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"Bitterer Abend"

Brandenburgs CDU-Spitzenkandidat Jan Redmann hat sein Ziel klar verfehlt

CDU-Spitzenkandidat Jan Redmann hat sein Ziel klar verfehlt, nächster brandenburgischer Ministerpräsident zu werden. Aufgeben will er der 44-Jährige aber nicht.


CDU-Spitzenkandidat Jan Redmann (li.) im ARD-Wahlstudio neben Wahlsieger Dietmar Woidke (Bild: IMAGO / dts Nachrichtenagentur)
  • 23. September 2024, 10:00h 4 Min.

Brandenburger Ministerpräsident wird Jan Redmann nicht – dieses Ziel hat der offen schwule CDU-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl am Sonntag klar verfehlt. Seine Partei landet abgeschlagen hinter SPD, AfD und sogar hinter dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Der 44-Jährige sprach am Sonntag von einem "bitteren Abend".

Er selbst führte das schlechte Abschneiden seiner Partei auf die Zuspitzung zwischen SPD und AfD zurück. Nach den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen Anfang des Monats sei den Brandenburgern "der Schreck in die Glieder gefahren", sagte Redmann. Die darauf folgende Polarisierung sei zu Lasten der anderen Parteien gegangen.

Redmann will CDU-Chef bleiben

Trotz der klaren Stimmverluste der CDU schloss Redmann am Montagvormittag persönliche Konsequenzen aus. Er sei der Landesvorsitzende der CDU und könne sagen, dass diese einige Aufgaben vor sich habe, sagte Redmann im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). "Diese Aufgaben muss ich auch übernehmen." Er werde sich vor der Verantwortung nicht drücken.

Zurückhaltend äußerte sich Redmann zu den nun bestehenden Aussichten der CDU auf eine weitere Regierungsbeteiligung. "Wir wissen, was der Wahlabend gebracht hat", sagte er dazu, dass die SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke künftig in einer Zweierkoalition mit dem BSW eine Mehrheit hätte, in einem Zweierbündnis mit der CDU aber nicht. Diese Situation sei die Basis für Gespräche über mögliche Koalitionen, sagte der CDU-Landeschef. Er wolle solche Gespräche aber nicht in Interviews vorwegnehmen.

Ein Dreierbündnis aus SPD, BSW und CDU hätte im Landtag eine komfortable Mehrheit gegen die dann alleinige Oppositionspartei AfD. Angewiesen auf eine Zusammenarbeit mit der CDU ist Ministerpräsident Woidke aber nicht.

Wahlkampf gegen Krankenhausschließungen und für "Märkische Grenzpolizei"

Im Wahlkampf hatte sich Redmann gegen Krankenhausschließungen und für das Handwerk positioniert. Auch mit dem Thema Migration wollte Redmann bei den Brandenburger*innen ankommen. Seine Idee war, eine "Märkische Grenzpolizei" einzuführen, um die Kriminalität an der Grenze zu Polen einzudämmen. Außerdem sprach er sich für Abschiebungen auch in unsichere Herkunftsländer aus. Damit hatte er nun aber nur wenig Erfolg – der Fraktions- und Parteivorsitzende führte seine Landespartei zu einem historisch schlechten Ergebnis.

Aufgewachsen in der Kleinstadt Wittstock/Dosse, ging Redmann nach dem Abitur zur Bundeswehr und wurde zum Richtladeschützen auf dem Kampfpanzer Leopard 2 ausgebildet, wie er auf seiner Webseite schreibt. Anschließend studierte er Jura und arbeitete als Anwalt in einer Baurechtskanzlei.

Parallel machte er Karriere in der Brandenburger CDU. Im Alter von 20 Jahren trat er in die Partei ein, mit 26 wurde er Landesvorsitzender der Jungen Union Brandenburg, mit 27 Mitglied des Landesvorstands, mit 39 Fraktionschef, mit 43 Parteichef.

Offener Umgang mit sexueller Orientierung

Mit seiner Homosexualität hält Redmann nicht hinterm Berg, postete etwa Anfang Januar 2023 auf Facebook, dass er seit 18 Jahren mit seinem Mann Peter zusammen sei. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde dies aber erst durch einen Auftritt Redmanns bei einer queerpolitischen Veranstaltung in Potsdam Anfang August.

Mehr Schlagzeilen machte eine Trunkenheitsfahrt. Im Juli wurde der CDU-Spitzenkandidat nachts betrunken auf einem E-Scooter erwischt – was er selbst publik machte. "Ich berichte Ihnen davon so direkt und unmittelbar, weil ich finde, dass Menschen Fehler machen können, man aber zu ihnen stehen muss", sagte Redmann damals.

Am Ende musste er eine Geldstrafe zahlen und seinen Führerschein abgeben (queer.de berichtete). Ob dies in Brandenburg viele davon abhielt, CDU zu wählen, ist unklar. Möglicherweise lag es eher an dem knappen Rennen zwischen SPD und AfD um den ersten Platz.

Bei den persönlichen Zustimmungswerten lag Redmann in den Umfragen deutlich hinter dem amtierenden SPD-Ministerpräsidenten Dietmar Woidke. Und in einer am Sonntagabend veröffentlichten Befragung für die ARD gaben drei Viertel der SPD-Wähler*innen in Brandenburg an, von der Partei zwar nicht überzeugt zu sein – sie aber zu wählen, um eine starke AfD zu verhindern. Unter CDU-Wählenden waren es demnach nur 59 Prozent. (AFP/cw)

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