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Legendäre Musik-Ikone
Bruce Springsteen wird 75: Der unverwüstliche LGBTI-Ally und Boss des Rock'n'Roll
Bruce Springsteen rockte sich aus ärmlichen Verhältnissen bis ganz nach oben. Heute wird der unbestrittene Boss des Rock'n'Roll 75 Jahre alt.

Bruce Springsteen im Juli bei einem Auftritt im Londoner Wembley-Stadion
- 23. September 2024, 11:54h 4 Min.
Mit seinen 75 Jahren blickt Bruce Springsteen auf eine mittlerweile 60 Jahre währende Musik-Karriere zurück. Der am 23. September 1949 geborene Sänger, der als Stimme der Arbeiterklasse und Chronist Amerikas gilt und auch als "Der Boss" bekannt ist, hat dabei auch aus seiner Unterstützung für die LGBTI-Community nie ein Geheimnis gemacht.
Vor gut 30 Jahren sorgte das melodische Klagelied "Streets of Philadelphia" für Aufsehen, der Film zum ersten Mainstream-HIV-Drama "Philadelphia" mit Tom Hanks als schwuler Positiver und Denzel Washington als dessen Anwalt. Das Lied war der Anfang der sogenannten "Allyship" zwischen Rock'n'Roll und der queeren Community. Aktivist Christan Fuscarino aus Springsteens Heimatbundesstaat New Jersey wird es noch heute ganz anders, wenn er an Springsteen denkt: "Wenn man zurückdenkt, wie viel Fortschritt es in den vergangenen 30 Jahren im Kampf gegen HIV und die Stigmatisierung queerer Menschen gegeben hat, ist es schön, sich an Bruces Menschlichkeit zu erinnern und seine Lyrics, die die emotionale Reise in den früheren Tagen der Aids-Epidemie beschreibt."
Auch sonst zeigte Springsteen klar, auf welcher Seite er steht. 1996 stellte er etwa in einem Interview mit dem LGBTI-Magazin "The Advocate" klar, dass er die Ehe für alle befürwortet – zu einer Zeit, in der die zwei Drittel der US-Bevölkerung dies ablehnten und Musikstars sich üblicherweise nicht zum Thema äußerten. 2016 zeigte er deutlich, was er von einem gerade transfeindlichen beschlossenen transfeindlichen Gesetz im US-Bundesstaat North Carolina hielt: Der Boss sagte er sein Konzert dort einfach ab (queer.de berichtete). Andere Rockbands, etwa Pearl Jam, folgten seinem Vorbild.
Überhaupt war und ist Springsteen, der zum zweiten Mal verheiratet ist, drei Kinder und ein Enkelkind hat, politisch. Seit Jahrzehnten engagiert er sich regelmäßig im Wahlkampf für die Demokraten. "Ich bin der Präsident, aber er ist der Boss", sagte Barack Obama einmal während seiner Amtszeit. Bis heute sind beide eng befreundet und haben unter anderem schon Bücher und Podcasts zusammen herausgebracht.
Die Beatles inspirierten jungen Springsteen
Springsteens begann, begann, als er im Jahr 1964 im Wohnzimmer seiner Eltern in der Industriestadt Freehold in New Jersey den legendären ersten Auftritt der Beatles auf amerikanischem Boden in der "Ed Sullivan Show" verfolgte und in diesem Moment beschloss, selber Musiker zu werden. Nachdem er sich mit kleinen Jobs, wie dem Streichen von Häusern und dem Teeren von Dächern, ein bisschen Geld organisiert hatte, nahm er seine Musik-Karriere noch im selben Jahr ohne weitere Umwege in Angriff.
In einem Interview mit "Associated Press beschrieb er diesen ersten Schritt vor wenigen Jahren folgendermaßen: "Ich sparte 18 Dollar und ging in den Western Auto Store in Freehold. Da stand eine Schrottgitarre im Schaufenster und ich sagte: 'Gib mir die da.' Es war die billigste, die sie hatten. Ich nahm sie mit nach Hause. Das war meine erste Gitarre."
Seine Entscheidung, Musiker zu werden, sorgte seinerzeit bei seinen Eltern für wenig Begeisterung. "Als ich aufgewachsen bin, gab es zwei Dinge, die in meinem Haus unbeliebt waren", verriet er einst bei einem seiner späteren Konzerte seinem Publikum. "Das eine war ich, und das andere war meine Gitarre." Sein Vater, der mal als Taxifahrer, mal als Gefängniswärter bescheidene Einkünfte nach Hause brachte, stellte sich seinen Sohn als späteren Rechtsanwalt vor, während seine Mutter, die als Sekretärin arbeitete, ihm vorschlug, seine kreativen Talente als Schriftsteller einzusetzen.
Dass er schließlich seinen eigenen Kopf durchsetzte, dankt ihm heute eine riesige weltweite Fangemeinde, deren Leben er mit seiner Musik begleitete und entscheidend mitprägte. An seinem heutigen 75. Geburtstag gilt er immer noch als unangefochtener Boss der amerikanischen Rockszene und einer der kommerziell erfolgreichsten Rockmusiker aller Zeiten.
Sprung in den Club der Milliardäre
Weltweit hat er rund 140 Millionen Alben verkauft, wurde mit 20 Grammys und einem Oscar (für den Song "Streets of Philadelphia" im Soundtrack von "Philadelphia" aus dem Jahr 1993) ausgezeichnet. Im Juli 2024 meldete das "Forbes"-Magazin, dass Springsteen nach dem Verkauf seiner Songrechte an Sony Music im Jahr 2021 für geschätzt rund 500 Millionen Dollar der Sprung in den Club der Milliardär*innen gelungen sei. Das Geld für seine nächste Gitarre wird er sich demnach wohl nicht mehr vom Mund absparen müssen.
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Doch ein derartiger Legendenstatus, wie der Boss ihn innehat, ist ohnehin nicht in Geld aufzuwiegen. Welcher Musiker kann schon von sich behaupten, dass es Radiosender gibt, die fast ausschließlich Musik von ihm spielen, wie das 2005 von der Sirius Satellite Group ins Leben gerufene "E Street Radio"?
Kurz vor seinem 75. Geburtstag zeigte sich "The Boss" ebenfalls sehr beeindruckt von seinem musikalischen Lebenswerk. Bei der Weltpremiere des Dokumentarfilms "Road Diary: Bruce Springsteen and The E Street Band", der einzigartige Impressionen seiner Welt-Tournee 2023-2024 vermittelt, auf dem Toronto International Film Festival am 8. September sagte Springsteen: "Wenn ich morgen gehen würde, wäre das in Ordnung." Und fügte grinsend hinzu: "What a fucking ride!" (spot/dpa/cw)













