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Queeres Dating
Nur 20 Prozent der bi+sexuellen Hinge-Nutzer*innen leben ihre Sexualität offen
Wie Bi+sexuelle den "Beweis es"-Druck überwinden und authentisch daten können. Sieben Tipps von Moe Ari Brown (he/they), Love and Connection Expert bei Hinge und lizenzierter Therapeut.

Person mit Bi+Flagge: Am 23. September wird weltweit der Bi+Visibility Day gefeiert (Bild: Vladimir Vladimirov / iStock)
- Von Moe Ari Brown
23. September 2024, 14:39h 5 Min.
Erst kürzlich ging durch die Medien, dass Bi+sexuelle mittlerweile laut einer US-amerikanischen Studie den größten Teil der LGBTQIA+-Gemeinschaft ausmachen – gleichzeitig erfahren sie oft die geringste Anerkennung und stehen unter starkem sozialen Druck. Für viele ist das Coming-out eine schmerzhafte Erfahrung. Ein Großteil (75 %) der bi+sexuellen Hinge-Nutzer*innen gibt an, beim Coming-out auf Hürden gestoßen zu sein – und häufig begegnen sie dabei dem, was wir bei Hinge als "Beweis es"-Druck bezeichnen.
"Beweis es"-Druck nennen wir die Erwartung von außen, die eigene sexuelle Identität ständig rechtfertigen zu müssen. Besonders bi+sexuelle Menschen fühlen sich oft gezwungen, ihre Sexualität zu erklären – insbesondere, wenn sie in heterosexuell erscheinenden Beziehungen sind oder als "heteronormativ" wahrgenommen werden. Das führt oft dazu, dass sie sich wiederholt outen müssen.
Eine tief verwurzelte Form von Biphobie.
Der "Beweis es"-Druck ist keine harmlose Erwartung, sondern eine tief verwurzelte Form von Biphobie. Sie tritt je nach Geschlechtsausdruck und Beziehungsbiografie unterschiedlich in Erscheinung. Weiblich gelesene Bi+sexuelle werden häufig als heterosexuell eingestuft, vor allem wenn sie Männer daten, und sehen sich unter Druck gesetzt, ihre Anziehung zu Frauen zu beweisen. Männlich gelesene Bi+sexuelle, die in der Vergangenheit Männer gedatet haben, werden hingegen oft mit Argwohn betrachtet, wenn sie Interesse an Frauen äußern, und es wird ihnen fälschlicherweise unterstellt, schwul zu sein.
Ein häufiges Missverständnis besteht darin, zu glauben, dass das Nichterwähnen der eigenen Bi+sexualität diese ungültig macht. Laut einer von Hinge durchgeführten Umfrage sind nur 20 Prozent der bi+sexuellen Datenden vollständig offen über ihre sexuelle Orientierung – verglichen mit 64 Prozent bei schwulen, 55 Prozent bei lesbischen und 43 Prozent bei queeren Datenden. Diese Zurückhaltung beim vollständigen Coming-out hat oft mit der Angst zu tun, nicht als wirklich "queer" anerkannt oder akzeptiert zu werden.
Sieben Tipps für bi+sexuelle Datende

Unser Gastautor Moe Ari Brown ist Love and Connection Expert bei Hinge und lizenzierter Therapeut (Bild: Hinge)
Daher möchte ich bi+sexuellen Datenden sieben Tipps an die Hand geben, um den "Beweis es"-Druck zu ignorieren und authentisch zu daten:
1. Erinnere dich: "Ich muss nichts beweisen."
Niemand außer dir kann wissen, zu wem du dich hingezogen fühlst. Du weißt, wer du bist. Wenn du in herausfordernde Situationen gerätst, erinnere dich daran, dass du niemandem etwas beweisen musst – weder deine Identität noch deine Vorlieben.
2. Korrigiere andere einfühlsam.
Sollten andere falsche Annahmen über deine Sexualität oder deine Partner*innen machen, korrigiere sie, um Missverständnisse zu vermeiden. Es ist es wichtig für dein Selbstbewusstsein, auf einfühlsame Weise Klarheit zu schaffen – wenn du schweigst, riskierst du, das Gefühl des so genannten Impostor-Syndroms weiter zu verstärken und dich in deiner Identität unwohl zu fühlen.
3. Befreie dich vom Impostor-Syndrom in Bezug auf Bi+sexualität.
Das Impostor-Syndrom betrifft viele LGBTQIA+-Menschen – besonders, wenn sie von anderen unter Druck gesetzt werden, sich zu beweisen. Achte auf diese Zweifel, die durch äußeren Druck entstehen, und versuche, diese einschränkenden Glaubenssätze loszulassen. Es gibt nicht nur eine Art, bi+sexuell zu sein.
4. Entwickle Rituale.
Regelmäßige Rituale können dir helfen, dein Selbstbewusstsein in Bezug auf deine Bi+sexualität zu stärken und den "Beweis es"-Druck zu reduzieren. Hilfreiche Rituale können sein:
● Zweifel notieren: Führe ein Tagebuch oder eine Notiz auf deinem Handy, um Zweifel festzuhalten. So bleibst du dir dieser Zweifel bewusst und kannst besser damit umgehen.
● Zweifel durch Glaubenssätze ersetzen: Nachdem du deine Zweifel eine Weile beobachtet hast, erkennst du möglicherweise Muster. Entwickle daraufhin einen positiven Glaubenssatz, den du jedes Mal anstelle des Zweifels wiederholst. Zum Beispiel: Wenn du denkst "Ich bin nicht bi+sexuell genug", könnte dein Glaubenssatz lauten: "Ich bin immer genug."
● Verbinde dich regelmäßig mit Menschen, die dich feiern: Sei es durch soziale Medien, Treffen mit queeren Freund*innen oder wöchentliche Anrufe – suche regelmäßig den Kontakt zu Menschen, die dich so akzeptieren, wie du bist. Dieses Zugehörigkeitsgefühl stärkt dein Selbstbewusstsein.
5. Date in deinem eigenen Tempo.
Der Druck, die eigene Sexualität zu beweisen, kann dazu führen, dass wir über Beziehungen sprechen, bevor wir wirklich bereit sind. Du solltest dir allerdings so viel Zeit nehmen, wie du brauchst. Ob du deine Beziehung(en) öffentlich machst oder nicht, sollte zudem eine gemeinsame Entscheidung sein, die auf euren Bedürfnissen basiert – nicht auf den Erwartungen von außen.
6. Priorisiere unterstützende Kontakte.
Wenn du dich auf Verbindungen, die dich gut fühlen lassen, fokussierst, umgibst du dich automatisch mit Menschen, die deine Authentizität annehmen und dich nicht in eine Schublade stecken wollen. Das hilft dir auch dabei, zu erkennen, welche Freundschaften, Dates und Gemeinschaften für dich die Richtigen sind.
7. Vertreibe die Meinungen anderer aus deinem Kopf.
Deine Bedürfnisse, Wünsche, Gedanken und Ansichten müssen den größten Raum in deinem Kopf einnehmen. Lerne, die Stimme in deinem Inneren zu hören und ihr zu vertrauen. Frag dich in unsicheren Momenten: "Wenn niemand anderes mich bewerten oder beachten würde, was würde ich dann tun, denken oder fühlen?"
Das Navigieren durch den "Beweis es"-Druck kann eine Herausforderung sein, aber indem du dein Selbstbewusstsein stärkst, dich mit unterstützenden Menschen umgibst und deinem eigenen Tempo folgst, kannst du eine authentische und erfüllende Dating-Erfahrung haben – unabhängig von den Erwartungen anderer.














