und hat einen tollen Humor.
Aaron Jackson: Sie hatte null Hemmungen, mit uns herumzualbern. Und ihr Song ist ein echter Showstopper, finde ich. Selbst die Leute, die "Dicks: Das Musical" einfach nur durchgeknallt und bescheuert finden, werden nicht bestreiten können, dass Megan darin eine super Figur abgibt!
Dicks: Das Musical. Musical-Komödie. USA 2023. Regie: Larry Charles. Cast: Aaron Jackson, Josh Sharp, Nathan Lane, Megan Mullally, Bowen Yang. Laufzeit: 83 Minuten. Sprachen: deutsche Synchronfassung, englische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 16. SquareOne Entertainment
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